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Chemiebranche Basisgeschäft von BASF bricht ein – Dividende soll dennoch steigen

Das Betriebsergebnis von BASF hat sich im ersten Halbjahr halbiert. Trotzdem will der Chemiekonzern an seiner Dividendenpolitik festhalten.
Update: 25.07.2019 - 12:54 Uhr Kommentieren
BASF: Das Basisgeschäft bricht ein Quelle: AFP
BASF in Ludwigshafen

Der Chemieriese leidet unter der Absatzkrise der Autoindustrie.

(Foto: AFP)

Frankfurt Der Chemieriese BASF kämpft weiter mit heftigem Gegenwind und steuert nach einem herben Einbruch im ersten Halbjahr im Gesamtjahr 2019 auf einen deutlichen Rückgang des operativen Gewinns zu. Firmenchef Martin Brudermüller zeigt sich dennoch kämpferisch und stellte zumindest indirekt eine Wende zum Besseren in den Folgejahren in Aussicht, trotz der aktuellen Schwächen.

„Unsere Antwort darauf kann nicht lauten, künftig ohne Ambitionen zu sein, nur damit man nicht korrigieren muss. Das Management-Team der BASF bleibt weiter einer ambitionierten Entwicklung der BASF verpflichtet“, sagte Brudermüller bei Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag. Zugleich bekräftigte er, dass die BASF an ihrer progressiven Dividendenpolitik festhalten werde. „Wir wollen unsere Dividende pro Aktie jedes Jahr erhöhen.“

Aktuell läuft es dabei weiterhin schwierig für den Ludwigshafener Chemiekonzern. Bereits Anfang Juli hatte er Investoren mit einer ungewöhnlich drastischen Korrektur seiner Prognose überrascht. Statt eines leichten Wachstum rechnet der Konzern jetzt für das Gesamtjahr mit einem operativen Gewinnrückgang um bis zu 30 Prozent.

Brudermüller bekräftigte jetzt den trüben Ausblick für 2019. „Insgesamt gehen wir für das zweite Halbjahr von anhaltend niedrigem Wachstum der Industrie- und der Chemieproduktion aus. Die von uns erwartete Belebung tritt nicht ein“, sagte der BASF-Chef. Seine Erwartungen für die weltweite Chemieproduktion hat der Konzern von 2,7 Prozent auf 1,5 Prozent reduziert.

Vor allem zwei Effekte treffen BASF relativ stark, wie Brudermüller deutlich machte: Zum einen ein starker Margenverfall bei Cracker-Produkten und Polyurethan-Kunststoffen, zum anderen die Schwäche der wichtigen Abnehmerbranche Automobil.

Beide Einflüsse werden sich im zweiten Halbjahr fortsetzen. Der Automobilsektor, der etwa ein Viertel der BASF-Produktion verarbeitet, werde sich in diesem Jahr nicht mehr erholen. Man gehe jetzt von einem weltweiten Rückgang der Autoproduktion um 4,5 Prozent aus.

Schwierig dürfte vorerst auch die Situation im  Polyurethan-Geschäft und bei Cracker-Produkten bleiben, das heißt Basisprodukte wie Ethylen und Propylen. Ein starker Kapazitätsausbau in Nordamerika hat nach Aussage Brudermüllers dort die Cracker-Margen auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren gedrückt. Weitere vier Millionen Tonnen an Ethylen-Kapazitäten gehen im zweiten Halbjahr in Betrieb und treffen auf einen verlangsamten Inlandsverbrauch in den USA, wodurch der Exportdruck steigen dürfte. „Dies führt zu zusätzlichem Margendruck bei Derivaten wie Ethylenglycol in Asien und Europa“, so Brudermüller.

Probleme in Nordamerika

Diese Entwicklung hat auch bei anderen Chemiekonzernen deutliche, wenn auch nicht ganz so heftige Spuren hinterlassen. Der US-Chemiekonzern Dow, dessen Geschäft sich weitgehend auf Kunststoffe konzentriert, meldete jetzt für das zweite Quartal einen operativen Gewinnrückgang um gut ein Drittel.

Die BASF wurde unterdessen auch durch die Schwäche im nordamerikanischen Agrochemie-Geschäft geschwächt, wo ungünstige Wetterverhältnisse für einen deutlichen Nachfragerückgang bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln sorgten. Der operative Ergebniseffekt, der sich durch die Integration der von Bayer zugekauften Aktivitäten ergibt, ist dadurch offenbar zu einem erheblichen Teil verpufft. Den Rückstand im US-Geschäft, so BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel, werde man auch trotz eines sehr starken Auftakts beim Geschäft auf der Südhalbkugel im Gesamtjahr wohl nicht kompensieren können.

Wie bereits Anfang Juli berichtet, sorgten die Schwächen im Kunststoff-,  Grundchemie- und Agrogeschäft alles in allem für einen starken operativen Gewinnrückgang bei der BASF im zweiten Quartal. Während der Umsatz um vier Prozent auf gut 15 Milliarden Euro schrumpfte, sank das um Sondereinflüsse bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) um 47 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Einschließlich der Sonderaufwendungen, unter anderem für Restrukturierungen, ging es gegenüber dem Vorjahr um gut zwei Drittel auf nur noch 548 Millionen Euro zurück.

