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Chemiekonzern BASF-Chef geht die Schwächen des Konzerns an – 6.000 Stellen fallen weg

Der Chemiekonzern kündigt eine organisatorische Neuausrichtung an: Allein in Deutschland werden bei BASF rund 3.000 Arbeitsplätze gestrichen.
27.06.2019 Update: 27.06.2019 - 20:39 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen kündigte am Donnerstag eine organisatorische Neuausrichtung an. Quelle: AFP
BASF in Ludwigshafen

Das Unternehmen kündigte am Donnerstag eine organisatorische Neuausrichtung an.

(Foto: AFP)

Ludwigshafen Das Ziel ist klar: Sparen. BASF will weltweit rund 6.000 Stellen abbauen. Die Jobs sollen im Zuge eines Konzernumbaus bis Ende 2021 wegfallen, teilte der Chemiekonzern am Donnerstag mit. Die Verwaltung solle verschlankt, Abläufe und Prozesse vereinfacht werden.

BASF will damit 300 Millionen Euro einsparen. Rund 3.000 dieser Arbeitsplätze sollen in Deutschland abgebaut werden. Der überwiegende Teil davon entfalle auf den Standort Ludwigshafen, sagte ein BASF-Sprecher. Erste Änderungen der neuen Konzernstruktur würden Anfang Januar 2020 in Kraft treten.

Insgesamt beschäftigt das Ludwigshafener Unternehmen 122.000 Mitarbeiter. Die Aktie des Dax-Konzerns zog nach der Nachricht leicht an und notierte zwei Prozent fester bei 63,30 Euro.

BASF hatte zuletzt die abflauende Autokonjunktur zu spüren bekommen. Zum Jahresbeginn musste BASF einen Gewinneinbruch hinnehmen. Das Betriebsergebnis (Ebit) verschlechterte sich im ersten Quartal trotz positiver Währungseinflüsse um 22 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro.

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Standort erkennen

    Im Vergleich zur doppelt so heftigen Restrukturierung beim Konkurrenten Bayer fallen die Einschnitte bei dem Ludwigshafener Konzern aber eher harmlos aus. Trotzdem ist das Sparprogramm, das der BASF-Vorstand am Donnerstag ankündigte, ein schmerzhaftes und ungewohntes Manöver für den Chemieriesen. Einen Personalabbau in diesem Umfange gab es bei der BASF zuletzt in den 90er-Jahren.

    Dass der Konzern erstmals seit zwei Jahrzehnten nun wieder stärker auf die Bremse tritt, kommt dennoch nicht überraschend. Es hatte sich im Prinzip bereits seit Bekanntgabe der neuen Strategie im vergangenen November abgezeichnet.

    Immerhin kündigte BASF-Chef Martin Brudermüller damals bereits eine umfangreiche interne Reorganisation und ein „Exzellenzprogramm“ an mit dem Ziel rund zwei Milliarden Euro an laufenden Kosten einzusparen. Rund 300 Millionen soll dazu nun der Personalabbau beitragen.

    Kostenstruktur hatte sich verschlechtert

    Vor allem zwei Faktoren haben den Druck in Richtung Kostensenkung verstärkt: Anders als noch in den 200er Jahren kämpft der Ludwigshafener Konzern inzwischen mit einer längerfristigen Wachstumsschwäche, die nun zusätzlich durch Konjunkturschwächen bei wichtigen Abnehmerbranchen wie der Autoindustrie und einen relativ abrupten Margenverfall im Basischemie- und Kunststoffgeschäft überlagert wird. Dem steht das erklärte Ziel gegenüber, den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um jährlich drei bis fünf Prozent zu steigern.

    Mit einem Verwaltungskostenanteil von nur 2,3 Prozent kann sich die BASF dabei im Vergleich zu vielen deutschen Industriekonzernen zwar durchaus sehen lassen. Und auch in punkto Finanzkraft gehört der Konzern mit etwa vier Milliarden Euro Free-Cashflow weiter zur Spitzengruppe im Dax. Tendenziell hatte sich die Kostenstruktur in den letzten Jahren allerdings verschlechtert, sowohl was Vertriebs und Verwaltungskosten angeht als auch mit Blick auf die Produktionskosten.

