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Chemiekonzern Die unberechenbare Pandemie: BASF dämpft Hoffnung auf schnelle Erholung

Der weltgrößte Chemiekonzern wagt nur eine verhaltene Prognose. Das lässt Zweifel an einer schnellen wirtschaftlichen Erholung aufkommen.
29.07.2020 Update: 29.07.2020 - 17:53 Uhr Kommentieren
Noch immer traut sich der Chemiekonzern keine Prognose für 2020 zu. Quelle: obs
BASF-Stammwerk Ludwigshafen

Noch immer traut sich der Chemiekonzern keine Prognose für 2020 zu.

(Foto: obs)

Frankfurt Noch vor wenigen Tagen dominierte Zuversicht für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. „Die Zeichen stehen eindeutig auf Erholung“, hieß es in der jüngsten Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Den Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung versetzte nun ausgerechnet der Chemieriese BASF einen Dämpfer.

Die Pandemie sei nach wie vor eine große Herausforderung, warnte BASF-Chef Martin Brudermüller bei Vorlage des Halbjahresberichts. „Es besteht ein erhebliches Risiko, dass sowohl die wirtschaftliche Erholung als auch die mittel- und langfristige gesamtwirtschaftliche Entwicklung langsamer verlaufen als vor der Corona-Pandemie.“

Die Aussagen des BASF-Chefs haben Gewicht. Denn die Chemieindustrie mit Branchenführer BASF gilt als maßgeblicher Indikator für die Konjunkturentwicklung. Die Chemiefirmen beliefern im Prinzip die gesamte Wirtschaft und spüren es früh, wenn ihre Abnehmer auf die Bremse treten.

Vor allem die Autoindustrie als wichtigster Abnehmer sorgt weiter für Unsicherheit. Die ursprüngliche Absatzerwartung von 100 Millionen Fahrzeugen weltweit wird nach Branchenschätzungen in diesem Jahr wohl um 30 Prozent verfehlt. Die Autoindustrie werde wohl erst 2025 an die Zahlen von 2017 anknüpfen können, warnte vor wenigen Tagen Continental-Chef Elmar Degenhart. In der Folge muss auch der weltgrößte Chemiekonzern seine Mittelfristplanung überdenken.

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    Anlass für den verhaltenen Ausblick von BASF gibt nicht zuletzt auch die aktuelle Schwäche im Chemiegeschäft. Sie setzt sich – anders als von vielen erwartet – Stand jetzt auch über die Sommermonate hinweg fort. Eine Erholung von dem Geschäftseinbruch infolge der Corona-Pandemie ist vorerst offenbar nicht in Sicht.

    Der schwache Autoabsatz trifft den Chemiekonzern hart. Quelle:  Jann Höfer für Handelsblatt
    BASF-Chef Martin Brudermüller

    Der schwache Autoabsatz trifft den Chemiekonzern hart.

    (Foto:  Jann Höfer für Handelsblatt)

    Für das dritte Quartal dieses Jahres erwarte man noch keine wesentliche Verbesserung des Betriebsgewinns (Ebit) vor Sondereinflüssen gegenüber dem zweiten Quartal, teilte der Dax-Konzern bei der Vorlage des Halbjahresberichts am Mittwoch mit.

    Gegenüber dem bereinigten Betriebsgewinn von gut 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr dürfte BASF damit im dritten Quartal auf einen Ertragsrückgang von etwa 80 Prozent zusteuern und ähnlich schwach abschneiden wie im zweiten Quartal. In diesem Zeitraum war das Ebit vor Sondereinflüssen – wie schon vorab bekanntgegeben – um 77 Prozent auf 226 Millionen Euro gesunken.

    Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit und Intransparenz der wirtschaftlichen Entwicklung verzichtet das BASF-Management zudem weiterhin auf konkrete Aussagen zur Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Gesamtjahr 2020. Die Kunden bestellten noch immer sehr kurzfristig, so Konzernchef Brudermüller. Daher sei die Sichtweite mit Blick auf den weiteren Geschäftsverlauf sehr gering. „Die Auswirkung auf unser Geschäft lässt sich kaum verlässlich abschätzen“, sagte Brudermüller.

