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Causa Winterkorn und Stellenabbau Warum die anstehende VW-Aufsichtsratssitzung ein wichtiger Stimmungstest ist

Die Anklage gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn beschäftigt den Aufsichtsrat. Auf der Sitzung soll auch der geplante Stellenabbau thematisiert werden.
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Wegen des geplanten Sparprogramms und Problemen in der Entwicklungsabteilung hatten sich Diess (rechts) und Osterloh Anfang März tief zerstritten. Quelle: dpa
Volkswagen

Wegen des geplanten Sparprogramms und Problemen in der Entwicklungsabteilung hatten sich Diess (rechts) und Osterloh Anfang März tief zerstritten.

(Foto: dpa)

Bonn, DüsseldorfDen Aufsichtsräten des Autobauers Volkswagen steht für den Dienstag eine intensive Sitzung bevor. Auf der für den Nachmittag geplanten Zusammenkunft wollen die 20 Mitglieder des Gremiums über die Anklage gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn diskutieren, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfahren hat. Die Hausjuristen sollten erläutern, welche Risiken dem Unternehmen aus der Anklage drohten.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte in der vergangenen Woche Anklage gegen Winterkorn und vier weitere Manager erhoben. Die Ermittler werfen den Führungskräften unter anderem schweren Betrug vor. Hintergrund dafür ist die Manipulation von Abgaswerten bei rund elf Millionen Dieselmotoren, die im September 2015 publik geworden war.

Würden Winterkorn und die anderen Beschuldigten verurteilt, dann könnte dies die Chancen der Kunden auf Schadensersatz erhöhen. Viele Tausend Käufer sehen sich durch den Abgasbetrug geprellt, sie verlangen daher Kompensation. Bislang hat VW rund 30 Milliarden Euro an Bußgeldern und Schadensersatz gezahlt. Winterkorn hat die Vorwürfe über seinen Anwalt stets zurückgewiesen.

Die Aufsichtsratssitzung am Dienstag soll nicht nur der Vergangenheitsbewältigung dienen. Auf der Tagungsordnung findet sich auch das geplante Sparprogramm für die Kernmarke VW. Vorstandschef Herbert Diess will die Kosten bei der Marke weiter drücken und plant dazu unter anderem einen Abbau von bis zu 7000 Arbeitsplätzen in den Verwaltungen.

Nach Angaben des Landes Niedersachsen – der zweitgrößte Aktionär nach den Familien Porsche und Piëch – sind die geplanten Einschnitte bis dato nicht im Aufsichtsrat besprochen worden. Das Management hatte die Stellenstreichungen im März allerdings öffentlich angekündigt und damit die Marschroute vorgegeben – und damit einen Eklat provoziert. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte daraufhin verstimmt: „Ich bedauere, dass über einen weiteren Arbeitsplatzabbau bei Volkswagen öffentlich diskutiert wird, bevor überhaupt substanzielle und intern abgestimmte Planungen vorliegen.“

Weil ist neben Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) der zweite Vertreter des Landes im Aufsichtsrat. Die beiden dürften ihren Unmut über das Vorgehen des Managements auf der Sitzung zum Ausdruck bringen, hieß es aus der Führungsspitze von Volkswagen.

Streit zwischen Diess und Osterloh

Beschlüsse soll das Kontrollgremium weder in der Causa Winterkorn noch beim geplanten Sparpaket fassen, wie es hieß. Die Aufseher sollten vor allem über die aktuelle Lage informiert werden. Die Sitzung gilt dennoch als wichtiger Stimmungstest. Denn die Atmosphäre zwischen dem Vorstand um Diess und dem Betriebsrat sowie dem Land Niedersachsen hatte sich zuletzt stark verschlechtert.

Der VW-Chef war den Arbeitnehmervertretern zu forsch geworden. Statt über einen Stellenabbau zu diskutieren, hätte der Vorstand aus Sicht des Betriebsrats eher das operative Geschäft besser in den Griff bekommen müssen. Nach Darstellung von Betriebsratschef Bernd Osterloh hakt es vor allem in der Entwicklung. Wegen der schleppenden Umstellung auf die neue Abgasmessmethode WLTP hatte Volkswagen viele Modelle erst verspätet bei den Aufsichtsbehörden zur Zulassung angemeldet. Die Verzögerungen kosteten über eine Milliarde Euro.

Wegen der Engpässe in der Entwicklungsabteilung könnte sich auch die Einführung wichtiger Modelle wie des Golfs 8 oder des Elektroautos I.D. um Monate nach hinten verschieben. VW würde dann weniger Autos bauen können, was das Ergebnis im laufenden und im kommenden Jahr belasten würde.

Auf der Sitzung sollen Diess und die anderen Vorstände erläutern, wie diese Missstände entstanden sind und wie diese beseitigt werden können, wie es aus der Führungsetage hieß. Osterloh hatte dazu dem Vernehmen nach einen umfangreichen Fragenkatalog beim Vorstand eingereicht.

Wegen des geplanten Sparprogramms und der Probleme in der Entwicklungsabteilung hatten sich Diess und Osterloh Anfang März tief zerstritten. In den vergangenen Wochen waren die beiden Männer immer wieder zusammengekommen, um die Möglichkeiten für eine Einigung auszuloten. Bislang habe es dabei keinen Durchbruch gegeben.

Das Treffen der Aufsichtsräte könne ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein, sagte ein Insider dem Handelsblatt. Ein freundlicher Umgang zwischen Diess und Osterloh wäre schon ein positives Signal. Der Konzern äußerte sich nicht zum Inhalt der für Dienstag angesetzten Aufsichtsratssitzung.

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