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CFO des Monats Auf Finanzvorstand Thomas Toepfer warten bei Covestro jetzt große Herausforderungen

Der CFO des Kunststoffherstellers muss nach der Gewinnwarnung Investoren überzeugen, dass der Konzern langfristig mit seiner Strategie punkten kann.
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Seit April ist Thomas Toepfer im Vorstand von Covestro – er hat den Sprung vom MDax-Unternehmen Kion in die oberste Börsenliga zur ehemaligen Bayer-Tochter geschafft. Quelle: Oliver Lang
Thomas Toepfer

Seit April ist Thomas Toepfer im Vorstand von Covestro – er hat den Sprung vom MDax-Unternehmen Kion in die oberste Börsenliga zur ehemaligen Bayer-Tochter geschafft.

(Foto: Oliver Lang)

DüsseldorfDer 20. November markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des jungen Dax-Unternehmens Covestro. An diesem Dienstag muss der Kunststoffhersteller die erste Gewinnwarnung seit dem Börsengang 2015 bekannt geben. Die Überraschung ist groß, die Anleger sind schockiert. Am Ende des Tages hat Covestro 15 Prozent des Börsenwerts eingebüßt.

Es ist auch für Thomas Toepfer ein besonderer Tag. Der Finanzvorstand von Covestro ist gefordert in der Kommunikation mit Investoren und Mitarbeitern. „Natürlich bekommt man an solch einem Tag besonders viele Anfragen, das gehört zum Geschäft“, sagt der 46-Jährige. „Aber wir stehen kontinuierlich im Austausch mit unseren Investoren, genauso wie mit dem Kapitalmarkt und den Medien.“

Seit April erst ist Toepfer im Vorstand der Firma. Er hat den Sprung vom MDax-Unternehmen Kion in die oberste Börsenliga zur ehemaligen Bayer-Tochter geschafft. Bei Covestro warten auf den gebürtigen Hamburger nun einige Herausforderungen.

Nach drei Jahren mit stürmischem Gewinnwachstum und einem Kurszuwachs von stellenweise 300 Prozent ist Covestro an einem entscheidenden Punkt angelangt: Die Investoren fragen sich, ob der schnelle Aufstieg und die hohe Ertragskraft nur eine vorübergehende Erscheinung sind – oder ob Covestro sein Niveau halten kann.

Herausfordernde Situationen kennt der vierfache Vater aus seiner bisherigen Karriere. Von 2008 bis 2011 war er Finanzchef von Karstadt, genau zu der Zeit, als der Warenhauskonzerns in die Insolvenz schlitterte. Über diese Zeit möchte er nicht mehr öffentlich reden. Aber klar ist: So eine Phase mit starker Belastung und vielen Höhen und Tiefen ist prägend.

Nun ist Karstadt nicht mit Covestro vergleichbar, weder vom Produkt noch von der Geschäftslage. Einen Handelskonzern durch die Insolvenzphase zu führen erfordert eine völlig andere Finanz-Arbeit als die bei einem Kunststoffhersteller mit Gewinnspannen von mehr als 20 Prozent.

Bei Covestro ist Strategie-Umsetzung nach innen und Überzeugungskraft nach außen gefragt – in Zahlen und Worten. CFO Toepfer ist dabei neben dem Vorstandsvorsitzenden Markus Steilemann besonders herausgefordert.

Keine langjährige Erfahrung in der Chemieindustrie

Im dreiköpfigen Vorstand, dem noch Klaus Schäfer als Chief Technology Officer angehört, ist er der Einzige ohne langjährige Erfahrung in der Chemieindustrie.

Das empfindet er indes nicht als Nachteil, im Gegenteil: Der an der WHU in Vallendar ausgebildete Betriebswirt will seine Sicht in die Entwicklung von Covestro einbringen. Natürlich muss sich Toepfer ins Metier einarbeiten, er sucht dafür intern das regelmäßige Gespräch mit den Experten, um sich Produkte und Verfahren erklären zu lassen.

Toepfer versteht sich in der Rolle des modernen Finanzvorstands. Analytische Fähigkeiten und Zahlenverständnis sind aus seiner Sicht weiterhin nötig. „Aber der CFO braucht darüber hinaus auch Empathie, um zu erkennen, was die Treiber im Unternehmen sind und wie sie gestärkt werden können“, sagt er.

Wie stark sich ein CFO auch als Stratege sehe, hänge von jedem selbst und vom gesamten Managementteam ab. Gereizt hat ihn an dem Wechsel nach Leverkusen die Aufbruchstimmung, die er schon von seinem Job beim Gabelstapler-Hersteller Kion aus bei Covestro beobachtet hat.