    Der BASF-Chef schloss zugleich nicht aus, dass die schwache Entwicklung weitere Wertberichtigungen auf Vermögensgegenstände erfordern könnte. Ohne eine schnelle wirtschaftliche Erholung auf das Vorkrisenniveau bestehe ein gewisses Risiko, dass der Wert einiger Sachanlagen und immaterieller Vermögenswerte angepasst werden müsse. Bisher habe man jedoch noch keine ausreichende Transparenz. Man analysiere unterschiedliche Szenarien sorgfältig.

    Neue Rahmenbedingungen könnten bisherige Langfristziele infrage stellen

    Im zweiten Quartal hatte BASF bereits 819 Millionen Euro auf ihre Beteiligung am Öl- und Gasförderer Wintershall Dea abgeschrieben. Insgesamt weist der Konzern in seiner Bilanz rund 22 Milliarden Euro an Sachanlagen und knapp 15 Milliarden Euro an immateriellen Vermögenswerten aus. Beteiligungen an Unternehmen, darunter ist Wintershall Dea der mit Abstand größte Posten, stehen noch mit knapp zwölf Milliarden Euro in der Bilanz.

    Die neuen Rahmenbedingungen könnten, wie Brudermüller andeutete, auch die bisherigen Langfristziele der BASF infrage stellen. Zusammen mit der 2018 neu formulierten Strategie hatte sich der Konzern vorgenommen, stärker zu wachsen als die Weltchemie und den bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) um jährlich drei bis fünf Prozent zu steigern.

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    Aktuell sei man weit entfernt von diesen Zielen, räumte der BASF-Chef ein. Ein Extremszenario wie die Corona-Pandemie habe man damals allerdings auch nicht auf dem Plan gehabt. Aus heutiger Sicht halte man an den bisherigen Mittelfristzielen fest. Unter den neuen Bedingungen sei es aber auch „absolut möglich, dass die Märkte sich für eine ganz gehörige Zeit langsamer entwickeln, als wir das vorgesehen haben“.

    An der Börse kamen die Aussagen von CEO Brudermüller nicht gut an. Die BASF-Aktie verlor am Mittwoch in einem nahezu stabilen Markt mehr als vier Prozent an Wert.

    Analysten zeigten sich überrascht von dem eher pessimistischen Tonfall beim Chemie- Branchenführer. „Die Stimmung ist verhalten in der Industrie, aber deutlich besser als die Aussagen von BASF“, kommentierte Branchenexperte und Baader-Bank-Analyst Markus Mayer die Äußerungen des BASF-Chefs.

    Andere Branchenvertreter hatten sich zuletzt etwas zuversichtlicher geäußert. Markus Steilemann, der Chef des Leverkusener Kunststoffherstellers Covestro, verwies vor wenigen Tagen auf einen wieder leicht positiven Absatztrend, auch in der Autoindustrie.

    Die weiter schwachen Ertragserwartungen für das dritte Quartal führt die BASF unterdessen auch auf eine generelle Nachfrageschwäche im August und die saisonbedingt niedrigeren Absätze im Agrochemiegeschäft zurück.
    Darüber hinaus dürften aber auch die anhaltend schwachen Margen im Kunststoff- und Basischemiegeschäft eine Rolle spielen. Sie standen auch schon vor der Coronakrise unter Druck, nachdem Produzenten im mittleren Osten und Asien neue Anlagen in Betrieb nahmen und so für Überkapazitäten sorgten. Durch den Nachfrageeinbruch infolge der Corona-Pandemie hat sich die Situation weiter verschärft.

    Geschäft mit Basischemikalien und Kunststoffen rutscht in die roten Zahlen

    Im zweiten Quartal 2020 sank der Umsatz des Chemiekonzerns um zwölf Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Ursache war vor allem ein Rückgang der Absatzmengen um elf Prozent, hinzu kamen Preis- und Währungseffekte von zusammengerechnet etwa zwei Prozent. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen sank um drei Viertel auf 226 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) lag mit 1,07 Milliarden Euro um 31 Prozent unter dem Vorjahreswert.

