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CES 2019 So will Byton seinen schärfsten Konkurrenten überholen

Genug Geld und politischer Rückhalt sind ihm sicher: Ex-BMW-Manager Breitfeld will mit dem chinesischen Start-up Byton den E-Autohersteller Tesla angreifen.
Update: 08.01.2019 - 08:40 Uhr Kommentieren
Byton-Chef Carsten Breitfeld will künftig die Hälfte der Umsätze mit Software-Angeboten generieren.  Quelle: Bloomberg
Carsten Breitfeld, Mitgründer und Chef des chinesischen Start-ups Byton

Byton-Chef Carsten Breitfeld will künftig die Hälfte der Umsätze mit Software-Angeboten generieren. 

(Foto: Bloomberg)

Las Vegas, MünchenFahrer und Hersteller von Elektroautos treiben Ängste um: Die Fahrer fragen sich vor allem, ob die Batterie-Power reicht, um ans Ziel zu kommen. Die Fabrikanten haben andere Sorgen: Reichen die Ressourcen, um alle versprochenen Autos zu liefern?

Elon Musk, Chef des US-Elektropioniers Tesla, hat mehrmals angekündigt, die Massenproduktion zu starten – und mehrmals danebengelegen. Und so hatte Carsten Breitfeld, Chef des chinesischen Start-ups Byton, vor allem eine Botschaft, als er am Sonntagnachmittag Ortszeit auf der Technologiemesse CES in Las Vegas auf die Bühne trat: „Byton wird liefern.“

Binnen eines Jahres will Breitfeld die ersten E-Autos namens M-Byte auf den Markt bringen. „Die Serienproduktion startet Ende 2019. Kurz danach liefern wir die ersten Einheiten in China aus. Im dritten Quartal 2020 gehen wir in die USA und nach Europa“, sagte der Byton-Chef im Interview mit dem Handelsblatt auf der CES in Las Vegas.

Die ersten Modelle sollen 2020 erst in China, dann ab Mitte des Jahres in den USA und in Europa verfügbar sein. Die finale Version des futuristischen „M-Byte“ will die Firma Mitte 2019 zeigen. Möglichst rasch soll mit dem „K-Byte“ 2021 eine Limousine folgen, für 2023 ist ein drittes Modell geplant. Alle Autos werden mit Elektroantrieb fahren.

Mehr noch: Der SUV solle künftig so einfach zu bedienen sein wie ein Smartphone. So identifiziert auch das Auto seinen Fahrer per Gesichtserkennung. Steigt er ein, lädt das System automatisch sein digitales Profil hoch, blendet Gesundheitsdaten oder Sportergebnisse ein, spielt die Lieblingsmusik, liest den Tagesablauf aus dem Kalender vor, empfiehlt ein Restaurant oder einen Ausflugsort.

Dazu integriert Byton Amazons Sprachassistentin Alexa und die Google-Plattform Android in das eigene Betriebssystem. Den Innenraum des M-Byte dominieren riesige Bildschirme, ein 48-Zoll-Display in der Fahrerfront, ein tabletgroßer Screen im Lenkrad, nebst je zwei Abspielflächen für die Insassen auf den hinteren Sitzen. Einen Prototypen zeigt Byton auf der Technologiemesse CES.

Der ehemalige BMW-Manager will aber nicht allein mit den Autos Geld verdienen, sondern auch mit Apps und Mobilitätsdiensten. Das Geschäft ist revolutionär: Statt Autos vor allem zu vertreiben, setzt Byton auf Miet- und Sharing-Konzepte. „Bei unserem Geschäftsmodell wird es nicht um den reinen Verkauf von E-Autos gehen, sondern um das Anbieten von Mobilität – mittelfristig werden wir Kilometer verkaufen, nicht nur Autos. Und langfristig wollen wir mehr als 50 Prozent unseres Umsatzes über unsere Software-Plattform erreichen“, betonte Breitfeld. Das Konzept sei klar: Byton sei das Tor zu seinen Kunden, vergleichbar mit dem App-Store von Apple.