Grafik

Im gesamten ersten Halbjahr hat es sich mit 2,3 Milliarden Euro nahezu halbiert. Auch beim Free-Cashflow hat die schwache Ertragsentwicklung deutliche Spuren hinterlassen. Er lag im Halbjahr mit knapp 600 Millionen Euro um 70 Prozent unter Vorjahresniveau. Auch im Gesamtjahr wird die operative Finanzkraft des Konzerns damit wohl deutlich in Mitleidenschaft gezogen, zumal auch einiges an Cash-Kosten für Restrukturierung und Personalabbau anfallen dürfte.

Ein ganz anderes Bild zeigt dagegen die Entwicklung des Nettogewinns. Hier weist der  Chemieriese trotz der operativen Schwächen einen riesigen Sprung nach oben aus. Im zweiten Quartal vervierfachte sich der Reingewinn von 1,5 auf 6,5 Milliarden Euro, im Halbjahr stieg er von 3,1 auf 7,9 Milliarden Euro.

Grund dafür ist ausschließlich ein Bewertungseffekt im Zusammenhang mit der Tochter Wintershall. Nachdem deren Fusion mit der Dea-Gruppe vollzogen ist, bilanziert die BASF ihren Mehrheitsanteil an dem neu geschaffenen Öl- und Gas-Konzern „at equity“, das heißt mit dem anteiligen, zum Zeitwert bewerteten Eigenkapitalanteil. Das führte zu einer Aufwertung des Nettovermögens von knapp 6,2 Milliarden Euro.

Die Bilanzierung von Wintershall-Dea macht  zudem deutlich, warum sich der Chemiekonzern seine offensive Dividendenpolitik trotz Ertrags- und Cashflow-Schwäche sowie einer auf knapp 19 Milliarden Euro gestiegenen Nettoverschuldung weiterhin leisten kann. So setzt die BASF den fairen Wert ihrer 73-prozentigen Beteiligung an Wintershall-Dea mit insgesamt 14,4 Milliarden Euro an.

Perspektivisch schuldenfrei

Gelingt es, den Öl- und Gasproduzenten wie geplant zu diesen Konditionen in den nächsten Jahren an die Börse zu bringen, werden dem Konzern aus diesem Desinvestment mehr als 14 Milliarden Euro zufließen. Weitere mehr als vier Milliarden Euro dürften die ebenfalls geplanten Verkäufe der Geschäftsbereiche Bauchemie und Pigmente bringen. Das heißt, nach derzeitigem Stand könnten die anstehenden Desinvestitionen theoretisch eine weitgehende Entschuldung des Konzerns ermöglichen.

Operativ dagegen steht der Konzern noch vor erheblichen Herausforderungen, vor allem mit Blick auf die interne Neuordnung, die nötige Margenverbesserung im Chemiegeschäft und die weiteren Wachstumsambitionen.  Im ersten Halbjahr sind die Absatzmengen des Konzerns um sechs Prozent gesunken, wovon BASF rund die Hälfte auf geplante Anlagen-Abschaltungen zurückführt. Darüber hinaus hat sich dabei  nach den Worten Brudermüller die ausgeprägte Schwache der chinesischen Autoindustrie sowie der Einbruch im US-Agrogeschäft  relativ stark ausgewirkt.

Aber selbst wenn man diese Effekte ausklammert, dürfte der Konzern weiter langsamer gewachsen sein als die Branche insgesamt – eine Schwäche, die sich schon seit einigen Jahren bei BASF zeigt.  Es sei letztlich nicht gelungen, diesen Trend umzudrehen, räumte Brudermüller ein. „Damit sind wir nicht zufrieden.“

Der Konzern tritt dem einem beschleunigten organisatorischen Umbau entgegen. Rund 20.000 Mitarbeiter mit bisher zentralen Funktionen sollen dazu direkt den Geschäftsbereichen zugeordnet werden, weltweit 6.000 Stellen komplett entfallen. Ziel sind vor allem schlankere Verwaltungsstrukturen und „mehr Agilität und Kundenorientierung.“

Ein Großteil dieses Umbaus ist nach den Worten Brudermüllers bereits vollzogen. Rund 15.000 der betroffenen Mitarbeiter arbeiteten inzwischen näher an den Kunden. Vom geplanten Personalabbau in Deutschland ist danach gut ein Drittel unter Dach und Fach. Rund 1.100 Beschäftigte im Stammwerk Ludwigshafen haben nach Angaben Brudermüllers inzwischen einen Aufhebungsvertrag unterschrieben.

Der Personalabbau sei keine Reaktion auf die aktuelle Konjunkturschwäche, sondern Teil des bereits 2018 angekündigten „Exzellenz-Programms“, sagte Brudermüller. Zusätzliche Personalmaßnahmen in Reaktion auf die derzeitige Flaute werde es wohl nicht geben. Denn der Veränderungsprozess bei der BASF habe bereits ein hohes Tempo und laufe in vielen Dimensionen. „Ich glaube da können wir nichts mehr drauflegen.“

Mehr: Ein Argument für Mischkonzerne ist, dass sie im Abschwung robuster sind. Das stimmt aber nicht, denn häufig gibt es Doppelstrukturen statt Synergien.

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