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Car.Software.org „Smartphones auf vier Rädern“ – VW bündelt die Softwareentwicklung in neuer Gesellschaft

Volkswagen gründet eine Tochter, die Software für alle Marken entwickeln soll. So will der Autobauer in Zukunft die Hoheit über seine Daten behalten.
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Der Autokonzern will die Hoheit über die Software behalten. Quelle: Volkswagen
Volkswagen ID.3

Der Autokonzern will die Hoheit über die Software behalten.

(Foto: Volkswagen)

Düsseldorf Der ID.3 ist für Volkswagen ein besonderes Auto: Es handelt sich nicht nur um das erste vollelektrische Modell des Konzerns, es ist auch das erste, das mit der Automotive Cloud verbunden sein wird. Über diese Plattform, die Volkswagen mit Microsoft entwickelt, erhält das Fahrzeug Zugriff auf neue digitale Dienste. Angesichts solcher Pläne spricht VW-Konzernchef Herbert Diess von den „Smartphones auf vier Rädern“, die künftig aus den Autofabriken rollen werden.

Software wird immer wichtiger – und Volkswagen will die Hoheit darüber behalten, um nicht zum Anhängsel großer IT-Konzerne wie Apple oder Alphabet zu werden. Deshalb fasst der Konzern alle Softwareaktivitäten in einer neuen, ausgegründeten Gesellschaft zusammen. Die letzten internen Abstimmungsrunden laufen gerade, zum 1. Januar soll die neue Tochter startklar sein.

Die Ausgründung der „Car.Software.org“ (CSo) wird in Wolfsburg schon länger vorbereitet. Den ersten Schritt hatte Volkswagen im Frühjahr gemacht, als im VW-Markenvorstand ein neues Ressort für die Fahrzeug-IT eingerichtet wurde. Der frühere BMW- und Continental-Manager Christian Senger übernahm damals den neuen Vorstandsposten. Er soll auch für die ausgegründete Softwaretochter verantwortlich werden. „Wir werden Software zur Kernkompetenz im Unternehmen machen“, hatte er schon im Sommer angekündigt.

In die eigenständige Softwareeinheit von Volkswagen sollen zunächst etwa 5000 Mitarbeiter wechseln. Bis zum Jahr 2025 könnten es bis zu 11.000 Beschäftigte werden – weil die Bedeutung der Software im Auto immer größer wird. Diese Fachleute tragen die Verantwortung dafür, dass es in jedem Auto von Volkswagen und den anderen Tochtermarken künftig selbst entwickelte Programme und Algorithmen geben wird.

Ähnlich sehen es auch Branchenexperten. „Das eigene Softwarepersonal müsste wahrscheinlich verdoppelt werden“, glaubt Chris McNally, Automobilanalyst beim Investmenthaus Evercore ISI.

Für die Zukunft plant Volkswagen damit, dass es konzernweit eine einzige Softwareplattform mit einheitlichen Basisfunktionen geben wird. Der VW-Konzern will dafür ein Betriebssystem mit dem Namen vw.os schaffen, der sich an Vorbilder aus der IT-Branche anlehnt. Ähnlich wie es in der Informationstechnik längst üblich ist: Kein PC, kein Smartphone, keine Computeruhr kommt ohne so eine Software in den Handel.

„In der Welt der Smartphones geht das bereits anders. Die Smartphone-Hersteller legen vorher fest, was das Smartphone können muss, wie viele Apps darauf passen und wie viel Speicherkapazität nötig ist. Daran richten wir uns aus. Das sind Dinge, die wir künftig in einer eigenen Abteilung umsetzen“, ergänzte Stefan Sommer, für den Einkauf verantwortlicher Konzernvorstand bei VW, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auswirkungen für die Zulieferer

Die neue Softwaretochter von Volkswagen soll nach einem ähnlichen Prinzip agieren wie der gesamte Konzern: Sie schafft eine einheitliche Plattform, die später in Millionen von Fahrzeugen verwendet werden kann. Das senkt die Produktions- und Entwicklungskosten pro Fahrzeug erheblich. „Wir sind Plattformprofis in der Hardware und übertragen diese Kompetenz nun auf die Softwareentwicklung“, sagte IT-Vorstand Senger.

Mit diesem Auto startet Volkswagen in die Elektro-Welt
Weltpremiere auf der IAA
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Der neue Elektro-Mittelklassewagen ID.3 soll die E-Mobilität im Kerngeschäft von Volkswagen verankern und Kunden im Massenpublikum erschließen. Vor dem Start der Automesse IAA stellte der Konzern die Neuentwicklung am Montagabend vor.

(Foto: Bloomberg)
VW-Chef spricht vom „entscheidenden Moment“
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„Der ID.3 ist mehr als ein neues Modell. Das ist das Auto, das von uns jetzt erwartet wird“, sagte VW-Vorstandschef Herbert Diess in Frankfurt. Er sprach von einem „entscheidenden Moment“ für das Unternehmen.

(Foto: AP)
Erste Auslieferungen im Frühjahr
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Die Serienfertigung des ID.3 soll im November im Werk Zwickau anlaufen, für das Frühjahr 2020 sind die ersten Auslieferungen geplant.

