Bosch und VW-Skandal Autozulieferer stellt 650 Millionen Euro zurück

Bosch lieferte VW die Software, mit deren Hilfe der Autobauer Abgaswerte manipuliert hat. Das hat nun auch finanzielle Auswirkungen auf den Zulieferer. Das Unternehmen rechnet 2016 mit einem verhaltenen Umsatzwachstum.
Update: 27.04.2016 - 16:06 Uhr
Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt seit Ende 2015 gegen Bosch wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Quelle: dpa
Bosch-Zentrale

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt seit Ende 2015 gegen Bosch wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug.

(Foto: dpa)

RenningenDie Schatten des VW-Dieselskandals lasten nun auch finanziell auf dem Autozulieferer Bosch. Wegen der Untersuchungen zur Software-Manipulation in Dieselmotoren seien Rückstellungen für rechtliche Risiken gebildet worden, sagte Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer am Mittwoch in Renningen. „Von diesen Untersuchungen sind wir als Zulieferer betroffen.“ Insgesamt wurden den Angaben zufolge 650 Millionen Euro zurückgestellt, davon aber auch ein Teil wegen separater Kartellrechtsverfahren. Da es sich um rechtlich sensible Daten handele, werde die genaue Höhe für die Diesel-Rückstellungen nicht bekanntgegeben, so Asenkerschbaumer.

Bosch hatte Software an Volkswagen geliefert, mit deren Hilfe der Autobauer Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert hatte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen seit Ende 2015 wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Bosch-Konzernchef Volkmar Denner verwies auf interne Überprüfungen, die seit Monaten „mit Hochdruck“ liefen. „Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um die Vorgänge vollständig aufzuklären“, so der Konzernchef.

Denner widersprach zudem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bosch habe zu keinem Zeitpunkt den Behörden mitgeteilt, dass der italienische Autobauer eine unzulässige Abschalteinrichtung eingesetzt habe. Bei einigen Fiat-Modellen besteht laut Dobrindt der Verdacht, dass die Maßnahmen zur Emissionsminderung nach einer bestimmten Zeit automatisch heruntergeregelt werden.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Grundsätzlich seien Umschalteinrichtungen für die Motorsteuerung „nicht nur zulässig, die sind absolut notwendig“, sagte Denner. „Ob so ein Umschalten jetzt in unzulässiger Weise als Abschalteinrichtung eingesetzt wird, kann Bosch im Einzelfall gar nicht vollumfänglich bewerten, das kann nur der Fahrzeughersteller.“

Für 2015 stellte das Unternehmen positive Zahlen vor: Demnach konnte der Konzern seinen Umsatz um 10 Prozent auf 70,6 Milliarden Euro steigern. Hauptgrund war allerdings der schwache Euro, der die heimische Produktion für den Weltmarkt lukrativer macht - ohne diesen Währungseffekt waren es den Angaben zufolge 3,8 Prozent mehr. Für 2016 peilt Bosch ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent an.

Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen die Erlöse währungsbereinigt um knapp drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der operative Gewinn (Ebit) stieg 2015 den Angaben zufolge um knapp ein Viertel auf 4,6 Milliarden Euro. Positiv war zudem, dass Bosch profitabler gewirtschaftet hat - die Rendite, also das Ebit im Vergleich zum Gesamtumsatz, stieg von 5,8 auf 6,5 Prozent.

Der weltgrößte Autozulieferer wird mit digitalen mobilen Produkten immer stärker zum Konkurrenten seiner wichtigsten Kunden, den Autoherstellern. „In der vernetzten Welt wird ein Kampf um die Endkunden-Schnittstelle sein“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner am Mittwoch in Renningen. Die scharfen Grenzen zwischen Autobauern und Zulieferern verschwämmen. „Das ist ein Spagat für Bosch, kein Zweifel.“ Denn normalerweise steckt in einem Auto viel Technik von Zulieferern, doch Kontakt zum Autofahrer für eigene Verkäufe haben sie nicht. Nach Denners Einschätzung wird es jedoch auch gemeinsame Geschäftsmodelle mit Autokonzernen geben, in denen jeder wieder seinen Platz finde.

Ein Beispiel für die neue Konkurrenz ist der von Bosch geplante Mobilitätsassistent. Per Smartphone-App können Kunden in Stuttgart bald alle Verkehrsmittel, ob Mietauto, -fahrrad oder öffentlichen Nahverkehr, buchen und abrechnen. Ein sehr ähnliches Angebot macht Daimler bereits mit seiner Tochter „moovel“. Durch die Vernetzung von Autos entsteht ein zig Milliarden Euro schwerer Markt. Alle Autohersteller arbeiten fieberhaft an Funktionen und Diensten für Tablets und Bordcomputer in den Autos, die sich zu Geld machen lassen. Bisher gelten als schärfste Konkurrenz der traditionellen Autobauer IT- und Internet-Konzerne wie Apple und Google.

Die digitale Revolution in der Automobilbranche, von der alle sprechen, fegt wie ein frischer Wind auch durch den sonst vornehm und dezent auftretenden Traditionskonzern Bosch. Nach Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auch Denner krawattenfreies Auftreten zum neuen Stil erkoren. Statt vom Blatt hinter einer Tischreihe sitzend abzulesen, trägt der Bosch-Chef seine lange Präsentation im Stehen mit Hilfe eines Teleprompters vor. Auf der Bühne im neuen Forschungszentrum Renningen steht ein Konzeptauto, mit dem Denner vorführt, was Bosch schon kann und noch alles entwickeln will. Über die Bildschirme, die das Armaturenbrett und die Mittelkonsole neben dem Fahrer ersetzen, lässt sich etwa per Fingerdruck aus der Ferne eine Paketanlieferung zu Hause abwickeln, während das Auto selbstständig unterwegs ist. Dass Haus und Auto miteinander sprechen könnten, sei eine Revolution, sagte Denner. Bosch sei als Konzern, der sowohl Autozulieferer als auch Haushaltsgeräte-Hersteller oder Spezialist für Sicherheits- und Gebäudetechnik sei, bestens aufgestellt.

Wie viel Bosch mit dem „Internet der Dinge“ oder „Industrie 4.0“ verdienen will, sagte Denner nicht. Da alle Produkte vom Akkuschrauber bis zum Auto künftig vernetzt sein sollen, sei das nicht zu trennen.

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