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Chemiebranche Allianz gegen Kunststoffmüll geht an den Start

Jährlich wächst die Menge an Plastikmüll in den Ozeanen um acht Millionen Tonnen. Chemiekonzerne verbünden sich, um das Problem zu lösen – und ihr Image zu retten.
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Chemie- und Konsumgüterkonzerne arbeiten zusammen an der Lösung des Plastikmüll-Problems. Quelle: dpa
Plastikmüll

Chemie- und Konsumgüterkonzerne arbeiten zusammen an der Lösung des Plastikmüll-Problems.

(Foto: dpa)

FrankfurtFührende Chemie- und Konsumgüterkonzerne haben sich verbündet, um gegen eines der drängendsten Umweltprobleme der Welt vorzugehen: dem Plastikmüll. Am Mittwoch ist die „Allicance of End Plastic Waste“ (Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt, AEPW) offiziell an den Start gegangen ist.

Wie vom Handelsblatt bereits Anfang der Woche berichtet, wollen die Mitglieder in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Dollar investieren, um Plastikabfälle effektiver zu beseitigen. Mehr als eine Milliarde Dollar seien bereits fest zugesagt.

„Wir alle sind uns darin einig, dass Plastikabfälle nicht in unsere Ozeane oder in die Umwelt gehören. Dies ist eine komplexe und ernsthafte globale Herausforderung, die schnelles Handeln und eine starke Führung erfordert. Die neue Allianz ist die bisher umfassendste Maßnahme zur Beseitigung von Plastikabfälle in der Umwelt“, sagte David Taylor, der CEO des US-Konzerns Procter & Gamble, der den Vorsitz der AEPW übernommen. „Ich fordere alle Unternehmen auf, ob groß oder klein, aus allen Regionen und Branchen, sich uns anzuschließen.“

Bisher wird die Allianz noch von großen Chemiekonzernen dominiert. Sie stellen eine klare Mehrheit der insgesamt sind 28 Gründungsmitglieder. Von deutscher Seite sind die Chemiekonzerne BASF und Covestro sowie der Klebstoff- und Konsumgüterhersteller Henkel in dem Zusammenschluss vertreten.

Mit dabei sind ferner zahlreiche große Chemiehersteller wie Dow, Lyondellbasell, Sabic, DSM, Clariant, Braskem, Mitsubishi Chemical, Sumitomo sowie die Chemiesparten der Ölkonzerne Exxon, Shell, Eni und Chevron. Darüber hinaus beteiligen sich aber auch Firmen wie Suez und Veolia, die im Entsorgungsgeschäft aktiv sind, an der Allianz.

Hintergrund der Initiative ist die zusehends kritischere Diskussion über die großen Mengen an Kunststoff-Abfällen, die vor allem über große asiatische Flüsse in die Weltmeere gelangen. Weltweit wächst die Menge an Plastikmüll in den Ozeanen nach manchen Schätzungen jährlich um mehr als acht Millionen Tonnen.

Chemieproduzenten und Konsumgüterhersteller befürchten, dass die gigantischen Müllmengen sich langfristig das Image und das Marktpotenzial von Kunststoffprodukten belasten können. Entsprechend breit ist die Unterstützung für die neue Initiative aus der Chemiebranche.

Neben P&G-CEO Taylor präsentierten am Mittwochnachmittag unter anderem die Chefs von BASF, Dow und Lyondellbasell die neue Allianz in London. Mit ihr wolle man Lösungen vorantreiben und fördern, „die effektiv dazu beitragen, das weltweite Plastikmüll-Problem zu lösen“, erklärte BASF-Chef Martin Brudermüller. „Dazu brauchen wir mehr Innovationen in Richtung einer zirkulären Wirtschaft.“

Ähnlich äußert sich Henkel-Chef Hans Van Bylen, der auch Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) ist: „Als globales Konsumgüter- und Industrieunternehmen wollen wir bei Henkel dazu beitragen, dass Plastikabfall in der Umwelt gestoppt wird. Nachhaltige Lösungen für diese Herausforderungen können wir nur gemeinsam entwickeln, wenn wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.“ Bis 2025, kündigte der Düsseldorfer Konzern an, sollen 100 Prozent der Produktverpackungen recycelbar, wiederverwendbar oder kompostierbar sein.

