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Branchenausblick Für Big Pharma stehen die Zeichen weiter auf Wachstum

Trotz mehrerer Patentabläufe und möglicher Preisrestriktionen dürfte es für die Pharmabranche weiter aufwärtsgehen. Viele Produkte kommen auf den Markt.
08.01.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Die Branche wird wieder innovativer. Quelle: mauritius images / Cultura
Pharma-Labor

Die Branche wird wieder innovativer.

(Foto: mauritius images / Cultura)

Frankfurt An der Börse gehört die Branche derzeit zwar nicht zu den Favoriten. Geschäftlich lief es für die Pharmaindustrie im vergangenen Jahr indes deutlich besser als ursprünglich erwartet. Die Mehrzahl der großen etablierten Arzneimittelhersteller steigerte ihren Umsatz solide. Einige von ihnen korrigierten ihre Prognosen mehrfach nach oben. Im Schnitt dürften die Arzneimittelhersteller 2019 ein organisches Wachstum von fünf bis sechs Prozent erzielt haben.

Dieser Aufschwung könnte sich im neuen Jahr fortsetzen, wenn auch nicht ganz so stark wie im Vorjahr. Größter Unsicherheitsfaktor sind weiterhin die Pharmapreise auf dem wichtigen US-Markt – auch wenn es die meisten Analysten als unwahrscheinlich betrachten, dass es im Wahljahr 2020 tatsächlich zu neuen gesetzlichen Preisrestriktionen in den USA kommen wird. Der Preisdruck im US-Pharmasektor werde weiterhin eher von Marktkräften als von konkreten Gesetzesänderungen geprägt, heißt es etwa in einer Analyse des New Yorker Finanzdienstleisters Citigroup.

Legt man die vom Finanzdienst Bloomberg erfassten Analystenschätzungen zugrunde, dürften die Umsätze der zehn größten Pharmahersteller in der Summe 2020 um rund sieben Prozent auf knapp 490 Milliarden Dollar zulegen. Die um Sonderfaktoren wie akquisitionsbedingte Kosten bereinigten Nettogewinne werden danach um ebenfalls sieben Prozent auf zusammen etwa 138 Milliarden Dollar steigen, woraus sich eine Nettorendite von rund 28 Prozent errechnet. Die effektiv ausgewiesenen Gewinne nach etablierten Bilanzregeln dagegen dürften ein ganzes Stück niedriger ausfallen.

In den Umsatzprognosen enthalten sind auch Effekte aus Akquisitionen und Desinvestments im Rahmen der jüngsten M&A-Welle. Dazu gehört etwa der Umsatzsprung, der beim US-Konzern Bristol-Myers Squibb (BMS) durch die Übernahme von Celgene vorgezeichnet ist.

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    Der bisherige Branchenführer Pfizer dagegen wird einen spürbaren Umsatzrückgang verbuchen, wenn er wie geplant im Laufe des Jahres die Ausgliederung seiner Sparte Upjohn in ein neues Unternehmen realisiert, das er mit dem US-Konkurrenten Mylan vereinbart hat. Dieser neue Pharmaplayer soll bekanntlich das Geschäft der beiden Firmen mit etablierten, patentfreie Arzneien umfassen und dürfte mit rund 20 Milliarden Dollar Umsatz ebenfalls zu den 15 größten Firmen der Branche gehören.

    50 Milliarden Dollar Zusatzumsatz

    Die britische Firma Evaluate Pharma, die Analystenschätzungen auf breiter Front zusammenrechnet, geht davon aus, dass die Pharmabranche weltweit im laufenden Jahr etwa 50 Milliarden Dollar Zusatzumsatz generieren kann. Das würde einem Wachstum von etwa sechs Prozent entsprechen. Und etwa die Hälfte der zusätzlichen Erlöse dürfte dabei in die Kassen von Big Pharma fließen.

    Wachstumschampions unter den Pharmakonzernen werden nach diesen Schätzungen die britische Astra-Zeneca sowie Bristol-Myers mit einem organischen Umsatzplus von jeweils gut drei Milliarden Dollar sein. Erlössteigerungen zwischen zwei und 2,6 Milliarden Dollar trauen die Analysten den US-Pharmakonzernen Merck & Co, Johnson & Johnson und Abbvie zu.

    Bei den Unternehmen aus der zweiten Reihe sehen die Branchenbeobachter vor allem Eli Lilly und die dänische Novo Nordisk wegen ihrer Neuentwicklungen im Bereich Diabetes vor relativ kräftigen Umsatzsteigerungen. Auch für die deutschen Pharmahersteller Bayer, Boehringer und Merck, die ebenfalls im Mittelfeld der Branche agieren, zeichnet sich bereits ein solides Jahr 2020 ab.

    Bei Bayer dürften die beiden Blockbuster Xarelto zur Schlaganfall-Prophylaxe und Eylea für Augenerkrankungen weiter für Wachstum sorgen. Zudem werden die neuen Krebsmittel Nubeqa und Larotrectinib erste Umsätze liefern. Boehringer dürfte weiter vom erfolgreichen Diabetesmittel Jardiance profitieren und außerdem steigende Lizenzerträge für das Schuppenflechte-Medikament Skryzi vereinnahmen, das der US-Partner Abbvie vertreibt. Bei Merck wiederum werden 2020 wohl das Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad und das Krebsmittel Bavencio höhere Wachstumsbeiträge liefern.

    Klar geprägt wird der Pharmamarkt weiter durch eine relativ solide Innovationsbilanz der Branche auf der einen und durch Preisdruck bei Altprodukten auf der anderen Seite. Dieser resultiert dabei weniger aus der politischen Debatte in den USA als vielmehr aus der Strategie der großen US-Versicherer, stärkere Rabatte gegenüber Pharmaherstellern durchzusetzen.

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    Die regelmäßigen Preiserhöhungen bei Medikamenten, mit denen Pharmafirmen in der Vergangenheit ihren US-Umsatz steigerten, werden durch diese Nachlässe inzwischen weitgehend aufgezehrt. Zudem hat die US-Arzneimittelaufsicht (FDA) in den vergangenen Jahren auch die Zulassung von Nachahmerprodukten, also von Generika, deutlich beschleunigt und dadurch in diesem Bereich für mehr Wettbewerb gesorgt.

    Die Perspektiven für Generikahersteller wie Teva und Mylan werden daher weiterhin verhalten eingeschätzt. Sie dürften nach Analystenschätzungen 2020 nur wenig zulegen oder sogar nochmals schrumpfen. Dieser Trend bremst auch Pharmakonzerne wie Sanofi oder GSK, die mit älteren und leicht austauschbaren Medikamenten in Therapiebereichen wie Diabetes oder Asthma aktiv sind.

    Der US-Markt ist ungeachtet dieser Entwicklung zwar nach wie vor der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt für die Branche. Er hat aber im Vergleich zu anderen Regionen wie etwa dem aufstrebenden chinesischen Pharmamarkt stark an Dynamik verloren. Das machen auch die Daten etlicher Pharmakonzerne deutlich.

    Pfizer etwa schrumpfte in den ersten neun Monaten 2019 in den USA um drei Prozent, während das Unternehmen international währungsbereinigt noch um fünf Prozent zulegte. Die Pharmaerlöse von GSK und Bayer sanken im gleichen Zeitraum in den USA um jeweils vier Prozent, während sie in anderen Regionen zum Teil kräftig wuchsen. Johnson & Johnson verbuchte in den USA ein Plus von zwei Prozent. Im Ausland betrug der Zuwachs zwölf Prozent.

    Mäßige Bewertung für Pharmakonzerne
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