Bosch-Chef Denner Milliardeninvestition in Künstliche Intelligenz

Ob Bosch als Softwarelieferant eine Schuld am VW-Dieselskandal trägt, ist noch offen. Unterdessen trimmt Chef Volkmar Denner den Konzern auf Künstliche Intelligenz. Das Stammgeschäft ist robust, verliert aber an Dynamik.
Update: 27.01.2017 - 14:35 Uhr 5 Kommentare
Chef Volkmar Denner muss entscheiden, ob der Bosch-Konzern in die Batteriefertigung einsteigen will oder nicht. Quelle: picture alliance/dpa
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Chef Volkmar Denner muss entscheiden, ob der Bosch-Konzern in die Batteriefertigung einsteigen will oder nicht.

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StuttgartTraditionell gibt die Führungsspitze von Bosch um Volkmar Denner im Januar einen ersten Ausblick auf das neue Jahr. Bosch war selten so vorsichtig wie jetzt. Normalerweise gibt der Konzern eine Bandbreite für das erwartete Umsatzwachstum. Die Vorgabe von drei bis fünf Prozent hat der Konzern mit 73,1 Milliarden im Jahr 2016 nur mit Mühe eingehalten. Unter dem Strich steht ein Plus von 3,5 Prozent. Bereinigt um Wechselkursbelastungen von 1,3 Milliarden Euro sieht das Bild allerdings mit 5,4 Prozent Wachstum besser aus. 

„Wir sehen konjunkturelle Risiken vor allem in den politischen Entwicklungen“, sagt Bosch-Chef Volkmar Denner angesichts des Brexits und der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump und ergänzt: „Wir wollen aber stärker wachsen als die jeweiligen Märkte.“ Zugrunde legt Denner eine prognostizierte Steigerung der weltweiten Konjunktur um 2,3 Prozent, die Bosch übertreffen will. Von der Konjunktur erwartet Denner keinen Rückenwind für seinen Konzern.

Der Ausblick von Bosch ist von besonderem Interesse, weil das Unternehmen so breit wie kaum ein anderes in Deutschland aufgestellt ist. Bosch ist nicht nur der größte Autozulieferer der Welt, sondern stellt auch Hausgeräte, Elektrowerkzeuge und Industrie- sowie Gebäudetechnik her. Der Konzern beschäftigt weltweit 390.000 Mitarbeiter in 450 Gesellschaften in 60 Ländern.

Der Konzern erreichte 2016 ein operatives Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (operatives Ebit) in Höhe von rund 4,3 Milliarden Euro, nach 4,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Umsatzrendite sank von 6,5 auf 5,8 Prozent. Die Schwaben haben sich damit wieder etwas weiter von ihrer langfristigen Zielgröße von acht Prozent Wachstum bei acht Prozent operativer Rendite entfernt. Dennoch steht der Konzern finanziell sehr robust da, mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent und einer Liquidität von 16 Milliarden Euro.

Diese Substanz wird der Konzern brauchen. „Bosch befindet sich inmitten des größten Transformationsprozesses der Unternehmensgeschichte“, sagte Bosch-Chef Denner. Mit dem Geschäftserfolg von heute finanzieren wir den Erfolg in der Zukunft“, betonte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer.

Für neue Technologien für die Vernetzung von Produkten und Industrie und den Wandel hin zur Elektromobilität investiert der Konzern Milliarden. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 3,3 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Zum Jahresbeginn nahm das neue Bosch-Center für Künstliche Intelligenz mit 100 Experten an den Standorten Bengaluru (Indien), Palo Alto (USA) und Renningen (Deutschland) die Arbeit auf. Bis 2021 wird Bosch 300 Millionen Euro in den Ausbau investieren. „In zehn Jahren wird kaum ein Bosch-Produkt ohne Künstliche Intelligenz denkbar sein“, sagte Denner. Bereits in fünf Jahren soll diese Art von Produkten zehn Prozent des Bosch-Umsatzes erzielen. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat Bosch unter anderem den Heimroboter Kuri vorgestellt.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Im Kerngeschäft „Mobilitätslösungen“ – einschließlich des traditionellen Automobilzuliefergeschäfts – steigerte Bosch den Umsatz um 5,5 Prozent auf 44 Milliarden Euro. „Wir werden auch führend in der Elektromobilität sein“, bekräftigte Denner. Zum Lackmustest wird es Ende des Jahres kommen. Dann wird in der Bosch-Zentrale die Entscheidung getroffen, ob der Konzern in die Produktion von Batteriezellen einsteigt. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Teil der Wertschöpfung für Elektroautos.

Das Ja oder Nein für den Einstieg in die Batteriezellenfertigung hängt Denner zufolge davon ab, ob es gelingt, technisch bessere und günstigere Produkte im Vergleich zur Konkurrenz wie Samsung oder Panasonic zu produzieren. Letztgenannte Konzerne bauen mit dem US-Elektroautopionier Tesla eine große Batteriefabrik in den USA.

Eine Führungsrolle in der Elektromobilität?
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5 Kommentare zu "Bosch-Chef Denner: Milliardeninvestition in Künstliche Intelligenz"

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  • Also so ein kleiner Blechkasten als Bundeskanzler macht bestimmt keinen Schaden. Alle Jahre zieht man den Stecker und ein Neuer kommt ans Netz, das nennt man Wahl und kostet fast nichts.

  • Im Zeitalter der digitalen Transformation wird man für die meisten Menschen bei uns keine Verwendung finden. Herr Weise und seine Nachfolger werden es dann richten.

  • Jetzt brauchen wir künstliche Intelligenz, weil nicht die richtigen Immigranten zu uns kommen wollen.

  • Die künstliche Intelligenz holt man sich schon seit Jahrzehnten -allerdings zu weiten Teilen fruchtlos- ins Land.

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