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Chemiekonzern Das sind die Gründe für Bayers Ausflug an die Dax-Spitze

Der Konzern überrascht mit einem starken vierten Quartal, in dem Monsanto Gewinntreiber war. Die neue Klagewelle sieht Bayer gelassen.
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Eine gute Jahresbilanz schickte den Aktienkurs des Chemiekonzerns auf Höhenflug. Quelle: dpa
Bayer

Eine gute Jahresbilanz schickte den Aktienkurs des Chemiekonzerns auf Höhenflug.

(Foto: dpa)

LeverkusenDer Bayer-Vorstand erlebte am Mittwoch einen selten gewordenen Moment: Der Aktienkurs des Konzerns bewegte sich kräftig, ohne das dies etwas mit Glyphosat zu tun hat. Die Furcht vor hohen Rechtsrisiken durch die Prozesse um den Unkrautvernichter hatten dem Bayer-Kurs in den vergangenen Monaten schwer zugesetzt.

Am Dienstag aber ging er um fünf Prozent auf annähernd 70 Euro nach oben. Grund waren die Ergebnisse des vierten Quartals, in dem Bayer die Erwartungen der Analysten übertraf. Die Aktie schob sich an die Dax-Spitze Vorstandschef Werner Baumann war direkt zum Scherzen aufgelegt. „Noch fünf solcher Tage, dann sieht die Welt wieder besser aus“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz.

Das wäre ein Kurs von mehr als 85 Euro, nimmt man Baumann wörtlich. Doch davon ist Bayer noch weit entfernt. Die nächsten Glyphosat-Prozesse in den USA laufen gerade erst an – von ihnen wird eine Richtung erwartet, was auf Bayer an Belastungen zukommt. Und die operativen Ergebnisse und Aussichten des Konzerns liefern nur bedingt Grund zur Euphorie.

Die Investoren beklatschten am Mittwoch aber dreierlei: Erstens, dass Bayer in konjunkturell unsicheren Zeiten die Prognose bekräftigte. Die Leverkusener wollen 2019 auf einen vier Prozent höheren Umsatz von 46 Milliarden Euro kommen und den bereinigten Gewinn (Ebitda) um 28 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro steigern. Damit käme Bayer auf eine Marge von 27 Prozent.

Zum anderen lieferte der Konzern aus Sicht vieler Investoren einen versöhnlichen Abschluss eines schwierigen Jahres. Im Schlussquartal stieg der Umsatz um 29 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Das Ebitda legte um 16 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu – beides war mehr als erwartet.

Drittens mehren sich die Signale, dass Monsanto zu dem vom Vorstand versprochenen starken Gewinnlieferanten wird. Die Geschäfte des im Sommer 2018 zugekauften Konzerns hatten entscheidenden Anteil am starken Ergebnis des vierten Quartals. Das Ebitda der Sparte Crop Science legte um 79 Prozent zu. Auch die Divisionen Pharma und Consumer Health verdienten besser, fielen aber weit dahinter zurück.

Hohe Sonderbelastungen

Das Schlussquartal 2018 fällt bei Bayer aus einem weiteren Grund aus dem Rahmen: Das Management nutzte das Jahresende, um milliardenschwere Sonderbelastungen bilanziell zu verdauen. Sie beliefen sich auf satte 5,3 Milliarden Euro.

Ein Großteil davon entfällt auf Firmenwertabschreibungen im Geschäft mit rezeptfreien Mitteln. Bayer hatte 2014 im großen Stil zugekauft. Doch mehrere der von Merck & Co. übernommenen Marken erwiesen sich als nachhaltiger Flop, deren Wert nun bilanziell korrigiert wird.

Hohe Sonderbelastungen bringt auch der Monsanto-Kauf mit sich, etwa für die Restrukturierung der Agrar-Division. Bayer hat zudem Rückstellungen für die Kosten gebildet, die absehbar in den nächsten drei Jahren für die Verteidigung in den amerikanischen Glyphosat-Prozessen entstehen. Die genaue Summe ist unklar. Insgesamt verbuchte der Konzern im vierten Quartal für Rechtsfälle in der Sparte Crop Science eine Belastung in Höhe von 243 Millionen Euro.

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Der Batzen an Sondereffekten führte dazu, dass Bayer im Schussquartal unterm Strich rote Zahlen schrieb. Im Gesamtjahr 2018 ergab sich dadurch ein um 77 Prozent gesunkener Nettogewinn von 1,7 Milliarden Euro. Auf bereinigter Basis (Ebitda) steigerte Bayer hingegen den Gewinn um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro.

Der Höhenflug der Aktie konnte am Mittwoch auch dadurch nicht gestoppt werden, dass die Zahl der Klagen wegen der angeblichen Krebsgefahr von Glyphosat weiter steigt. Ende Januar waren 11.200 Klagen anhängig, 1900 mehr als im Oktober. Baumann betonte, dass eine solche Zahl nichts über das Rechtsrisiko aussage. Gegen Bayers Blutgerinnungsmittel Xarelto etwa liegen rund 25.000 Klagen vor. Die drei bisherigen Auswahlprozesse hat der Konzern gewonnen.

Für den am Montag in San Francisco gestarteten zweiten Prozess um das Glyphosat-haltige Mittel Roundup sieht sich Bayer gut gerüstet. Der Kläger Edwin Hardeman hat Roundup viele Jahre auf seinem Landgut eingesetzt und macht dafür seine 2015 erkannte Krebserkrankung verantwortlich. Ein erstes Jury-Urteil könnte es schon in zwei Wochen geben.

„Immer in Bewegung“

Baumann unterstrich, dass er sich auf seinem Weg nicht irritieren lässt. „Aktive Gestaltung war schon immer eine Stärke von Bayer, der Konzern ist seit 150 Jahren in Bewegung“, sagte er. „Wir haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt.“

Damit verteidigt er nicht nur die in der Öffentlichkeit und im Konzern viel diskutierte Monsanto-Übernahme. Im Dezember hat Baumann ein massives Umbauprogramm angekündigt, dem 12.000 Stellen zum Opfer fallen. Klarheit, wo die Arbeitsplätze entfallen, soll es frühestens Ende März geben.

Dazu kommen einige Teilverkäufe: Bei der Trennung vom Mehrheitsanteil am Chemieparkbetreiber Currenta sieht sich Bayer auf der Zielgeraden. Der Verkauf der Tiergesundheitssparte wird sich noch einige Monate hinziehen, Bayer rechnet wohl erst im kommenden Jahr mit einem Abschluss.

Neben der Monsanto-Integration hat Baumann sich für 2019 zum Ziel gesetzt, die Forschungsbasis der Pharmasparte zu stärken. Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten sank der Gewinn 2018 um zwei Prozent, was durch Sondereffekte bedingt war. Bayer braucht perspektivisch neue aussichtsreiche Medikamente, die derzeitigen Wachstumstreibern wie Xarelto nachfolgen können. Baumann gibt sich optimistisch: „Wir haben eine klare Agenda, um das zu liefern, was wir versprochen haben.“

Mehr: Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum zweiten Glyphosat-Prozess.

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