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Chemiebranche Evonik verdoppelt sein Wagniskapital für Investments in Start-ups

Der Essener Konzern startet seinen zweiten Venture-Capital-Fonds über 150 Millionen Euro. Im Visier sind Chemie-Gründungen und digitale Start-ups.
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Der Konzern will von Start-ups lernen. Quelle: dpa
Evonik-Zentrale in Essen

Der Konzern will von Start-ups lernen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf„Vampirlifting“  so heißt eine neue Methode, die Falten im Gesicht reduzieren soll. Dabei wird ein spezielles Plasma mit körpereigenem Blutkonzentrat zur Glättung in die Haut gespritzt. Nach der Behandlung muss die Haut erstmal beruhigt werden: Da kommt ein Start-up aus Jena in Spiel.

Jenacell stellt biotechnisch gewonnene Zellulose her, die die Haut kühlt. Die Nanozellulose wird mittlerweile weltweit zur Linderung von Brandverletzungen eingesetzt. Seit Januar ist diese Methode auch Standardtherapie bei der Nachbehandlung von Vampirlifting. Den Aufstieg hat Jenacell mit Geld aus Essen geschafft.

Der Chemiekonzern Evonik hat sich über seinen ersten Wagniskapitalfonds vor drei Jahren an der Ausgründung der Universität Jena beteiligt. Das Start-up Jenacell passt ins Beuteschema der Essener, denn Moleküle und Materialien für Medizintechnik und Kosmetik gehören zu den Geschäften, auf die Evonik seine Investitionen konzentrieren will.

Für die Suche nach vielversprechenden Zukunftstechnologien stockt der Spezialchemiekonzern nun seine Kasse auf. Evonik legt einen zweiten eigenen Fonds für Wagniskapital auf. Wie der Konzern am Mittwoch ankündigte, wird er ein Volumen von 150 Millionen Euro haben. Der Konzern wird damit das Volumen seines Venture-Capital-Engagements auf 250 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Für den Essener Konzern mit einem Jahresumsatz von 14,4 Milliarden Euro und einem Betriebsgewinn (Ebitda) von zuletzt 2,4 Milliarden Euro ist das vergleichsweise viel Geld. Die wesentlich größere BASF unterhält einen Venture-Capital-Fond über 225 Millionen Euro, beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sind es rund 100 Millionen Euro. Bernhard Mohr, der Chef der Venture-Capital-Tochter von Evonik, spricht von einem „starken Bekenntnis in konjunkturell unsicheren Zeiten“.

Auch andere deutsche Großkonzerne setzen auf Start-ups

Das trifft auch auf andere deutsche Großunternehmen zu, die zuletzt ihre Wagniskapital-Engagements deutlich aufgestockt haben. So kündigte der Stuttgarter Autobauer Porsche im Herbst 2018 an, 150 Millionen Euro in Start-ups investieren zu wollen. Der Sportwagenhersteller sucht Zugang zu neuen Technologien für das vernetzte Fahren.

Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel hat seine Venture-Capital-Aktivitäten unlängst ebenfalls um 150 Millionen Euro aufgestockt. Die neu geschaffene Einheit Henkel-Ventures will junge Unternehmen finanzieren, die vielversprechende digitale Plattformen schaffen oder neue Technologien etwa in der Beschichtung entwickeln.

Die hat auch Evonik im Visier, etwa beim Megathema 3D-Druck. Die Essener haben über mehrere Jahre das amerikanische Start-up Structured Polymers mitfinanziert, das auf Kunststoffpulver für den boomenden technischen Druck spezialisiert ist. Im Januar hat Evonik das Unternehmen komplett gekauft.

Die anschließende Übernahme sei aber nicht in jedem Fall das Ziel bei Beteiligungen, erläutert Mohr. 17 Unternehmen haben die Essener bisher direkt finanziert, bei acht weiteren sind sie über andere Fonds beteiligt. Bisher hatte der Konzern vor allem Firmen mit innovativer Material- und Verfahrenstechnik im Visier.

Start-ups sollen digitale Prozesse erklären

Neben dem Biotech-Spezialisten Jenacell ist Evonik etwa am Start-up Numaferm beteiligt. Das Düsseldorfer Unternehmen hat ein Verfahren zur Produktion von Peptiden entwickelt – das sind wichtige Inhaltsstoffe für Arzneien, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden bisher aufwändig chemisch hergestellt. Numaferm hat eine billigere biotechnische Fertigungsalternative entwickelt.

Das Kapital des neuen Evonik-Fonds soll künftig aber stärker auch in digitale Start-ups fließen, deren Ideen etwa eine bessere datengestützte Steuerung von Logistik, Bestell- und Lieferprozessen ermöglichen. „Damit wollen wir auch die digitale Transformation von Evonik vorantreiben“, erklärte Mohr.

Der Konzern will sich nicht nur finanziell beteiligen, sondern über Partnerschaften von den Start-ups lernen. Das verspricht sich auch Porsche von seinem verstärkten Engagement. Die direkten Beteiligungen an jungen Unternehmen und Fonds dienen dazu, die „andere Welt besser zu verstehen“, gab Lutz Meschke, Finanz- und IT-Chef des Autobauers, zu.

Im Gegenzug sollen die jungen Unternehmen von der weltweiten Präsenz und Produktionsexpertise der deutschen Konzerne profitieren. Evonik investiert bis zu 15 Millionen Euro in ein einzelnes Start-up und will es über einen Sitz im Kontrollgremium mitsteuern. Der Fokus der Essener liegt auf Finanzierungen in den späteren Phasen der Start-up-Entwicklungen, etwa wenn schon eine marktreife Technologie absehbar ist. So soll der Betreuungsaufwand niedrig gehalten werden.

Gerade in dieser späteren Wachstumsphase von Start-ups fehlt es in Deutschland an Risikokapital, zeigt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger und des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften. US-amerikanische Start-ups bekommen in der Zeit, in der sie Vertrieb, Marketing und Organisation aufbauen müssen, dreimal mehr Kapital als die deutschen Jungunternehmen.

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