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Chemie, Pharma, Maschinenbau Der Industrie stehen die größten Brexit-Hürden noch bevor

Die europäischen Unternehmen haben sich mit neuen Einkaufs- und Lagerstrategien auf den Brexit vorbereitet. Das hilft – aber nur vorerst.
18.01.2021 - 16:09 Uhr Kommentieren
Auch wenn sich London und Brüssel an Heiligabend noch in letzter Minute auf ein Handelsabkommen geeinigt haben, kommt es seit Jahresbeginn zu Verwerfungen im britisch-europäischen Warenverkehr. Quelle: AFP
Lkws auf dem Weg nach Dover

Auch wenn sich London und Brüssel an Heiligabend noch in letzter Minute auf ein Handelsabkommen geeinigt haben, kommt es seit Jahresbeginn zu Verwerfungen im britisch-europäischen Warenverkehr.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Beim Hamburger Maschinenbauer Körber war die Sache schon im Sommer klar: Sollte es zum Jahreswechsel einen ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU geben, kann nur eine gute Vorbereitung das zu erwartende Chaos verhindern.

Der Konzern, der etwa die Pharma- und die Tabakindustrie beliefert, hat sich deshalb neue Lieferanten in Kontinentaleuropa gesucht. Wo das nicht möglich war, hat Körber mit verstärkter Lagerhaltung reagiert – und war damit offenbar gut beraten.

Denn auch, wenn sich London und Brüssel an Heiligabend noch in letzter Minute auf ein Handelsabkommen geeinigt haben, kommt es seit Jahresbeginn zu Verwerfungen im britisch-europäischen Warenverkehr. Ein Grund dafür sei sicher auch die Corona-Pandemie, sagt Ulrich Hoppe, Geschäftsführer der britisch-deutschen Auslandshandelskammer (AHK). „Doch für einen Teil dieser Friktionen sind auch die neuen Zollformalien verantwortlich, die der Brexit erforderlich macht.“

Für die meisten Industriebetriebe sind die kurzfristigen Auswirkungen allerdings gering. So ist etwa auch aus den Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie derzeit noch keine Meldung über Versorgungsengpässe oder Lieferschwierigkeiten im Zuge des Brexits zu hören. Viele Hersteller führen dies aber auch darauf zurück, dass im vergangenen Jahr die Lager auf beiden Seiten des Ärmelkanals aufgestockt wurden und noch gut gefüllt sind. Wie die Situation in wenigen Monaten sein wird, ist offen.

Beide Branchen sind vom Brexit betroffen. Zwar haben sich Großbritannien und die EU darauf geeinigt, den Austausch etwa in der Arzneiversorgung möglichst einfach zu gestalten. Da sind allerdings noch weitere Gespräch zu den Details nötig.

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Die Briten haben bereits bewiesen, dass sie eine eigenständige, von der EU unabhängige Zulassungspraxis bei Medikamenten verfolgen: Den ersten Impfstoff gegen ‧Covid-19 gab das Land mehrere Wochen vor der EU frei. Für die Arzneimittelhersteller bedeutet dies einen erhöhten Aufwand, aber es ist eine enge regulatorische Zusammenarbeit geplant. Die Qualitätsanforderungen in der Produktion wollen beide gegenseitig anerkennen.

Für die Chemieunternehmen hat sich der Wunsch nicht erfüllt, dass die Bewertung von Chemikalien einheitlich geregelt wird: Großbritannien wird ein eigenes Zulassungssystem für die Produkte aufbauen, die Firmen müssen also auf beiden Seiten den bürokratischen Prozess durchlaufen. Die Industrie hofft darauf, dass die Behörden etwa beim Datenaustausch eng kooperieren und so den Aufwand geringer halten.

Unsicherheiten bleiben

„Die Unternehmen müssen sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass der Handel komplizierter wird“, sagt auch Holger Kunze, Geschäftsführer der europäischen Niederlassung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). „Im Hinblick auf technische Handelshemmnisse geht das Abkommen kaum über die Regeln der Welthandelsorganisation hinaus – unterschiedliche technische Produktanforderungen und Normen, die einen großen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit haben, könnten sich daher in den nächsten Jahren auseinanderentwickeln und technische Handelshemmnisse erzeugen.“

AHK-Geschäftsführer Hoppe rechnet daher damit, dass sich viele Unternehmen überlegen werden, inwiefern der europäisch-britische Handel unter den geänderten Voraussetzungen noch wirtschaftlich darstellbar ist. „Der Austrittsvertrag hat sicher geholfen, die schlimmsten Folgen abzumildern“, so Hoppe. „Unterm Strich bleiben jedoch erhebliche Unsicherheiten, die sich erst in den nächsten Monaten klären werden.“

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