China Blogger zertrümmert Siemens-Kühlschrank

Eine Internetbewegung protestiert gegen die angeblich schlechte Qualität und den Kundendienst des Hausgeräteherstellers - und schart Millionen von Anhängern hinter sich. „Solchen Schrott kaufe ich nie wieder.“
10 Kommentare
Publizist Luo Yonghao zertrümmert vor dem Pekinger Siemens-Hauptquartier seinen angeblich defekten Kühlschrank.

Publizist Luo Yonghao zertrümmert vor dem Pekinger Siemens-Hauptquartier seinen angeblich defekten Kühlschrank.

PekingIn China eskaliert der Konflikt zwischen einem prominenten Blogger und dem Hausgerätehersteller Siemens-Bosch. Am Sonntagmorgen hat der Publizist Luo Yonghao auf dem Bürgersteig vor dem Pekinger Siemens-Hauptquartier seinen angeblich defekten Kühlschrank mit einem Vorschlaghammer zertrümmert. „Ich fordere, dass Siemens endlich die Qualitätsmängel seiner Produkte mit klaren Worten eingesteht“, sagte Luo, nachdem er den verdutzten Wachleuten eine Petition enttäuschter Kunden übergeben hat.

Der Konflikt zwischen Luo und der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) reicht bereits zwei Monate zurück. Er hat im Internet begonnen und geht nun in der realen Welt in eine neue Runde. Am 27. September hatte Luo einen Eintrag in seinem Mikroblog verfasst, dem chinesischen Gegenstück zu Twitter: Seine Kühlschranktür schließe manchmal nicht. Tausende seiner Leser stimmten daraufhin in die Klage ein und berichteten online von den Mängeln ihrer Siemens-Produkte. Luo beklagte sich auch über die langsame Reaktion von Siemens im Netz und das Ausbleiben einer Entschuldigung. „Das Verhalten von Siemens entspricht nicht dem, was chinesische Verbraucher von einem deutschen Unternehmen erwarten würden.“

Luos Kühlschranktür entwickelte sich zum Kabinettstück über die Ohmacht von Großkonzernen gegenüber Massenbewegungen im Internet – und ihre mangelnde Kompetenz im Umgang mit den Sozialmedien. Die BSH und ihre PR-Agentur „Blue Focus“ hatten offenbar kein Konzept, wie sie mit dem plötzlichen Angriff aus dem Internet umzugehen hatten.

BSH sucht daher derzeit nach Möglichkeiten, die Abläufe zu verbessern, um für künftige Fälle dieser Art gewappnet zu sein. „Rückblickend gesehen ist das nicht sehr gut gelaufen“, sagt Roland Gerke, Geschäftsführer von BSH Appliances China. „Das sind neue Kommunikationsformen, auf die man sich als Unternehmen einstellen muss – nicht nur in China, sondern überall auf der Welt.“ Es sei vermutlich nötig, vom Kommunikationsstil her stärker auf die Blogger einzugehen.

Luo hat sich tatsächlich als besonders schwieriger Kunde erwiesen. BSH überwacht bereits seit zwei Jahren Blogs, um dort auf Kundenprobleme aufmerksam zu werden. Auch Luo hat von Siemens spontan E-Mails und Anrufe bekommen, in denen ihm die Hausgerätefirma eine Prüfung und Reparatur des Kühlschranks angeboten hat. Doch darauf hat der Promi-Blogger offenbar gar keinen Wert gelegt – es ging ihm mehr um das Eingeständnis des Großunternehmens, ein Qualitätsproblem zu haben.

David gegen Goliath
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

10 Kommentare zu "China: Blogger zertrümmert Siemens-Kühlschrank"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich kann auch nicht sagen, dass Siemens Kundenklagen ernst nimmt. Bei meinem neuen Herd wird die Backofenblende inklusive Bedienknöpfe bis zu 90 Grad heiß. Die Knöpfe sind nicht mehr ohne Topflappen zu bedienen. Kommentar Siemens: Das sei normal und das Gerät entspräche den technischen Daten. Das wird aber in den technischen Daten nirgens erwähnt ... Ich finde das nicht normal sondern gefährlich!!!

