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Chemiekonzern im Umbruch Akkus für die E-Mobilität: LG Chem gliedert die Batteriesparte aus

Der koreanische Chemieriese hat Chinas CATL als größten Akkulieferanten abgelöst. Dank der Nachfrage nach Elektroautos wächst die Sparte rasant. Ein Börsengang ist möglich.
17.09.2020 - 14:42 Uhr Kommentieren
Weltweites Netzwerk zur Akkuherstellung. Quelle: Bloomberg
Fabrik von LG Chem in Yeosu, Südkorea

Weltweites Netzwerk zur Akkuherstellung.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Weltweit wächst die Nachfrage nach Elektroautos. Darum müssen auch die Akkuhersteller schneller wachsen als bisher. Südkoreas führender Chemiekonzern LG Chem, der auch VW und Daimler beliefert, will darum das Batteriegeschäft ausgliedern. Das teilte der Konzern am Donnerstag mit. Mit dem Schritt will das Unternehmen seine Führungsrolle im Akkusegment nicht nur verteidigen, sondern ausbauen.

Denn um die massiven Investitionen in neue Werke zu stemmen, braucht man dringend frisches Kapital. Darum denkt LG Chem sogar über einen Börsengang der Batteriesparte nach. Der Zeitpunkt sei richtig, „da das Elektrofahrzeug-Batteriegeschäft beginnt, inmitten des schnellen Wachstums der Batterieindustrie einen beträchtlichen Gewinn zu erwirtschaften“, warb der Konzern für den Schritt.

Zuletzt hatte LG Chem im Rennen um die Weltmarktführerschaft Tempo gemacht. Dem koreanischen Marktforscher SNE Research zufolge hat das Unternehmen in den ersten sieben Monaten mit einem Marktanteil von 25 Prozent die Rivalen CATL aus China und Panasonic aus Japan überholt.

Das liegt vor allem am internationalen Netzwerk der Koreaner: LG Chem baut in den USA eine Fabrik mit GM, bereits zuvor hatten sie Batterien für das Elektromodell Bolt geliefert. In China kooperiert LG Chem in einem Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Geely. Und in Europa werden die Batteriezellen in Polen gefertigt, ein Werk in der Türkei wird auf die Produktion von Batterien umgerüstet.

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    Darum trifft es den koreanischen Hersteller auch weniger als die Konkurrenz, dass der chinesische Elektroautoabsatz gesunken ist. In China waren zuletzt staatliche Kaufprämien ausgelaufen, was den Absatz von reinen batterieelektrischen Autos um 25 Prozent drückte. In Europa beginnen dagegen die Elektrooffensiven der heimischen Hersteller. Auch in der Tesla-Gigafactory in Schanghai gehört LG Chem zu den Lieferanten.

    Nicht nur der Umsatz, auch der Gewinn der Koreaner konnte deutlich zulegen. Allein im zweiten Quartal stieg der Umsatz auf 2,82 Billionen Won (zwei Milliarden Euro) und der Betriebsgewinn auf 155,5 Milliarden Won (110 Millionen Euro). Beides sind neue Rekorde. Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen: die Auftragsbücher prall gefüllt. LG Chem sagt voraus, dass die Batteriesparte ihren Umsatz von voraussichtlich 13 Billionen Won in diesem Jahr auf 30 Billionen Won im Jahr 2024 erhöhen wird.

    Akkuriesen auf der Suche nach Partnern

    Schon bis Ende des Jahres wird der Chemiekonzern daher seine Produktionskapazitäten auf 100 Gigawattstunden oder 1,7 Millionen Autos erhöhen. Doch dieser Boom und der wachsende Wettbewerb zwingen die Akkulieferanten zu massiven Investitionen. Allein die koreanischen Batteriehersteller LG Chem, Samsung SDI und SK Innovation haben in der ersten Jahreshälfte zusammengerechnet fast 750 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

    Kleine, technologisch führende Batterieentwickler wie das japanische Ingenieursunternehmen 3Dom versuchen erst gar nicht mehr, ihre Produkte selbst zu bauen. Das schnell wachsende Unternehmen will lieber seine Technik lizensieren, sagte der Vizepräsident Toshiya Kuwamura dem Handelsblatt.

    Auch die Akkuriesen setzen auf Allianzen – vorzugsweise mit Autoherstellern. Denn die sind derzeit unter Zugzwang, sich genügend Batterien für ihre Elektroautopläne zu sichern. Ohne verlässliche Lieferverträge drohen sonst lange Lieferzeiten. Tesla profitiert heute schon davon, gemeinsam mit dem japanischen Batteriekonzern Panasonic die sogenannte Gigafactory im US-Staat Nevada aufgebaut zu haben.

    Die Partnerschaft kriselte zwar lange. Doch im Juni verlängerten Tesla und Panasonic ihren Liefervertrag. Im August folgte dann die Ankündigung, dass Panasonic 100 Millionen Dollar in das Werk investieren wird, um die Produktionskapazität um zehn Prozent auf 39 Gigawattstunden pro Jahr zu erweitern.

    Im April brachte Panasonic dann einen Großteil seines restlichen Batteriegeschäfts in ein Joint Venture mit Toyota ein. Der Autobauer besitzt sogar mit 51 Prozent die Mehrheit an dem neuen Unternehmen „Prime Planet Energy & Solutions“, das weltweit immerhin 5100 Mitarbeiter hat. Fast die Hälfte arbeitet in China.

    Allianz für die Feststoffbatterie

    Gemeinsam werden die Partner nicht nur Lithium-Ionen-Akkus produzieren. Sie wollen auch Toyotas Feststoffbatterien, die eine höhere Energiedichte als Lithium-Ionen-Akkus haben, zur Marktreife entwickeln.

    LG Chems stärkster Lokalrivale Samsung SDI setzt ebenfalls auf Allianzen. Im vergangenen Jahr besiegelte das Unternehmen eine Entwicklungspartnerschaft mit dem Nutzfahrzeughersteller Volvo Trucks. Dieses Jahr reagierte Firmenchef Lee Jae Yong positiv auf eine Initiative von Chung Eui Ssun, dem faktischen Chef des führenden Autobauers Hyundai Motors, der mit allen drei koreanischen Batterieherstellern enge Partnerschaften sucht. Und dies sind nur ein paar ostasiatische Beispiele im globalen Allianzkarussell.

    Mit der Ausgründung seiner Sparte könnte sich LG Chem nun weitere Möglichkeiten schaffen, Allianzen zu schließen. Doch von den Investoren wurde der Schritt am Donnerstag nicht honoriert, sondern als Zeichen der Schwäche gewertet.

    Der Aktienkurs des Chemieunternehmens sackte um 6,1 Prozent auf 645.000 Won (466 Euro) ab. Damit wird LG Chem nun bereits 16 Prozent unter seinem Rekordkoch von Anfang September gehandelt. Trotzdem ist der Börsenwert des Chemiekonzerns immer noch mehr als doppelt so hoch wie zu Beginn des Jahres.

    Mehr: Auch Volkswagen setzt auf Akku-Allianzen und investiert rund zwei Milliarden Euro in Elektromobilität in China

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