Clariant

Anteile am Unternehmen in Höhe von 24,99 Prozent wechseln seinen Besitzer.

(Foto: Reuters)

Chemiekonzern Saudis greifen nach Clariant

Erst vor kurzem vereitelte White Tale die Milliardenfusion von Clariant mit Huntsman. Nun verkauft der aktivistische Investor seinen Anteil am Spezialchemiekonzern. Der neue Großaktionär kommt aus Saudi-Arabien.
Update: 25.01.2018 - 10:39 Uhr 1 Kommentar

Frankfurt, ZürichDer aktivistische Investor White Tale gibt sich beim Chemieriesen Clariant geschlagen. Die Amerikaner haben ihren fast 25-prozentigen Anteil an dem Schweizer Konzern an den saudischen Chemiekonzern Sabic verkauft. Die Saudis sind damit zum größten Aktionär des schweizerischen Unternehmens aufgestiegen.

Monatelang hatte White Tale massiven Druck auf Clariant ausgeübt. Die Amerikaner brachten die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen Clariant und dem US-Rivalen Huntsman zu Fall und wollten Clariant zerschlagen. Den Aktivisten haben die Schweizer nun nicht mehr im Nacken. Doch dafür haben sie einen neuen Großaktionär – und der ist ein Konkurrent. Damit steht Clariant vor einer neuen Herausforderung.

Das Konsortium White Tale um die US-Investoren 40 North und Corvex hatte wiederholt erklärt, sich langfristig bei Clariant zu engagieren. Das war einmal: Nach dem Verkauf der Anteile an Sabic spricht 40-North-Vertreter David Millstone nun von einem „erfolgreichen Ausgang“. „Wir sind erfreut, eine Rolle dabei gespielt zu haben, das möglich zu machen."

Doch was will der neue Eigentümer Sabic mit Clariant? Der saudische Chemiekonzern gilt mit zuletzt rund 32 Milliarden Dollar Umsatz als weltweit viertgrößtes Unternehmen der Branche und dürfte mit dem Engagement bei Clariant weitergehende Ambitionen verfolgen. Noch vor wenigen Wochen bekräftigte Al-Benyan im Gespräch mit dem Handelsblatt die Expansionspläne des Konzerns, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von der Basischemie zu verringern. „Wir sehen große Chancen in der Spezialchemie und werden dort auch zukaufen, etwa bei Kunststoffen“, erläutert er damals. Bis zu fünf Milliarden Dollar hält Sabic derzeit für Übernahmen bereit.

Für eine vollständige Übernahme von Clariant würde diese Summe nicht ausreichen. Das Schweizer Unternehmen wird derzeit mit rund 9,4 Milliarden Dollar an der Börse bewertet. Für eine Komplettübernahme wäre damit vermutlich eine Offerte von deutlich mehr als zehn Milliarden Dollar erforderlich. Doch die sei derzeit auch nicht geplant, teilten die Saudis mit.

Bei Clariant wiederum heißt es, man beabsichtige, in den kommenden Wochen mit Sabic zusammenzuarbeiten, um „die neue Situation zu erörtern und mögliche Wege zur Wertgenerierung auszuloten“. Beide Konzerne sind sich nicht völlig fremd. So sind die Saudis bereits ein Partner von Clariant im Joint Venture Scientific Design.

Als denkbares Szenario gilt, dass der saudische Konzern sich nur für bestimmte Teile interessiert. Möglicherweise sei Sabic vor allem am Katalysatorengeschäft von Clariant interessiert, spekuliert Chemie-Analyst Markus Mayer von der Baaderbank. Bereits 2011, als Clariant den Katalysatorenhersteller Süd-Chemie erwarb, habe Sabic ebenfalls zu den Bietern für Süd-Chemie gehört.

Die Akquisition sei Teil der langfristigen Strategie von Sabic, „das Produktangebot zu differenzieren und Wert zu schaffen für die Kunden“, teilte der saudische Chemiekonzern mit. Clariant sei komplementär zu den bestehenden Spezialchemie-Aktivitäten von Sabic und entspreche der Zielrichtung , neue Wachstumsmöglichkeiten in der Spezialchemie zu erschließen.

Mayer betrachtet Clariant bereits seit längeren als „Übernahmekandidat Nummer eins“ in der europäischen Chemie. Als wahrscheinlich gilt dabei, dass der Konzern nach einer Übernahme letztendlich zerschlagen wird, da das Produktspektrum zu keinem potenziellen Käufer perfekt passt.

Vontobel-Analystin Lorena Zini sieht Clariant als „gute strategische Ergänzung“ für Sabic. „Da die genauen Pläne von Sabic derzeit nicht bekannt sind, gibt es in diesem Zusammenhang natürlich noch viele offene Fragen“, schreibt Zini. Mancher Manager in der Clariant-Zentrale dürfte ihr da zustimmen.

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1 Kommentar zu "Chemiekonzern : Saudis greifen nach Clariant"

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  • Nein, diese White Tale gibt sich nicht geschlagen, sie waren ja von Anfang an her nur Heuschrecken und nur auf den kurzfristigen Gewinn des Aktienkurses aus. Diese Rechnung ist doch für diese Gängster voll aufgegangen. Der Aktienkurs ist jetzt dank White Tale wieder im freien Fall. Das Nachsehen haben einmal mehr die langfristigen und nachhaltigen Anleger.

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