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Chemiekonzern Kunststoff-Superboom ist vorbei – aber der Covestro-Chef gerät nicht in Panik

Der Kunststoffkonzern spürt, dass sich das Umfeld für sein Geschäft eintrübt. Firmenchef Markus Steilemann bleibt dennoch bei seinen Prognosen.
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Kunststoff-Boom ist vorbei: Covestro-Chef gerät nicht in Panik Quelle: dpa
Markus Steilemann

Der Covestro-Chef will rund 900 Arbeitsplätze im Konzern abbauen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Superboom im Kunststoffgeschäft ist zu Ende, aber es gibt keinen Grund zur Panik. Das ist die Botschaft, die Covestro-Chef Markus Steilemann bei der Präsentation der Quartalszahlen des Leverkusener Dax-Konzerns vermittelte.

„Wir sehen die zunehmenden Sorgen und die Verunsicherung, und auch die kurzfristigen sich abschwächenden Verkaufszahlen. Wir sind aber mittel- und langfristig exzellent positioniert, was die wesentlichen Wachstumstreiber angeht“, betonte Steilemann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Man merke zwar, dass die Kunden nervös seien. Aber wenn man genauer nachfrage, dann gehe es bisher überwiegend um Befürchtungen und negative Erwartungen, die sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in den Geschäftszahlen nicht niedergeschlagen hätten. Zu den wenigen Ausnahmen mit konkreten Absatzeinbußen zählt Steilemann die Autoindustrie, die Rückschläge in Europa und China verbuchte. Aber auch hier sei man in den stark wachsenden Anwendungsfeldern für Kunststoffe gut positioniert.

Das nun von Covestro angekündigte Effizienzprogramm, das bis 2021 rund 350 Millionen Euro Kostenentlastung bringen soll, will der Covestro-Chef daher auch nicht als explizite Reaktion auf eine mögliche Schwächephase verstanden wissen. Der Margendruck sei nicht der wesentliche Treiber. „Das ist kein kurzfristig betriebener Befreiungsschlag, sondern ein langfristiger Teil der Strategie“, sagt Steilemann.

Im Wesentlichen gehe es darum, die Organisation stärker auf die Bedürfnisse eines Chemiekonzerns auszurichten. Aus der Vergangenheit als Teil des Bayer-Konzerns heraus sei sie bisher noch zu stark auf die Bedürfnisse eines Lifescience-Konzerns und die besonderen regulatorischen Anforderungen in diesem Sektor zugeschnitten.

„Wir geben uns nun die Struktur, die wir für die Implementierung unserer langfristigen Strategie brauchen. Wir sind hochinnovativ, wir wollen investieren und akquirieren. Das wird flankiert durch Effektivität, Effizienz, Digitalisierung und eine neue Unternehmenskultur.“

Insgesamt plant Covestro im Zuge des Programms den Abbau von 900 Arbeitsplätzen, vor allem in Zentralbereichen. Das entspricht etwa fünf Prozent der Gesamtbelegschaft von rund 16.000 Mitarbeitern. In Deutschland sollen 400 Stellen entfallen, wobei der Konzern in einer Betriebsvereinbarung bereits den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesichert hat.

Covestro übertrifft die Markterwartungen leicht

Die geplanten Einsparungen bringen dem Konzern theoretisch gut zwei Prozent Margenverbesserung. Steilemann verweist allerdings darauf, dass man parallel dazu auch starke Wachstumsambitionen verfolge, die an anderer Stelle zu Kostensteigerungen führten. „Wir zielen im Wesentlichen darauf, diesen Kostenanstieg zu kompensieren.“

Alles in allem hat sich bei dem Leverkusener Konzern der Aufwärtstrend im dritten Quartal – ungeachtet der wachsenden Konjunktur-Skepsis – noch leicht fortgesetzt. Der Umsatz stieg im um knapp fünf Prozent auf 3,7 Milliarden Euro und lag in den gesamten neun Monaten mit 11,5 Milliarden Euro um 6,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

Das Konzernergebnis verbesserte sich im dritten Quartal um ein Prozent auf 496 Millionen Euro, der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) sank um 0,3 Prozent auf 859 Millionen Euro. Covestro hat damit die Erwartungen des Marktes durchweg leicht übertroffen. Das Unternehmen bekräftigte zugleich seine bisherige Prognose für das Gesamtjahr, die eine Verbesserung des Ebitda gegenüber dem Vorjahr und eine Steigerung des Free-Cashflows von 1,84 Milliarden Euro auf über zwei Milliarden Euro vorsieht.

Die Börse reagierte auf die Zahlen am Donnerstagmorgen mit einem Kursplus von gut drei Prozent, nachdem die Aktie in den Wochen zuvor deutlich unter Druck gestanden hatte. Analysten gehen indes davon aus, dass sich an der negativen Grundstimmung bei Investoren wenig ändern wird. Der bestätigten Guidance für 2018 werde wohl weiter die wachsende Besorgnis im Hinblick auf eine Verschlechterung Margen und Konjunktursituation gegenüberstehen, heißt es etwa in einem Kommentar von UBS.

