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Bayer

Das Bayer-Kreuz leuchtet auf dem Werksgelände (Chempark) des Chemie- und Pharmakonzerns in Leverkusen.

(Foto: dpa)

Chemiekonzern Das sind die vier Problemzonen von Bayer

Bayer verdient im dritten Quartal besser als erwartet – auch dank Monsanto. Doch diese Baustellen muss Bayer-Chef Baumann noch angehen.
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DüsseldorfDer Zeitraum von Juli bis Ende September ist der Beginn der neuen Zeitrechnung bei Bayer: Erstmals ist der Mega-Zukauf Monsanto in den Zahlen zum dritten Quartal komplett enthalten. Ein erstes Fazit ist also möglich, das Bild ist durchwachsen: Operativ hat Monsanto der Bayer AG bereits gutgetan. Die Klagewelle gegen das Monsanto-Produkt Glyphosat nimmt allerdings weiter zu – und belastet Bayer.

Die guten Monsanto-Ergebnisse haben im dritten Quartal den gesamten Gesamtkonzern gestützt. Das war neben dem guten Verlauf in der Pharmasparte der Grund, warum Bayer die Erwartungen der Analysten mit einem bereinigten Betriebsgewinn von 2,2 Milliarden Euro übertraf. Die Aktie legte am Vormittag um 1,5 Prozent zu – auch, weil Bayer die Prognose fürs Gesamtjahr bestätigte.

Doch die Baustellen des Konzerns sind noch längst nicht geschlossen, wie die Analyse des Quartalsergebnisses zeigt. Bayer muss derzeit an vier Problemzonen arbeiten:

1. Problem: Klagewelle gegen Glyphosat

Operativ läuft es für Bayer bei der Mega-Übernahme weitgehend nach Plan. Monsanto hat im dritten Quartal rund 58 Prozent zum Umsatz der Sparte Crop Science in Höhe von 3,7 Milliarden Euro beigetragen, beim Gewinn der Division stellten die Amerikaner sogar 66 Prozent. Doch die Klagen wegen des Monsanto-Unkrautvernichters nehmen zu. Ende Oktober waren 9300 Klagen anhängig.

Bayer und Monsanto bereiten derzeit das Revisionsverfahren nach dem ersten Prozess in Sachen Glyphosat vor. Zuletzt hatte Bayer eine Schlappe im Glyphosat-Prozess erlitten.

Ein US-Gericht hatte überraschend das Urteil gegen den Herbizid-Hersteller bestätigt, wonach Monsanto-Mittel wie Roundup verantwortlich für den Krebs des Klägers seien. Die Strafsumme wurde aber deutlich reduziert. „Wir sind unverändert davon überzeugt, gute Argumente zu haben, und wir beabsichtigen, uns in all diesen Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann.

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Dass die Zahl der Klagen steigt, war erwartet worden und sagt auch nicht viel über deren Qualität und Aussichten aus. Klar ist aber: Die Rechtsfälle werden noch lange wie ein Damoklesschwert über Bayer schweben. Allein das Revisionsverfahren in Kalifornien kann ein bis zwei Jahre dauern. Dazu kommen weitere Verfahren, die voraussichtlich im Februar 2019 starten.

Bayer-Chef Baumann rechnet damit, dass sich die gesamten Rechtstreitigkeiten rund um Glyphosat weit über das Jahr 2021 hinausziehen werden.

2. Problem: Patente in der Pharmasparte laufen aus

Das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten ist seit Jahren Bayers zentraler Wachstumstreiber. Es hat im dritten Quartal positiv überrascht: Das um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda stieg um 4,1 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro und damit über den Erwartungen. Das allerdings lag auch einem einmaligen Ertrag über 190 Millionen Euro aus einer Entwicklungskooperation. Das trübte den Erfolg des Pharmageschäfts etwas ein.

Der grundsätzliche Trend in der Pharmasparte bleibt ohnehin bestehen: Die bisherigen Bestseller wie der Gerinnungshemmer Xarelto laufen weiter sehr stark. Bei anderen Hoffnungsträgern wie dem Krebsmittel Xofigo zeigen sich hingegen Bremsspuren, ebenso bei älteren Produkten.

Die derzeitigen Umsatzbringer werden ihren Patentschutz in einigen Jahren verlieren. Bis dahin muss Bayer seine Entwicklungspipeline stärken – durch eigene Forschung oder auch durch kleinere Übernahme. Bayer-Chef Baumann sprach am Dienstag von Fortschritten bei wichtigen Entwicklungsprojekten.

3. Problem: Preiskampf bei rezeptfreien Medikamenten

Das Geschäft mit verschreibungsfreien Mittel ist seit geraumer Zeit die größte Problemzone von Bayer. Wichtige zugekaufte Mittel in den USA haben deutlich an Umsatz verloren, was auch an dem durch E-Commerce angetriebenen harten Wettbewerb liegt.

Im dritten Quartal erholte sich die Sparte Consumer Health etwas, der Umsatz wuchs um drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn verringerte sich jedoch weiter auf 248 Millionen Euro und verfehlte die Analystenerwartungen deutlich.

Unter dem zunehmenden Preiswettbewerb leidet nicht nur Bayer. Doch der Konzern hat einige hausgemachte Probleme. Der neue Vorstand Heiko Schipper lässt das Produktportfolio durchforsten und prüft, in welche ausgewählten Märkte stärker investiert werden muss – unter anderem ins Marketing.

4. Problem: Tiermedizin nicht so lukrativ wie zuletzt

Das Geschäft mit Tiermedizin ist im Vergleich zu den drei Divisionen klein, hat aber Bayer stets gute Ergebnisbeiträge liefert. Das hat sich im dritten Quartal schlagartig geändert: Der Umsatz der Sparte sank um 13,5 Prozent auf 304 Millionen Euro, der Gewinn brach um 42 Prozent auf 44 Millionen Euro ein.

In diesem Segment hat es Bayer aber offenbar nicht mit strukturellen Problemen zu tun. Der Einbruch ist vor allem auf erhebliche Nachfrageverschiebungen in das erste Halbjahr zurückzuführen. Die Lage bei Animal Health dürfte sich also wieder entspannen.

In Branchenkreisen heißt schon länger es, dass Bayer die Trennung von der Sparte Tiermedizin prüfe. Baumann wollte die am Mittwoch nicht näher kommentieren, er unterstrich aber, dass der Konzern seine gewählte Aufstellung und Struktur beibehalten wolle.

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