Brauerei-Übernahme Warsteiner schluckt Herforder

Die Herforder Brauerei gehört ab dem 1. Juli zur Warsteiner-Gruppe. Die Sauerländer wollen damit gegenüber ihrem Erzrivalen Krombacher punkten. Auch ein anderer bekannter Bierbrauer hatte Interesse an der Privatbrauerei gezeigt.

DÜSSELDORF. Die Übernahme gaben die Unternehmen am Montag bekannt. Damit hat das Sauerländer Traditionsunternehmen den Wettbewerb um eine der wenigen zum Verkauf stehenden deutschen Privatbrauereien gewonnen. Auch Marktführer Radeberger hatte Interesse gezeigt. Denn Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer will den Marktanteil der zum Bielefelder Oetker-Konzern gehörenden Braugruppe durch Zukäufe alsbald von 15 auf 20 Prozent steigern.

Am Montag informierte der Inhaberkreis um den Herforder Hauptanteilseigner Karl Fordemann die Mitarbeiter in Ostwestfalen über den Verkauf. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Aus den Reihen der Radeberger Gruppe, die offenbar bis zuletzt mitgeboten hatte, war kein Kommentar zu bekommen.

Aus Kreisen der Verhandlungspartner wurde bekannt, dass die Mehrheit der Eigentümer an der Herforder Brauerei keinesfalls in den Stand von Multimillionären aufsteigt. Vielmehr übernehmen Warsteiner-Inhaber Albert Cramer und sein Generalbevollmächtigter Gustavo Möller-Hergt auch noch finanzielle Altlasten, beispielsweise umfängliche Pensionsverpflichtungen. Und dies mindert den möglichen Preis des Unternehmens nach Expertenangaben auf einen allenfalls niedrigen zweistelligen Milionenbetrag. Außerdem gaben die Sauerländer umfassende Bestandsgarantien für die Marke „Herforder“, den Braustandort sowie die rund 200 Arbeitsplätze.

Die Warsteiner Gruppe, die ihre Wachstumskräfte vor allem im Ausland schöpft, erwirbt von den insgesamt 15 Gesellschaftern der Herforder Brauerei ein Absatzvolumen von rund 500 000 Hektolitern. Damit will Warsteiner seine Marktposition gegenüber dem regionalen Mitbewerber Krombacher (Jahresausstoß: 6 Mill. Hektoliter) ausbauen. „Wir wollen Krombacher in Ostwestfalen in die Zange nehmen“, kündigte Warsteiner-Inhaber Cramer an. Beide Braukonzerne, die auf der Top-Ten-Liste der deutschen Brauindustrie rangieren, erwirtschaften 2006 einen Umsatz jeweils von etwa 530 Mill. Euro. Jedoch verfügt Krombacher über eine weiter wachsende Hauptmarke (2006: plus 1,5 Prozent), während Warsteiners Dachmarke im Inland seit Jahren schwächelt und selbst im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 beim Absatz hier zu Lande noch 2,9 Prozent einbüßte.

Mit „Herforder Pils“ übernimmt Warsteiner allerdings eine Marke, die ihre besten Jahre schon hinter sich hat. Anfang der Neunziger wäre Herforder beinahe in den Rang eines nationalen Bieres aufgestiegen. Doch nachdem der dauerhafte Erfolg ausblieb und Mitinhaber abgefunden werden mussten, war kein Geld mehr für imagefördernde TV-Kampagnen im Säckel. Als dann auch noch Krombacher Ostwestfalen zum Kernabsatzgebiet erklärte, gingen den Herfordern weitere Marktanteile verloren. Mit der Einführung eines 27er- statt 30er-Kastens konnte Herforder-Geschäftsführer Udo Tydecks außerdem eine Preiserhöhung kaum kaschieren. Herforder erlöste zuletzt noch etwa 50 Mill. Euro pro Jahr.

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