Mit der Präsentation der Allianz stellten die Vertreter zugleich erste konkrete Projekte vor. Dazu gehören etwa Partnerschaften mit Städten zur Entwicklung integrierter Abfallmanagementsysteme, insbesondere in Ballungsräumen mit unzureichender Infrastruktur.

Unterstützen will die Allianz unter anderem das Projekt Renew Oceans, das Initiativen zum Sammeln von Plastikabfällen in großen asiatischen Flüssen fördert, sowie das von Circulate Capital gegründete „Incubator Network“, das Technologien und Geschäftsmodelle fördert, die Kunststoffabfälle im Meer verhindern oder die Abfallentsorgung verbessern. Hinter Circulate Capital stehen vor allem große Konsumgüterkonzerne wie P&G, Unilever, Danone und Coca-Cola.

Ziel der neuen Allianz ist es, das Problem auf möglichst allen Ebenen der Kunststoff-Wertschöpfungskette anzugehen. „Wir brauchen noch viel mehr Unternehmen und andere Institutionen, die da mitmachen, sagte Peter Bakker, Präsident des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), der als strategischer Partner der AEWP agiert. „Kein Unternehmen kann dieses Problem alleine bewältigen. Wir brauchen daher wirklich eine Infrastruktur, um Lösungen miteinander zu teilen. Wir müssen Partnerschaften mit Städten und Regierungen eingehen.“

Umweltorganisationen sind kritisch

Den Initiatoren ist es dabei offenbar nicht leicht gefallen, Konsumgüterkonzerne mit ins Boot zu holen. Zwar wirkt Procter & Gamble an vorderster Front mit, ansonsten ist die Branche indessen eher schwach vertreten. Der Schweizer Konsumgüterriese Nesté etwa kündigte am Vortag eine eigene „umfassende Vision für eine abfallfreie Zukunft“ an. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr versprochen, bis 2025 seine Verpackungen zu 100 Prozent recyclingfähig oder wiederverwertbar zu machen. „Wir sind fest entschlossen, in dieser Angelegenheit eine Vorreiterrolle einzunehmen“, erklärte dazu Firmenchef Mark Schneider.

Auch von Seiten der Umweltorganisationen kann die neue Allianz der Industriekonzerne offenbar nicht auf einhellige Zustimmung hoffen. Greenpeace jedenfalls schlug sehr kritische Töne an: „Das ist ein verzweifelter Versuch der industriellen Umweltverschmutzer, den Status Quo im Kunststoffbereich zu erhalten“, erklärte Graham Forbes, der globale Projektleiter Kunststoffe von Greenpeace. Durch besseres Recycling und Abfallmanagement werde man die Plastikmüll-Krise letztlich nie bewältigen können. „Der einzig sichere Weg, das Problem wirksam anzugehen, ist, damit aufzuhören, so viel Kunststoff zu produzieren.“

Dem halten die Industrievertreter die weit überlegenen Eigenschaften von Kunststoffen gegenüber alternativen Materialien entgegen, auch unter dem Gesichtsunkt der Nachhaltigkeit. „Kunststoffe sind unglaublich wertvolle Materialien, die viele Produkte und die Lebensqualität der Menschen verbessert haben. Deshalb haben sie über die Dekaden auch so viele Anwendungsbereiche erobert“, argumentiert BASF-Chef Martin Brudermüller. „Das Problem ist, dass dieser Wert der Kunststoffe vielfach nicht realisiert wird. Viel zu viel davon landet auf Deponien oder verschmutzt die Umwelt.“

Man müsse daher mehr von diesem Wert zurückholen und die Kunststoffe in die Basis-Bausteine zurückverwandeln, um daraus wieder neue Materialien zu schaffen. Aber das könne letztlich keiner alleine, erklärt Brudermüller. „Wir müssen da viel stärker kooperieren.“

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