Markus Mayer, Chemieexperte der Baader Bank bewertet die bestätigte Prognose zwar als positives Signal und das Effizienzprogramm als hilfreich, um das schwierigere Umfeld in den nächsten Quartalen abzufedern. Er verweist aber auch darauf, dass das um Einmaleffekte bereinigte Ebitda erstmals leicht gesunken ist. „Dieser rückläufige Trend dürfte sich in den nächsten Quartalen verstärken.“

Im Analystenlager hatte sich in den letzten Monaten generell bereits relativ starker Pessimismus breit gemacht mit Blick auf die Perspektiven im Chemiegeschäft und insbesondere die Renditen im Kunststoffbereich. „Die dunklen Wolken verdichten sich“, hieß es jüngst etwa in einem Report von JP Morgan. Diese Skepsis sorgte im Jahresverlauf für deutliche Kurseinbußen bei vielen Chemiewerten. Die Covestro-Aktie verlor seit Jahresbeginn sogar fast 40 Prozent an Wert.

Hintergrund ist vor allem die Tatsache, dass nach langer Verzögerung inzwischen neue Kapazitäten für Kunststoffe wie Polyurethane und Polycarbonate in Betrieb gingen. Die bisherigen Engpässe, die insbesondere im Polyurethangeschäft die Renditen auf Rekordniveau getrieben hatten, gehören damit erst einmal der Vergangenheit an. Die sogenannten „Spreads“, das heißt die Abstände zwischen den maßgeblichen Rohstoffkosten und den Endpreisen für die Kunststoffe sind dadurch wieder auf das Niveau von Ende 2016 zurückgefallen.

Margen bei TDI-Produkten geraten unter Druck

Bei Covestro schlug sich das vor allem im Geschäftsbereich Polyurethane nieder, der rund die Hälfte zum Gesamtumsatz beiträgt. Hier schrumpfte das Ebitda im dritten Quartal um gut ein Fünftel auf 432 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge sank damit auf 23 Prozent, gegenüber rund 29 Prozent im Vorjahreszeitraum und fast 33 Prozent im ersten Quartal 2018.

Insbesondere die Margen beim PU-Vorprodukt TDI sind zuletzt deutlich unter Druck geraten, nachdem der Konkurrenten BASF nach längerer Verzögerung eine neue Anlage in Betrieb nahm. Zudem wird auch die chinesische Wanhua-Gruppe in kürze neue Kapazitäten anfahren.

Im Polycarbonat-Geschäft dagegen konnte Covestro die Marge dank höherer Absatzmengen, einer günstigeren Preiskonstellation und einem Einmaleffekt sogar noch spürbar, von 22,6 Prozent im Vorjahr auf gut 30 Prozent im dritten Quartal 2018 verbessern.

Aus Sicht Steilemanns hat sich damit im Prinzip eine Entwicklung bestätigt, die man seit längerem bereits prognostizierte. Den langfristigen Trend für Covestro und die Branche sieht er indessen, angesichts eines erwarteten Marktwachstums von etwa vier Prozent, weiterhin voll intakt. Der Trend hin zu Erneuerbaren Energien, zu energieeffizienteren Häusern und einer nachhaltigeren Form der Mobilität wird die Nachfrage nach Einschätzung des Covestro-Chefs weiter antreiben.

Die Gefahr, dass die Branche auf Margentiefs wie Ende des letzten Jahrzehnts zurückfallen könnte, betrachtet Steilemann daher als extrem gering – auch wenn er in dieser Hinsicht keine expliziten Aussagen wagt. Die Bayer-Sparte Material Science, aus der Covestro 2015 durch Ausgliederung hervorgegangen ist, verbuchte damals Ebitda-Renditen von zeitweise nur fünf Prozent – im Vergleich zu 24 Prozent im Jahr 2017.

Steilemann verweist darauf, dass sich die Industrie und speziell auch Covestro seither extrem weiterentwickelt hätten. So seien heute selbst neue Anlagen im Weltmaßstab allenfalls in der Lage, das Nachfragewachstum für 12 bis 18 Monate abzudecken. „Das war vor zehn Jahren noch ganz anders. Damals konnte eine Anlage das Gleichgewicht über mehrere Jahre massiv stören.“

Zum anderen habe man inzwischen speziell bei Covestro massiv am Produktmix gearbeitet. Anders als in den 2000er-Jahren, als etwa 30 Prozent des Polycarbonat-Absatzes in die Produktion von CDs ging, sei das Produkt-Portfolio heute viel breiter, stärker auf Spezialitäten ausgerichtet und damit auch widerstandsfähiger gegen zyklische Schwankungen. „Auch das sollte ein klares Indiz dafür sein, dass Zeiten wie 2006 und 2007 nicht mehr gibt.“

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