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Chemiekonzern Gericht: Zwei Milliarden Dollar Glyphosat-Strafe sind zu viel – Bayer-Aktie steigt

Eine Jury hatte einem krebskranken Ehepaar zwei Milliarden Dollar zugesprochen. Das ist deutlich zu hoch, sagt nun ein Gericht. Die Bayer-Aktie steigt kräftig.
Update: 19.07.2019 - 11:53 Uhr Kommentieren
Die Tochter Monsanto steht seit Längerem wegen ihres Unkrautvernichters Roundup in der Kritik. Quelle: dpa
Bayer-Werk in Leverkusen

Die Tochter Monsanto steht seit Längerem wegen ihres Unkrautvernichters Roundup in der Kritik.

(Foto: dpa)

Oakland, Frankfurt Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kann in einem weiteren Prozess um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter mit einer Senkung der Strafe rechnen. Ein Gericht in Oakland teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, dass die insgesamt rund 2 Milliarden US-Dollar (1,8 Milliarden Euro), die eine Geschworenen-Jury dem Rentnerpaar Alva und Alberta Pilliod zugesprochen hatte, über den verfassungsrechtlich angemessenen Rahmen hinausgehe. Sollten die Kläger keinen deutlich niedrigeren Schadenersatz akzeptieren, werde das Gericht ein neues Verfahren anordnen. An diesem Freitag soll dazu eine Anhörung stattfinden.

Der Anteil des Strafschadenersatzes soll nach Einschätzung des Gerichts auf maximal das Vierfache des eigentlichen Schadenersatzes von 50 Millionen Dollar reduziert werden. Die gesamte Maximalsumme, die sich aus Schadenersatz und Strafschadenersatz berechnet, liegt damit bei 250 Millionen Dollar. Strafschadenersatz existiert im deutschen Recht so nicht. Im US-Recht wird er als Zusatzsanktion bei besonders schweren Entschädigungsfällen verhängt.

An der Börse sorgten die jüngsten Nachrichten für gute Stimmung bei den Anlegern: Die Bayer-Aktie, die seit der Monsanto-Übernahme 40 Prozent verloren hat, legte zum Wochenausklang um bis zu 2,2 Prozent zu – und damit stärker als der Gesamtmarkt.

Die Reduzierung des Schadenersatzes wäre ein Schritt in die richtige Richtung, schrieb ein Bayer-Sprecher in einer E-Mail. Bayer werde jedoch die endgültige Entscheidung des Gerichts abwarten und dann eine detailliertere Stellungnahme abgeben. Bayer hat die Vorwürfe gegen Glyphosat stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten.

Das Ehepaar Pilliod macht die jahrzehntelange Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup der Bayer-Tochter Monsanto für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Die Jury hatte dem Ehepaar recht gegeben. Das Unternehmen habe es versäumt, vor dem Krebsrisiko des Herbizids zu warnen – und fahrlässig gehandelt. Die Geschworenen hatten Bayer daher zu einem Schadenersatz von 55 Millionen Dollar und einem Strafschadenersatz von zwei Milliarden Dollar verurteilt.

Erst zu Wochenbeginn hatte ein Richter in einem anderen Glyphosat-Prozess die von Geschworenen geforderte Strafe deutlich reduziert – von rund 80 auf etwa 25 Millionen Dollar. Auch er hielt den Anteil des sogenannten Strafschadenersatzes für zu hoch. Bayer kündigte in diesem Verfahren bereits an, in Berufung zu gehen.

Bayer sieht sich nach der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Konzerns Monsanto mit mehr als 13.400 Glyphosat-Klägern konfrontiert. Drei Fälle landeten bisher vor Gericht, alle hat Bayer verloren. Das hat für viel Unmut bei den Investoren gesorgt. An der Börse ist der einst wertvollste Dax-Konzern nur noch 55 Milliarden Euro wert - weniger als Bayer für Monsanto bezahlt hat. Auf der Hauptversammlung Ende April kassierte der Vorstand eine schwere Schlappe. Werner Baumann war als erster amtierender Vorstandschef eines Dax-Konzerns von den Aktionären nicht entlastet worden.

Seit kurzem soll nun ein eigener Ausschuss im Aufsichtsrat einen Weg finden, um die Klagewelle in den USA in den Griff zu bekommen. Auch einen externen Top-Anwalt heuerten die Leverkusener an. Anleger hoffen auf einen milliardenschweren Vergleich, um das Thema aus dem Weg zu räumen.

Mehr: Der Aufsichtsrat des Konzerns erkennt seine Verantwortung im Rechtsstreit um Glyphosat. Klar ist auch: Bayer sitzt der Hedgefonds Elliott im Nacken.

  • dpa
  • rtr
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