    Vor allem das Geschäft der BASF mit Basischemikalien und Kunststoffen wurde stark von der Konjunkturschwäche getroffen. Beide Segmente schrieben erstmals seit Langem rote Zahlen im zweiten Quartal. Auch der Bereich Surface Technologies (Lacke, Farben und mehr) verbuchte erhebliche Einbußen. Hier ist die BASF ähnlich wie etwa der Leverkusener Konkurrent Covestro besonders stark von der schwachen Nachfrage aus der Automobilindustrie betroffen. Günstiger und stabiler entwickelten sich die Erträge im Geschäft mit Vorprodukten für die Ernährungsindustrie und Pflegeprodukte sowie in der Agrochemiesparte.

    Unter dem Strich schrieb der BASF-Konzern, wie schon vor wenigen Wochen angekündigt, einen Verlust von 878 Millionen Euro. Hier schlug sich die Wertberichtigung auf die Mehrheitsbeteiligung an dem Öl- und Gasproduzenten Wintershall Dea stark nieder. Im Vorjahr dagegen hatte der Chemieriese noch einen Buchgewinn von 5,7 Milliarden Euro aus der Entkonsolidierung von Wintershall verbucht. Die Perspektiven der Energietochter haben sich durch den Verfall der Öl- und Gaspreise deutlich eingetrübt.

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    Ähnlich wie BASF wurden auch etliche andere Chemiekonzerne von dem Nachfrage- und Margeneinbruch heftig getroffen. Sowohl der US-Chemieriese Dow als auch Covestro schrieben im zweiten Quartal ebenfalls rote Zahlen. Ihre Aussagen zur weiteren Geschäftsentwicklung fielen allerdings nicht ganz so pessimistisch aus. Etwas günstiger dürfte es bei stärker spezialisierten Chemieherstellern wie Evonik oder Lanxess aussehen, die ihre Quartalszahlen erst in den nächsten Tagen vorlegen.

    Für das gesamte erste Halbjahr 2020 weist die BASF nur einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf 29,4 Milliarden Euro aus, während das Ebit vor Sondereinflüssen um ein Drittel auf 1,86 Milliarden schrumpfte. Analysten schätzen derzeit noch, dass der Konzern im Gesamtjahr einen Betriebsgewinn von gut 3,1 Milliarden Euro erzielen kann. Angesichts der weiter schwachen Ertragsentwicklung im dritten Quartal müsste dazu das Geschäft der BASF im Schlussquartal dieses Jahres aber wieder deutlich anziehen.

    Für die geplante Dividende muss sich der Cashflow deutlich verbessern

    Weiterhin großen Aufholbedarf hat der Chemieriese auch beim Free Cashflow. Der hat sich im zweiten Quartal zwar um mehr als die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro verbessert, liegt im gesamten ersten Halbjahr mit minus 83 Millionen Euro aber immer noch deutlich unter dem Vorjahreswert und auf einem für die BASF ungewöhnlich niedrigen Niveau.

    Um genügend Cash für eine Dividendensumme in der bisherigen Höhe von rund drei Milliarden Euro zu generieren, ist im zweiten Halbjahr eine deutliche Verbesserung nötig. Für 2019 schüttet der Konzern eine erhöhte Dividende von 3,30 Euro je Aktie aus. Brudermüller deutete an, dass vor dem Hintergrund der schwierigen Geschäftsentwicklung auch die sehr offensive Ausschüttungspolitik des Konzerns auf den Prüfstand kommen könnte. Bisher lautete die Devise des Konzerns, dass man die Dividende möglichst kontinuierlich steigern will.

    Es sei klar, dass alle Arten von Dividendenzusagen für das kommende Jahr auf der Performance im Jahr 2020 basieren, sagte Brudermüller jetzt. Man müsse dabei natürlich auch beachten, wie sich die mittelfristige Ertragskraft und das mittelfristige Marktumfeld entwickelten. „Dass wir Ziele haben, zu denen wir gern stehen wollen, ist klar. Wir müssen aber auch Realitäten bewerten, wenn das Umfeld und damit die Möglichkeiten für eine BASF andere sind, als wir das bei der Positionierung der Strategie gesehen haben. Dann müssen wir das gegebenenfalls korrigieren. Aber dafür ist es noch viel zu früh.“

    Mehr: Covestro ist von alter Stärke weit entfernt – der Bilanzcheck

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