Nach dem Antritt als CFO hat sich dieser Eindruck bestätigt. „Es gibt wenig eingefahrene Strukturen und keinen Standesdünkel. Die Covestro-Mitarbeiter habe ich direkt als unkonventionell und unternehmerisch orientiert erfahren.“

So sieht sich der Konzern selbst gerne, seit er aus den Holding-Strukturen der alten Bayer AG gelöst wurde. In der Covestro AG sind die früheren Kunststoffgeschäfte des Pharma- und Agrarchemiekonzerns gebündelt.

Weil sich Bayer auf diese sogenannten Life-Science-Geschäfte fokussierte, wurde die Kunststoffsparte Material Science im Herbst 2015 unter dem neuen Namen abgespalten und an die Börse gebracht.

Krönung war der Aufstieg in den Dax

Nach einem holperigen Start in der von der damaligen Griechenlandkrise erschütterten Börse hat Covestro einen rasanten Aufstieg hingelegt, den keiner erwartet hatte: Vom Ausgabepreis 24 Euro hat sich der Wert der Aktie bis Anfang 2018 auf 95 Euro gut verdreifacht. Gekrönt wurde dies durch den Aufstieg in den Dax im März. Danach aber ging es steil bergab: Aktuell liegt der Kurs bei 50 Euro.

Darin spiegelt sich die Furcht der Anleger wider, dass die Phase der regelmäßig kräftigen Ertragssteigerung und Prognoseerhöhung von Covestro ein jähes Ende findet. Die Börse ist verwöhnt, denn die Gewinne entwickelten sich seit der Ausgliederung ähnlich rasant wie der Kurs.

Das Ebitda hat sich zwischen 2015 und 2017 auf rund 3,4 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.

Covestro hat in dieser Zeit von den Problemen der Konkurrenten BASF und Wanhua aus China profitiert. Sie konnten große Anlagen für Weichschaumstoffe aus technischen Gründen nicht hochfahren. Die Preise für diese Produkte schnellten wegen des engen Angebots hoch – und damit auch der Gewinn für Covestro, die in dem Polyurethan-Geschäft Nummer eins weltweit ist.

Gemischte Meinungen zur Marktlage

Doch diese außergewöhnliche Marktlage verschwindet nun. Das Covestro-Management bereitet die Märkte seit mehreren Quartalen darauf vor. Insgesamt attestiert Analyst Markus Mayer von der Baader Bank dem Covestro-CFO eine bisher gute Kommunikation und Arbeit.

Andere kritisierten nach der Gewinnwarnung offen: Eine solche Warnung nur wenige Wochen nach den Zahlen zum dritten Quartal sei eindeutig enttäuschend, kommentierte Christian Faitz vom Analysehaus Kepler Cheuvreux.

Nach dem Sturm in den Dax muss Covestro nun den Alltag bewältigen. Der Gewinn wird in diesem Jahr nicht wie prognostiziert leicht über dem Vorjahreswert von 3,4 Milliarden Euro liegen, sondern etwas darunter. Schuld sind die härtere Wettbewerbslage, die die Preise sinken lässt, sowie das Niedrigwasser des Rheins.

Weil der Transport von Kunststoffen und Vorprodukten per Schiff kaum noch möglich ist, muss Covestro auf Lkws ausweichen. Das treibt die Kosten für die Logistik hoch.

Toepfer verweist darauf, dass in den vergangenen Wochen viele namhafte Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgeben mussten. Er unterstreicht: „Entscheidend ist, dass die langfristige Story von uns weiter intakt ist.“

Kurz gefasst lautet die so: Covestro verschiebt sein Portfolio immer weiter in Anwendungen, die weniger von der Konjunktur abhängig sind, sondern anderen Trends folgen. E-Mobilität gehört dazu, ebenso Nachhaltigkeit, wozu Covestro beispielsweise Kunststoffe zur Isolierung zählt.

„Mehr als die Hälfte unseres Geschäfts ist bereits unabhängig von den typischen zyklischen Schwankungen“, sagt Toepfer. Die weitere Verschiebung soll auch durch Zukäufe gelingen, allerdings ist es bei Covestro bisher bei der Willensbekundung geblieben.

„Wir haben ein Dutzend Unternehmen herausgefiltert, die zu uns passen könnten“, sagt Toepfer. „Aber wir werden nicht aktiv nur um einer Transaktion willen. Ein Zukauf muss zu uns passen, und wir müssen überzeugt sein, damit Wert zu schaffen.“

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