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Chemiebranche Brexit, Handelskrieg und schwache Konjunktur – Chemiebranche erwartet ein Jahr voller Hürden

Deutschlands drittgrößte Industrie steht vor einem schwierigen Jahr – nicht nur wegen abkühlender Konjunktur. Neue Wettbewerber formieren sich.
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Die Herausforderung für Deutschlands drittgrößten Industriezweig dürften 2019 noch größer werden. Quelle: Cultura/Getty Images
Chemieindustrie

Die Herausforderung für Deutschlands drittgrößten Industriezweig dürften 2019 noch größer werden.

(Foto: Cultura/Getty Images)

Düsseldorf BASF-Chef Martin Brudermüller bringt die aktuelle Stimmung in der deutschen Chemieindustrie auf den Punkt: „2019 wird kein leichtes Jahr“, sagt der Vorstandschef von Europas größtem Chemiekonzern.

Er will BASF auf Innovation und Kundenfokus trimmen und startet dazu einen Konzernumbau. Ob der geräuschlos – also ohne Arbeitsplatzabbau – zu machen ist, hängt auch von der konjunkturellen Entwicklung ab. „Wenn wir kein Wachstum haben, dann wird das auch Einfluss auf die Beschäftigung haben“, sagt Brudermüller.

Harter Brexit, Handelskonflikte, schleppende Autoproduktion – all das drückt auf die Erwartungen der Chemieindustrie für das Jahr 2019. Doch die Herausforderungen für Deutschlands drittgrößten Industriezweig stecken nicht nur in der Konjunkturentwicklung.

In Asien und am Persischen Golf entstehen neue Wettbewerber, die auf das von den Deutschen besetzte Terrain der Spezialchemie drängen. Die heimischen Chemiefirmen werden beweisen müssen, wir robust ihre Geschäftsmodelle sind.

Von der Konjunktur dürfen sie wenig Rückenwind erwarten. Der Branchenverband VCI erwartet zwar, dass die Produktionsmenge in diesem Jahr um 1,5 Prozent zulegen wird. Darin ist aber das konjunkturrobuste Pharmasegment eingeschlossen. Für die Hersteller von Chemikalien und Kunststoffen prophezeit der Verband allenfalls eine Stagnation.

Der Preisdruck ist hoch

Schon gegen Ende 2018 zeichnete sich ab, dass sich die Chemienachfrage eintrübt. Die produzierte Menge sank sogar erstmals seit vielen Quartalen, der Preisdruck ist hoch, weil die Anlagen weniger gut ausgelastet sind. Für die deutsche Wirtschaft insgesamt ist das kein gutes Zeichen. Die Chemie gilt als guter Indikator für die allgemeine Konjunkturlage.

Der Rückgang im Herbst lag zum großen Teil am Einbruch in der Autoindustrie, dem größten Kunden der Chemie- und Kunststoffhersteller. VCI-Präsident Hans Van Bylen geht zwar davor aus, dass die Nachfrage der Autohersteller wieder anziehen wird. „Diese Belebung wird aber angesichts der gedämpften weltwirtschaftlichen Entwicklung und eines wachsenden Protektionismus nur verhalten ausfallen und von kurzer Dauer sein“, fürchtet er.

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Von einem schärferen Handelskonflikt zwischen Europa, USA und China wäre die Branche zunächst nicht direkt betroffen. BASF, Evonik, Covestro und Lanxess produzieren direkt in den Regionen und müssten Importbeschränkungen etwa in den USA nicht fürchten. Doch die indirekten Folgen eines schrumpfenden Welthandels wären massiv.

Der noch immer mögliche harte Brexit ist für die Chemie eine zusätzliche Bedrohung. Aus Großbritannien werden viele Vorprodukte für die Chemieanlagen in Deutschland bezogen. Ein Austritt des Landes aus der EU ohne Abkommen würde diese Lieferkette jäh unterbrechen.

