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CFO des Monats Was dem Porsche-Finanzchef wichtig ist

Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke hat nicht nur die Zahlen des Unternehmens im Blick, sondern will auch Innovationen und neue Geschäftsmodelle fördern.
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CFO des Monats: Was dem Porsche-Finanzchef wichtig ist Quelle: Porsche
Lutz Meschke

„Wir sind trotz unserer hohen Profitabilität nicht auf einer Insel der Glückseligen.“

(Foto: Porsche)

Stuttgart Wenn Lutz Meschke keine Krawatte trägt, dann fällt das nicht weiter auf. Hemd, Hose, flotte Schuhe, leichtfüßiger Gang – alles passt. Schließlich hat Porsches Finanz- und IT-Chef ja auch schon mal ein paar Jahre beim Modeschneider Hugo Boss gearbeitet. Auf den ersten Blick würde man in ihm eher einen Unternehmensberater erwarten, auf den zweiten dann auf jeden Fall mehr als nur einen gewöhnlichen Finanzchef.

„Die Zahlen sind Handwerk und Grundvoraussetzung“, sagt Meschke, „Heute geht es mehr noch darum, als Finanzer aktiv Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu fördern.“ Mit der Zuständigkeit für IT, Beteiligungen und Venture-Capital sitzt er an der Schlüsselstelle im Konzern, wenn es um Zukunftsfragen jenseits des reinen Sportwagenbaus geht. Mit solchen Themen beschäftigt sich der gebürtige Hildener leidenschaftlich gern.

Aber statt Kür stand zuletzt Pflicht auf dem Programm. Und das bei Porsche. Der Luxushersteller zählt mit über 15 Prozent Rendite zu den profitabelsten Autobauern der Welt. „Wir sind trotz unserer hohen Profitabilität nicht auf einer Insel der Glückseligen“, warnt der 53-Jährige. Vor wenigen Wochen überraschte er mit einem drastischen Sparprogramm, das eine Ergebnisverbesserung bis 2025 um insgesamt sechs Milliarden Euro bringen soll und ab da jährlich zwei Milliarden.

„Bei uns ist das kein Sparprogramm, sondern ein Ergebnisprogramm“, kontert Meschke. Sechs Milliarden Euro investiert Porsche in die Elektromobilität. Der Bau eines Elektro- oder Hybridporsches kostet den Hersteller 10.000 Euro mehr als ein vergleichbares Benzinmodell. Den Aufpreis wird ein Kunde nicht zahlen. Die Traumrendite ist in Gefahr.

Da fackelt ein Meschke nicht lange und zieht finanziell die Zügel an. Da genehmigt er lieber sechs neue Sattelschlepper, die einen 911er mehr transportieren und von einer neuen Doppelrampe gleichzeitig oben und unten beladen werden können. „Das spart im Jahr 2000 Fahrten von Zuffenhausen zum Verladebahnhof in Kornwestheim“, zeigt der ehemalige Wirtschaftsprüfer von KPMG, wie er mit spitzem Bleistift rechnet. „Das ist eine von 2300 Maßnahmen zur nachhaltigen Ergebnisverbesserung“, sagt Meschke.

Es gehe dabei darum, alle Mitarbeiter einzubinden. In kleinen Runden von 20 bis 30 Mitarbeitern stehe er in ständigem Austausch. „Das ist selbstverständlich keine Einbahnstraße.“ Porsche müsse sich auf Veränderungen nicht nur schnell einstellen, sondern sie aktiv vorantreiben. „Wir brauchen einen Mindchange. Wenn wir ein relevanter Player bleiben wollen, müssen wir so früh handeln.“

Sicherlich steht der CFO weniger im Fokus der Öffentlichkeit als Porsche-Chef Oliver Blume. Tatsächlich lässt ihm Blume aber Raum, um eigene Akzente zu setzen. Und den nutzt Meschke. Seit fast 20 Jahren ist der verheiratete Vater von sechs Kindern aus zwei Ehen im Unternehmen, seit zehn Jahren Finanzchef. Seit der langjährige Betriebsrats-Chef Uwe Hück im Februar überraschend das Unternehmen verließ, ist Meschke so etwas wie die Konstante des Hauses.

