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Brasilien Norsk Hydro schließt im Amazonas größte Aluminiumraffinerie der Welt

Seit Monaten liegt der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro mit den brasilianischen Behörden im Clinch. Jetzt verliert der Konzern die Geduld.
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Im Amazonas betreibt der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro die weltweit größte Anlage zur Herstellung von Aluminiumoxid. Quelle: Reuters
Alunorte im brasilianischen Amazonas-Gebiet

Im Amazonas betreibt der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro die weltweit größte Anlage zur Herstellung von Aluminiumoxid.

(Foto: Reuters)

Salvador Nach sieben Monaten hat der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro die Reißleine gezogen: Der Konzern stoppt ab sofort seine Produktion in der Aluminiumraffinerie Alunorte in Barcarena an der Amazonasmündung – der weltweit größten Anlage zur Herstellung von Aluminiumoxid, dem Grundstoff zur Aluminiumschmelze.

Schon seit Februar läuft die Raffinerie nur noch mit halber Kapazität. Seitdem versucht Norsk Hydro vergebens, die behördlichen Auflagen in Brasilien zu erfüllen, um die Produktion wieder hochfahren zu können. „Wir haben sieben Monate hart gearbeitet, um die Auflagen zu erfüllen“, sagt John Thuestad, Vizepräsident von Norsk Hydro. „Wir sind enttäuscht, weil wir die modernste Technologie zur Verfügung haben, sie aber nicht anwenden dürfen.“

Durch den Produktionsstopp droht jetzt der gesamten Verarbeitungskette von Norsk Hydro in Brasilien die Einstellung. Auch die Förderung bei Hydro Paragominas wird gestoppt. Aus der 400 Kilometer weiter südlich gelegenen Mine bezieht Alunorte das Aluminiumerz Bauxit für seine Raffinerie.

Unklar ist, wie lange die Schmelze beim nachgelagerten Unternehmen Albras in der Nachbarschaft der Raffinerie weiterarbeiten kann, wenn der Grundstoff Alumina ausgeht. Dieses Unternehmen gehört zu 51 Prozent Norsk Hydro und zu 49 Prozent Nippon Amazon Aluminium. Der Aktienkurs von Norsk Hydro stürzte nach der Bekanntgabe der Schließung um knapp 14 Prozent ab.

Schon seit Februar liegen die Behörden und Norsk Hydro im Streit: Im Februar war nach heftigen Regenfällen Oberflächenwasser vom Dach der Raffinerie in den Río Para geleitet worden. Die Raffinerie ist per Gesetz verpflichtet, jedes Abwasser zu reinigen. Der globale Norsk-Hydro-Chef, Svein Richard Brandtzaeg, entschuldigte sich öffentlich für das versehentliche Einleiten des Regenwassers.

Seitdem verdonnerte die Umweltbehörde Brasiliens den Konzern dazu, lediglich mit halber Kapazität zu produzieren und nur die Deponie für nichtflüssige Abfälle zu benutzen. Wenige Tage später machte das Unternehmen jedoch einen Rückzieher. Es gäbe keinen Beweis für ein überlaufenes Regenwasserreservoir, ließ es sich durch das unabhängige Umweltanalyseunternehmen SGW bestätigen.

Das bundesstaatliche Institut Evandro Chagas kam jedoch zu einem anderen Schluss: So soll es ein illegales Verbindungsrohr zum Ableiten von Regenwasser zwischen der Raffinerie und der Schmelze gegeben haben. Das Regenwasser sei also systematisch abgeleitet worden – nicht nur einmal versehentlich. Zudem stellte das Institut in der Umgebung des Norsk-Hydro-Industriekomplexes erhöhte Schwermetallablagerungen fest.

Obwohl Norsk Hydro auch in den folgenden Monaten immer wieder bestritt, vorsätzlich gehandelt zu haben, einigte es sich im September mit der Staatsanwaltschaft zu einer Wiedergutmachung in Höhe von 400 Millionen Real, nach heutigem Wechselkurs etwa 90 Millionen Euro.

Dafür wollte das Unternehmen zahlreiche Umwelt- und Sozialmaßnahmen durchführen. Doch bis heute untersagen die Behörden Alunorte, die neu errichteten Ablagerungsdeponien und Filteranlagen zu benutzen.

Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Das könnte auch daran liegen, dass Norwegen in den letzten Jahren die Amazonaspolitik Brasiliens hart kritisiert hat. Norwegen nimmt sich das Recht zu deutlichen Worten heraus, weil es eine Milliarde Dollar in die Regenwalderhaltung Brasiliens bis 2020 stecken will.

Andererseits ist er norwegische Staat zu rund einem Drittel an Norsk Hydro beteiligt. Immer wieder profilieren sich in Brasilien lokale Politiker mit den Umweltbelastungen, welche der norwegische Konzern angeblich verursachen würde. Vermutlich werden die möglichen Entlassungen der 2000 Mitarbeiter der Raffinerie die schwierigen Beziehungen mit den Behörden nicht verbessern.

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