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Chemiekonzern BASF-Chef Martin Brudermüller fordert neue Agenda 2010

Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns plädiert für ein umfangreiches Reformprogramm. An den Ertrags- und Dividendenzielen von BASF hält er fest.
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„Die Bundesregierung sollte an eine neue Agenda 2010 denken.“ Quelle:  Jann Höfer für Handelsblatt
Martin Brudermüller

„Die Bundesregierung sollte an eine neue Agenda 2010 denken.“

(Foto:  Jann Höfer für Handelsblatt)

Düsseldorf Mit einem Organisations-Umbau und neuem Fokus auf die vernetzte Chemieproduktion will Martin Brudermüller den Chemieriesen BASF aus der Krise führen. Ähnliche Beweglichkeit fordert der BASF-Chef allerdings auch von der Politik, um die konjunkturellen Herausforderungen zu meistern.

Die aktuelle Schwäche sei zwar nicht mit der Weltfinanzkrise vor zehn Jahren zu vergleichen, zur Zukunftssicherung müsse man aber Reformen in Bereichen wie Steuern, Regulierung und auch solche mit Blick auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes angehen. „Die Bundesregierung sollte an eine neue Agenda 2010 denken“, sagte Brudermüller dem Handelsblatt.

Zugleich plädiert er für eine stärkere Forschungsförderung und einen neuen, umfassenderen Ansatz in der Klimapolitik: „Wir haben die Chance, das Thema ganz groß zu denken und dadurch Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland und Europa sinnvoll zu verknüpfen“, so Brudermüller. Ziel müsse es sein, erneuerbare Energien möglichst zu verbilligen, um Anreize zur CO2-Vermeidung zu schaffen.

Mit Blick auf China spricht er sich dafür aus, einen langfristig orientierten Dialog fortzuführen. Brudermüller, der früher das China-Geschäft von BASF führte und zehn Jahre in Hongkong lebte, ist ungeachtet des aktuellen Handelsstreits weiter von Chinas langfristigem Aufwärtstrend überzeugt und zugleich zuversichtlich, dass der Konflikt in Hongkong friedlich gelöst werden kann.

Die BASF sieht er daher nicht nur mit dem Konzernumbau, sondern auch mit ihren Großprojekten in der Volksrepublik auf dem richtigen Kurs. Ungeachtet starker Gewinnrückgänge in diesem Jahr bekräftigt der BASF-Chef das Ziel der mittelfristigen Ertragssteigerung und das Versprechen, die Dividende stetig zu erhöhen.

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Doch selten war der Chemieriese so stark unter Druck wie in den vergangenen Monaten. Anfang November startete Brudermüller, nun seit einem guten Jahr im Amt, den größten organisatorischen Umbau des Konzerns seit Jahrzehnten.

Fast parallel dazu vollzog der Konzern zwei seiner bisher größten Transaktionen: den Kauf von Teilen des Bayer-Saatgut- und -Pflanzenschutzgeschäfts und die Ausgliederung der eigenen Öl- und Gasaktivitäten in das Joint Venture Wintershall-Dea.

Überschattet wird die Neuausrichtung von einem heftigen Margenverfall und konjunkturellen Schwächen in wichtigen Teilen des Chemiegeschäfts.

Sowohl für 2018 als auch 2019 hatte das BASF-Management ursprünglich eine leichte Steigerung der operativen Erträge in Aussicht gestellt. Stattdessen sank der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen im vergangenen Jahr um 17 Prozent und im ersten Halbjahr 2019 um weitere 35 Prozent. Mit einer ungewöhnlich drastischen Korrektur musste sich der Konzern daher Anfang Juli von der bisherigen Guidance verabschieden.

Hatte man zuvor noch leichtes operatives Gewinnwachstum in Aussicht gestellt, rechnet der Konzern nun mit Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent. Der bereinigte Betriebsgewinn könnte damit auf etwa 4,5 Milliarden Euro schrumpfen – ein Niveau, auf dem die BASF sich zuletzt 2004 bewegte.

Damals trugen allerdings noch üppige Erträge aus dem Öl- und Gasgeschäft zum Ebit des Konzerns bei. Diese werden seit der Ausgliederung in Wintershall-Dea nicht mehr in der operativen Gewinnrechnung erfasst, sondern nur noch „at equity“ mit der Veränderung ihres Eigenkapitalanteils im Nettogewinn.

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Die mit der Umgliederung fällige Neubewertung des Geschäfts bescherte der BASF im zweiten Quartal mehr als sechs Milliarden Euro Buchgewinn, wodurch sich der Reingewinn des Konzerns trotz des schwachen Ebits auf fast 7,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelte.

Mit seinen operativen Einbußen ist der Ludwigshafener Konzern zwar kein Einzelfall. Wettbewerber wie die saudische Sabic und die Leverkusener Covestro verbuchten noch stärkere Ertragsrückgänge im Halbjahr. Bei den US-Konkurrenten Dow und Lyondellbasell sanken die operativen Erträge um rund 30 Prozent.

Dessen ungeachtet ist die Entwicklung schmerzhaft für die BASF-Aktionäre. Seit Anfang 2018 hat die Aktie rund 40 Prozent an Wert verloren und damit ähnlich stark wie der von Glyphosat-Risiken belastete Bayer-Konzern. In den vergangenen Tagen notierte das BASF-Papier auf einem Sechs-Jahres-Tief.

Mehr: Das Betriebsergebnis von BASF hat sich im ersten Halbjahr halbiert. Trotzdem will der Chemiekonzern an seiner Dividendenpolitik festhalten.

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