(Foto: dpa)
Basisversion für unter 30.000 Euro
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Zwar hat die VW-Gruppe bereits einige Elektroautos im Programm – etwa den Audi e-tron oder den E-Sportwagen Porsche Taycan, dessen Produktionsstart am Montag war. Eine rein elektrische Großserie zu einem geringeren Einstiegspreis fehlte bisher aber noch. Laut VW soll die Basisversion des ID.3 weniger als 30.000 Euro kosten.

(Foto: AFP)
Riskante Investitionen
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Die nötigen Investitionen sind jedoch auch mit erheblichen Risiken verbunden. Der Aufbau neuer E-Fahrzeuglinien kostet VW Milliarden, während der Konzern finanzielle Lasten aus dem Dieselskandal verdauen muss. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren viele Jobs vom Verbrennungsmotor zu weniger arbeitsintensiven E-Antrieben verlagert.

(Foto: Volkswagen)
Auftakt der Elektro-Offensive
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Das neue Auto basiert auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Diese Technologie, die durch Nutzung vieler gleicher Teile auch Kosten spart, soll in den nächsten drei Jahren bei insgesamt 33 Modellanläufen verwendet werden. „Für die Marke Volkswagen ist der ID.3 der Auftakt einer großen Elektro-Offensive“, versprach Diess.

(Foto: Volkswagen)
Werk Zwickau wird komplett umgebaut
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VW baut sein Zwickauer Werk komplett für die Elektromobilität um. Ab 2021 sollen dort sechs verschiedene E-Modelle für drei Konzernmarken gefertigt werden, jährlich sind bis zu 330.000 Fahrzeuge geplant.

(Foto: Volkswagen)

Bis zum Jahr 2025 sollen alle vom VW-Konzern produzierten Neuwagen mit der einheitlichen Softwareplattform verbunden werden. Zu den einheitlichen Softwarestandards gehört etwa bei Elektroautos die Suche nach der nächsten Ladestation. Ein anderes Beispiel ist Software, die bei der Parkplatzsuche hilft.

Die Softwaretochter, die künftig einheitliche Computerprogramme für jährlich mehr als zehn Millionen innerhalb des Konzerns produzierte Fahrzeug entwickeln soll, könnte allerdings auch Kunden außerhalb der eigenen Gruppe beliefern. „Vorbild ist dafür die Elektroplattform MEB“, sagte ein Konzernmanager. Den Baukasten für Elektrofahrzeuge, den Volkswagen für die ID-Familie entwickelt hat, nutzt mit Ford bereits ein anderer Hersteller als Kunde.

Die Ausgründung der neuen Softwaretochter ist mit grundlegenden organisatorischen Veränderungen verbunden: Die Einheit wird auf Konzernebene gebildet. Die Mitarbeiter kommen also nicht nur von VW, sondern auch von Porsche und Audi. Der Vorstand hat zudem die Vorgabe gemacht, dass der Anteil der vom Konzern selbst entwickelten Software massiv steigen muss: von aktuell rund zehn Prozent auf mehr als 60 Prozent bis zum Jahr 2025. Zum Vergleich: Beim US-Konkurrenten Tesla sind es 100 Prozent.

Branchenexperte McNally sieht auch Auswirkungen für die Zulieferer, die bislang überwiegend die Computerprogramme für den Wolfsburger Autokonzern schreiben. Die Zahl der Softwarelieferanten könnte sich in naher Zukunft halbieren. Große Konzerne wie Bosch oder Continental seien davon nicht betroffen – bei diesen Unternehmen werde Volkswagen voraussichtlich sogar noch mehr IT bestellen.

Probleme könnte es bei Zulieferern geben, die kleinere Softwarebausteine für VW schreiben. Dort könne die Neuausrichtung des VW-Konzerns sogar bis zur Existenzgefährdung gehen, sagt McNally. „Ich sehe das anders. Die Zulieferer bekommen eine breitere und stabilere Basis, für die sie uns mit Software beliefern können. So bieten sich für die Unternehmen vielmehr neue Chancen“, hält dem VW-Einkaufsvorstand Sommer entgegen.

Mit dem Einzug der zusätzlichen Software verändert sich auch die elektronische Architektur eines Autos unter der Motorhaube. Bisher gibt es in einem Fahrzeug bis zu 70 Steuergeräte mit eigener Software, die einzelne Teile eines Autos wie die Klimaanlage oder die Bremsanlage steuern. Künftig soll es nur noch zwei zentrale Steuerungseinheiten in einem Fahrzeug geben – eine deutliche Vereinfachung und Erleichterung.

Beim ID.3 haben die neuen Software-Zeiten bereits begonnen. Für das Elektroauto liefert Continental diese neuen zentralen Steuerungseinheiten. Damit werden bei diesem Modell von Volkswagen auch Softwareupdates „over the air“ – also über Funkverbindung – möglich. Der ID.3 wird also das erste „Smartphone auf vier Rädern“ von Volkswagen.

Mehr: Die Serienfertigung des neuen ID.3 ist gestartet. Die Fabrik in Sachsen soll die Keimzelle werden, mit der Volkswagen den Wandel zum Elektroanbieter vollzieht.

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