Experten sind gespannt auf den Newcomer, aber auch skeptisch. Ankündigungen habe man schon viele erlebt, sagt Marktbeobachter Mike Ramsey von Gartner. Immerhin ist mit „Faraday Future“ ein Start-up, das in den vergangenen Jahren in Las Vegas für Furore sorgte, schon fast pleite. „Egal, wie gut ihr Prototyp ist, wie solide der finanzielle Hintergrund oder wie brillant ihr Führungsteam – ein Neuzugang in der Automobilwelt wird man kaum ganz allein gewinnen“, sagt Experte Ramsey. Sogar Tesla habe in der Frühphase erhebliche Unterstützung von Daimler, Toyota und der US-Regierung gebraucht, um weitermachen zu können.“

Neueinsteiger im Autogeschäft haben es erfahrungsgemäß schwer. Bislang hat nur Tesla den Sprung in die Serienproduktion geschafft, schreibt dabei aber weiter Verluste. Auch Byton muss noch den Beweis antreten, hohe Stückzahlen mit ordentlicher Qualität liefern zu können. Axel Schmidt, Autoexperte bei Accenture, traut Byton das zu: „Da ist ein erfahrenes Management an Bord, die wissen genau, was auf sie zukommt.“

Schmidt sieht Byton besser gerüstet als viele Konkurrenten. Mit Foxconn, Tencent, Baidu und dem staatlichen Autobauer FAW seien zudem potente Aktionäre an Bord. „Das Geld wird denen so schnell nicht ausgehen“, glaubt Schmidt. „Zudem greift Byton zunächst auf dem chinesischen Heimatmarkt an, das verschafft der Marke Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten.“

Dazu zählen auch die Deutschen, die mit dem Audi „Etron“ und dem Mercedes „EQC“ ebenfalls in diesem Jahr in das Geschäft mit Elektroautos einsteigen. Doch während Audi und Mercedes zunächst bestehende Modelle zu Elektroautos umrüsten, wagt Byton mit seinen Riesenbildschirmen gleich den ganz großen Sprung im Interieur.

„Byton macht aus dem Auto ein verlängertes Wohnzimmer. Das ist konsequent und schafft Differenzierung“, sagt Schmidt. „Der Gesamtansatz erscheint in jedem Fall vielversprechend.“ Die eigenen Pläne seien „keine Science-Fiction”, sagt auch Breitfeld. Der M-Byte werde in die Serienproduktion gehen. In wenigen Wochen sollen dem Byton-Chef zufolge 100 Prototypen des M-Byte als Testfahrzeuge in China und Kalifornien auf den Straßen unterwegs sein.

Für den Standort China hält Breitfeld viel Lob bereit: „Wir befinden uns in China in einem Umfeld, in dem eine Regierung arbeitet, die einen Plan hat, die weiß, was sie will, die entscheidet, umsetzt und Randbedingungen schafft.“ Das könne man mögen oder nicht. Aus der wirtschaftlichen Perspektive eines Unternehmers, der Dinge nach vorne bringen und etwas Neues machen will und danach strebt, schnell Technologien zu entwickeln und Märkte zu erobern, seien das optimale Randbedingungen.

So zeigt sich auch in Las Vegas einmal mehr, wohin die Reise im Autogeschäft geht – nach China. Chinesische Firmen beherrschen die Batterietechnik ebenso wie die Vernetzung und die Digitalisierung. Nur wer vor Ort ist und die Trends im größten Automarkt der Welt beherrscht, wird künftig noch eine Rolle in der Branche spielen.

Das versteht auch Elon Musk: Zeitgleich mit der Premiere des „M-Byte“ in Las Vegas legte Musk in Schanghai den Grundstein für die erste Tesla-Fabrik außerhalb der USA. Ende 2019 sollen dort die ersten Autos vom Band rollen.

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