    Zudem ist die operative Marge des Konzerns mit gut zehn Prozent im Branchenvergleich keineswegs überragend. Große Teile des Spezialchemie-Geschäfts liefern schon seit Jahren eigentlich zu wenig Ertrag in Relation zum Kapitaleinsatz wie auch im Vergleich zur Konkurrenz.

    Mit seinem Effizienzprogramm und dem nun geplanten Personalabbau signalisiert Brudermüller, dass er diese Schwächen intensiver angehen will. Die große Herausforderung wird nun darin bestehen, diesen schmerzhaften Umbau durchzuziehen und trotzdem den Konzern auf stärkeres Wachstum zu trimmen.

    Ein zentrales Element in der neuen Unternehmensstruktur soll ein Corporate Center sein mit weniger als 1.000 Mitarbeitern. Es soll den Vorstand unterstützen, das Unternehmen zu steuern und zentrale Aufgaben etwa bei der Strategieentwicklung, Finanzen, Recht, Personal und Kommunikation übernehmen.

    Neu entstehen soll eine Einheit namens „Global Business Services“, ein weltweites Netz aus rund 8.000 Mitarbeitern, das Dienstleistungen für die einzelnen Unternehmensbereiche erbringen soll. Die Leitung hier soll der derzeitige Leiter des Bereichs Finance, Marc Ehrhardt, übernehmen.

    „Wir werden uns beim Aufbau der neuen Organisation darauf konzentrieren, konsequent Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu ermöglichen“, erklärte Brudermüller. „Wir werden unsere Organisation weiterentwickeln, um effektiver und effizienter zu arbeiten.“

    Mit seinen Problemen steht BASF nicht allein. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hatte Mitte Mai mitgeteilt, die schwächere Weltwirtschaft mache der deutschen Chemie- und Pharmabranche zu schaffen. Sie stelle sich nach einem kräftigen Umsatzrückgang im ersten Quartal weiter auf ein schwieriges Jahr ein.

    Von Januar bis März sank der Umsatz der Chemie- und Pharmabranche demnach gemessen am Vorjahresquartal um 3,8 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro, die Produktion sank um 6 Prozent. Der Verband erwartet 2019 einen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent. Grundsätzlich reagiert die Chemiebranche als Lieferant etwa für die Auto-, Bau- und Kosmetikindustrie früh auf Konjunkturschwankungen und hatte schon Ende 2018 vor Rückschlägen gewarnt.

    BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel hatte kürzlich festgestellt: „Wir befinden uns insgesamt in einem schwierigeren Fahrwasser, als wir das im Februar erwartet haben.“ Im Februar waren die Zahlen für 2018 vorgelegt worden.

    Der Betriebsrat kritisiert die Maßnahme

    Der BASF-Betriebsrat übt derweil Kritik an dem geplanten Stellenabbau. Arbeitnehmervertretung könne es nicht nachvollziehen, welche Arbeit wegfallen solle, sagte Betriebsratschef und stellvertretender BASF-Aufsichtsratschef Sinischa Horvat am Donnerstag zu Reuters.

    „Solange das nicht nachgewiesen wird, bestehen wir auf Wiederbesetzung frei werdender Stellen.“ Von der Höhe des geplanten Stellenabbaus sei der Betriebsrat überrascht. Das Gremium wolle nun mit dem Unternehmen in Verhandlungen für eine Fortführung der bestehenden Standortvereinbarung einsteigen. Diese läuft eigentlich bis Ende Dezember 2020. In Ludwigshafen sind dadurch bis dahin betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

    Bei den Gesprächen wollen die Arbeitnehmer ihren Schwerpunkt unter anderem auf den weiteren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen legen. Zudem sollten der Standort Ludwigshafen und die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung dort ausgebaut werden.

    Mitarbeiter, deren Tätigkeit durch Digitalisierung oder Automatisierung entfalle, müssten eine Beschäftigungsgarantie erhalten und zeitnah eine geeignete neue Aufgabe bekommen. Zudem sollten Stellen, die altersbedingt frei werden, zu 100 Prozent wiederbesetzt werden. Der Betriebsrat warnte zudem vor der Gefahr „unangemessener und dauerhafter Arbeitsverdichtung“.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Deutschlands Konzerne machen sich fit für die Krise. Den Ertragswarnungen folgen Effizienzprogramme. Die Kostensenker nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung.

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