Brennstoffzellentechnik Audi sticht Volkswagen aus

Verteilungskämpfe im Volkswagen-Konzern: Die Tochter Audi übernimmt die Entwicklung der Brennstoffzellentechnik. Auch bei Elektroautos sind die Ingolstädter in der Pole Position. Das gefällt nicht jedem in Wolfsburg.
Konzept für die nächste Stufe des Brennstoffzellenautos. Quelle: PR
Audi Q6 h-tron

Konzept für die nächste Stufe des Brennstoffzellenautos.

(Foto: PR)

MünchenAm Montag tagte der Volkswagen-Aufsichtsrat. Ein Thema: Der mögliche Stellenabbau bei Europas größtem Autobauer. Der Dieselskandal zwingt zum Sparen und das Ringen um die notwendigen Einschnitte in Wolfsburg wird jeden Tag schärfer.

Da sickert eine Nachricht durch, die das Klima bei VW nicht freundlicher macht: Nicht die Muttermarke Volkswagen, sondern die Premiumtochter Audi wird die Entwicklung der Brennstoffzelle für alle VW-Töchter übernehmen, hat der Konzernvorstand in Wolfsburg beschlossen. Das bestätigten dem Handelsblatt Konzernkreise. Die Entwicklung soll im Audi-Standort Neckarsulm angesiedelt werden, wo bereits mehr als 1700 Ingenieure an der Technik arbeiten.

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Audi E-Tron Quattro-Concept
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Die auf der IAA präsentierte Studie gibt einen konkreten Ausblick auf das Anfang 2018 präsentierte rein elektrisch angetriebene SUV. Angetrieben wird die Studie von drei Elektromotoren, die gemeinsam 370 kW/505 PS Leistung und mehr als 800 Newtonmetern Drehmoment bieten.

Ein Ausblick auf das für 2018 geplante rein elektrisch angetriebene SUV.
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Eine E-Maschine treibt die Vorderachse an, die beiden anderen wirken auf die Hinterachse. Wird das Gaspedal voll durchgetreten, sprintet das Audi E-Tron Quattro Concept in 4,6 Sekunden auf Tempo 100, bei 210 km/h wird abgeregelt. Der Fahrer entscheidet mit Hilfe verschiedener Fahrmodi über den Grad der Rekuperation.

Angetrieben wird die Studie von drei Elektromotoren.
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Die Lithium-Ionen-Batterie ist in den Boden der Fahrgastzelle integriert und sorgt damit für einen tiefen Schwerpunkt. Mit einer Vollladung soll die 95 kWh-Batterie mehr als 500 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Das Laden erfolgt entweder mit Gleich- oder mit Wechselstrom. Mit Gleichstrom dauert es an einer Ladesäule mit 150 kW-Leistung rund 50 Minuten bis das Konzeptfahrzeug komplett aufgeladen ist. Alternativ kann der fünftürige E-Tron Quattro auch per Induktion geladen werden.

Um den Luftwiderstand zu verringert wurde die Studie besonders flach gehalten.
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Auf der Frontklappe, an den Flanken und am Heck steuern bewegliche Aerodynamik-Elemente ab einer Geschwindigkeit von Tempo 80 den Luftstrom. Kameras ersetzen die herkömmlichen Außenspiegel. Trotz des abfallenden Dachs finden vier Passagiere viel Platz im 4,88 Meter langen E-Tron. Der Gepäckraum der Studie fasst 615 Liter.

Besonders flaches und helles Licht
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An der Front wird Matrix-Laser-Technologie eingesetzt. Die Signaturbeleuchtung im unteren Bereich besteht aus fünf Leuchten-Elementen. Jedes von ihnen kombiniert einen LED-Leuchtkörper mit besonders flachen sogenannten OLED-Elementen. Diese „Organic Light Emitting Diode“ hat der Ingolstädter Autobauer für künftige Serienfahrzeuge entwickelt und zeigt sie nun erstmals in dieser Konzeptstudie.

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Technisch markiert das Concept Car Audis erstes reines Elektroauto. Ein früheres Projekt mit einem elektrischen R8 war eingestellt worden.

500 Kilometer Reichweite:
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400 davon nach nur 30 Minuten Ladezeit, sind eine klare Ansage.

Neben Elektrobatterien gelten Brennstoffzellen als der Schlüssel für die Antriebe der Zukunft. Weltmarktführer Toyota gibt dieser Technologie den Vorrang vor reinen Batteriefahrzeugen. VW hat in dieser Disziplin wie die restliche deutsche Autoindustrie erheblichen Nachholbedarf. Mit dem Abgasskandal hat bei Volkswagen ein Umdenken eingesetzt. Konzernchef Matthias Müller will Milliarden in den Ausbau der alternativen Antriebe stecken.

Bei der Marke Volkswagen löst die Entscheidung für Audi insbesondere in Kreisen der Arbeitnehmer Besorgnis aus. Die IG Metall in Niedersachsen kämpft um den Erhalt der Entwicklungskapazitäten, die Brennstoffzelle wäre wichtig für das Bundesland. Es geht aber auch um die Komponentenwerke, die vor allem bei dem Übergang zu Elektroantrieben zur Disposition stehen. Die Eigenfertigung von Elektromotoren wäre eine Möglichkeit, Beschäftigung zu sichern.

Doch auch hier hat Audi andere Pläne. Die Ingolstädter haben als erste im VW-Konzern einen serienreifen Geländewagen mit Elektroantrieb vorgestellt, der als Q6-etron 2018 auf den Markt kommen soll. Die Technik könnte auch von Porsche und Volkswagen übernommen werden. Das Konzept der Ingolstädter sieht aber vor, sowohl Elektromotoren als auch Batteriezellen von Zulieferern fertigen zu lassen. Keine Arbeitsteilung, die dem beschäftigungsintensivem System in Wolfsburg entgegenkommt.

Je stärker die Dieselaffäre den Autobauer belastet, desto schärfer werden die Verteilungskämpfe im Volkswagen-Konzern. Audi hat neben Volkswagen den höchsten Etat für Investitionen in Forschung und Entwicklung im Konzern. Während VW sein Investitionsbudget um eine Milliarde Euro kürzt, will Audi seine Ausgaben weitgehend stabil halten.

Die Marschrichtung hat Audi-Chef Stadler jüngst im Handelsblatt-Interview vorgegeben. Natürlich werde Audi auch sparen, um die Folgen der Dieselaffäre abzufedern. Aber: „An das Produkt und die Technologie und damit an die zukünftigen Umsätze und Ergebnisse geht mir aber keiner ran“, sagte Stadler.

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