Über die Durchsuchungen durch Staatsanwälte wegen des Verdachts der überhöhten Gehaltszahlungen an Hück will der 53-jährige Betriebswirt nur kurz sprechen. „Porsche hat die Frage der Angemessenheit der Vergütung von Betriebsräten nach der notwendigen internen Klärung des Sachverhalts gegenüber den Finanzbehörden von sich aus zur Diskussion gestellt und dazu das Gespräch gesucht. Wir kooperieren mit den Behörden“, stellt er klar, dass er selbst dieses Thema aktiv angegangen ist.

Das Problem mit den hohen Gehaltszahlungen stammt noch aus der Zeit von Ex-Chef Wendelin Wiedeking. Dennoch ist es möglich, dass Meschke sich vor Gericht dafür verantworten muss, dass zu hohe Spitzengehalt des Betriebsratschefs geduldet zu haben.
Das würde dann allerdings einer gewissen Ironie nicht entbehren. Denn Meschke scheute als einer der wenigen nie die Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Betriebsrats-Boss und Thai-Boxer Hück.

Vor fünf Jahren stellte er in einem Handelsblattinterview die für Akkordarbeiter heilige fünfminütige Steinkühler-Pause pro Arbeitsstunde auf den Prüfstand. „Vor allem Vorstände, die die Steinkühler-Pause angreifen, stehen auf dem Prüfstand“, drohte Hück wortgewaltig. Aber heute ist Hück weg und Meschke noch da.

Auch die reinen Zahlen sprechen für Meschke. In seiner Amtszeit hat sich der Unternehmenswert von knapp acht Milliarden Euro im Jahr 2009 bis heute nahezu verzehnfacht auf geschätzt rund 80 Milliarden Euro – so viel wie VW insgesamt an der Börse wert ist.

Dieselthema belastet

Das veranlasste Meschke vor einem Jahr zu einem weiteren Vorpreschen. Er gab den Denkanstoß, dass nach dem Vorbild von Ferrari ein Teilbörsengang von Porsche Sinn machen könnte, um den Konzern finanziell noch wetterfester für die Transformation zu machen. Eigentlich eine Sache der Eigentümer.

Dass Meschke deswegen mit Wolfgang Porsche Schwierigkeiten bekommen hätte, ist nicht bekannt. Analysten wie Arndt Ellinghorst von Evercore ISI bescheinigten Meschke damals, seine Überlegungen seien „zwingend logisch“.

Dieses Urteil gilt für fast alle seine Vorstöße. Sie mögen etwas keck wirken, haben aber Substanz und sind zukunftsorientiert. Lange vor dem Ausstieg machte Meschke keinen Hehl daraus, dass er lieber früher als später die Dieselmodelle aus dem Angebot von Porsche streichen würde. Nicht ohne Grund.

Denn weil die Motoren von Audi geliefert wurden, ist auch Porsche in den Abgasskandal verwickelt. Wie tief, klären immer noch die Ermittlungsbehörden. 535 Millionen Euro Bußgeld musste Porsche allerdings schon zahlen.

Bei dem Thema Diesel ist der Konzern in der Defensive. Als passionierter Fußballer mit Lieblingsposition Spielmacher hält Meschke sonst aber Angriff für die beste Verteidigung auch bei strategischen Entscheidungen – wie beim Elektroauto 2014. „Ich gehörte zu denen, die das Thema früh getrieben haben“, sagt er selbstbewusst – und das in einer Firma, bei der bislang Benzin im Blut Einstellungsvoraussetzung war.

Aber Meschke weiß auch: „Das autonome Fahren ist für Porsche eine ganz andere Herausforderung. Es wird anspruchsvoller, sich zu differenzieren.“ Auch hier spielt er eine wichtige Rolle, denn er leitet das Geschäft mit Beteiligungen und Venture-Capital. Hier holt sich Porsche Know-how für die Mobilität von morgen. „Mit unseren Investitionen in vielversprechende Start-ups und Fonds gehen wir bewusst ein Stück weit ins Risiko.“ 150 Millionen Euro gibt Meschke hier aus.

Auch bei der Digitalisierung macht er Dampf. 800 Millionen investiert Porsche dafür pro Jahr. „Es geht bei der Digitalisierung nicht nur ums Auto und dessen Funktionalität. Die Transformation umfasst alle Bereiche des Unternehmens von der Smart Factory bis zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Buchhaltung.“ Das klingt nach Investitionen in Kostensenkung – typisch Meschke.

Mehr: Fahnder sind dem Verdacht möglicherweise überhöhter Zahlungen an den Ex-Betriebsratschef nachgegangen. Es geht in dem Fall um drei Spitzenmanager von Porsche.

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