Denn alle in der EU gehandelten Chemiewirkstoffe müssen nach EU-Recht geprüft und bei der Chemikalienagentur ECHA in Helsinki registriert sein. Die in Großbritannien gefertigten Produkte würden diese Zulassung bei einem unkontrollierten Brexit verlieren, das aufwendige Verfahren müsste neu gestartet werden. Davon wären auch die Chemie-Kunden betroffen.

Sorgen bereitet der Chemie zudem die wirtschaftliche Lage in China. Das Land ist der bedeutendste Markt für die Branche. Doch die Nachfrage schwächelt. BASF-Chef Brudermüller sieht dies als erste Folge des Handelskonflikts mit den USA, aber es ist aus seiner Sicht nur eine Delle. Er glaubt fest daran, dass die chinesische Regierung in diesem Jahr alles daran setzen wird, den heimischen Konsum zu stimulieren – etwa durch Steuersenkungen.

Die Deutschen verfolgen die Entwicklung in China aber nicht nur aus konjunkturellen Gründen intensiv. Die Regierung in Peking hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Chemieindustrie in dem Land auf ein höheres Niveau zu heben. Die heimischen Anbieter sollen weg von der reinen Massenproduktion, die zum Teil mit starker Umweltbelastung verbunden ist.

Stattdessen soll Chinas Chemie innovative, höherwertige Produkte fertigen und nachhaltiger werden. Deutsche Chemiemanager berichten davon, wie in dem Land alte Anlagen chinesischer Hersteller von heute auf morgen dicht gemacht werden. Von dieser Marktbereinigung könnten die Deutschen zunächst profitieren, denn sie produzieren dort nach europäischen Standards.

Neue Konkurrenz aus China

Doch der Wandel in Chinas Chemie bedeutet auch, dass sich dort immer stärkere Wettbewerber herausbilden, die auf innovative Spezialprodukte setzen. Dieses höherwertige Segment der Spezialchemie, das Wachstum und bessere Gewinne verspricht, ist bisher die Domäne der Deutschen.

Zwar sehen sich die Deutschen bei Technologie und Forschung den Chinesen noch weit voraus. Doch erkennen sie zugleich, dass die Konkurrenten in dem Land schnell dazulernen. 86 Prozent der deutschen Chemiemanager messen Chinas Chemieindustrie eine „hohe“ oder gar „kritische“ Bedeutung als Wettbewerber bei, ergab eine aktuelle Umfrage der Beratungsgesellschaft Camelot und der Fachtzeitschrift Chemanager.

Nicht nur in Fernost wachsen neue Konkurrenten heran. Die großen Hersteller am Persischen Golf wollen ebenfalls nicht mehr nur Exporteure austauschbarer Basischemie sein.

Kern des wirtschaftlichen Umbaus von Saudi-Arabien ist die Stärkung der Chemieproduktion der staatlich kontrollierten Konzerne Saudi-Aramco und Sabic. Beide sollen die Veredelung chemischer Grundprodukte ausbauen, investieren dazu in Spezialchemie-Knowhow und werden möglicherweise fusionieren.

„Die relative Bedeutung der westlichen Chemiefirmen im Vergleich zu den Staatsfirmen aus dem Mittleren Osten und Asien wird sinken“, erwartet Wolfgang Falter, Chemieexperte der Beratungsgesellschaft Deloitte.

In den vergangenen beiden Jahren haben große Anbieter wie Lanxess und Evonik mit Übernahmen im Milliardenvolumen ihre technologieorientierten Spezialchemie-Geschäfte ausgebaut – auch der anstehende Umbau bei BASF geht in diese Richtung.

Branchenkenner Falter geht davon aus, dass diese Fokussierung weitergehen wird – auch mit kleineren oder mittleren Übernahmen. Er warnt: „Die deutschen Chemiehersteller müssen aufpassen, dass sie nicht als hochpreisige Nischenanbieter enden, sondern weiterhin dominante Segmentpositionen besetzen.“

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