  • Ich kann leider nur bestätigen, dass meine Siemens Kühlschranktür mit schwachen Plastikteilen bestückt ist, die nach weniger als 2 Jahren zerbrachen. Der Kundendienst bei der Supermarktkette ist nicht hilfreich.

    Das Problem heutzutage ist dass Haushaltgeräte und Unterhaltungselektronik allzuoft zu "billig" und für eine zu kurze Lebensdauer in einem Schwellenland gefertigt werden. Dies ist eine grosse Sünde der Konsumgüterindustrie, die nur mit nachhaltigeren Produkten korrigiert werden kann. Herr Luo sollte den amerikanischen und europäischen Konsumenten ein Vorbild sein...

  • Ich hatte hier in D mit einem Bosch-Kühlschrank ein ähnliches oder das gleiche Problem. In der Innenseite der Tür kann zum Fixieren der Flaschen beim Schwenken der Tür der mitgelieferte Kunststoff-Stopper eingesetzt werden. Nachdem ich die Wirkungslosigkeit erkannte (ging zu leicht, stoppte nicht), drehte ich das Teil einfach um 180Grad und benutzte den zweiten Schlitz. Der war schmaler, bot also mehr Reibung und erfüllte so seine Funktion. Allerdings war - was ich zunächst nicht registrierte - das Teil aufgrund seiner Form nun so schlecht platziert, dass der Kühlschrank manchmal nicht mehr schloss bzw. sich unbemerkt öffnete.
    Der tel. gerufene Kundendienst meinte es sei ein Bedienfehler, also kein Garantiefall, und wollte für den Einsatz EUR 60.00 berechnen. Ich weigerte mich mit dem Hinweis, dass ich von SIEMENS und BOSCH einwandfrei funktionierende Geräte erwarte, auf jedenfall mehr als von einem ausländischen Billighersteller. Ich verwies auf den Konstruktionsfehler und bat ihn, das an seine Entwicklungsabteilung weiterzugeben.
    Das war vor 2 Jahren. Offensichtlich hat sich in der Zwischenzeit nichts getan bei BSHG! Nun, die Firma ist ja zwischenzeitlich im Besitz ausländischer Investoren, man kann auch sagen, wo BOSCH oder SIEMENS draufsteht ist nicht mehr unbedingt BOSCH oder SIEMENS drin! Ich meine damit nicht den Ort der Herstellung, sondern die dahinter liegende Ingenieurskunst und die Qualitätsphilosophie.

  • Aber in Deutschland sind die Deutschen so, erst gar keinen Service mitbezahlen und dann hinterher das Geschrei nach dem besten Service machen.
    Wenn man aber in China ein Produkt von einem deutschen Hersteller kauft wegen dessen Qualität und dann den Chinaschrott erhält, den hier die Deutschen auch kaufen, dann ist das frustrierend.

    „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen."

  • Vollkommen richtig dass Siemens und Bosch (verkaufen dieselben Haushaltsgeräte unter zwei Firmennamen) einen drauf kriegen. Unsere Spülmaschine spielte nach 3 Jahren verrückt. Laut Auskunft des Händlers liegt das am falsch konstruierten Wärmetauscher. Austausch kostet ca. 250 bis 300 €. Reaktion Siemens laut Händler: die verkaufen das Ersatzteil jetzt immer teurer, ändern aber an dem Modell sonst nichts. Da bleibt einem die Spucke weg !!
    Konsequenz: italiänische Spülmaschine gekauft, für 100 € weniger und die hält auch bestimmt 5 Jahre, jedenfalls länger als der Ramsch von Siemens. Die haben es nicht verstanden! So macht man "Made in ´Germany" kaputt. Tolle Manager.

  • Hm, klar ist mir aber noch nicht ganz, ob hier nur ein rechthaberischer Selbstdarsteller mit einem kleinen Dachschaden unterwegs ist oder ein kritischer Kunde, der von einem ignoranten "Kundendienst" bis aufs Blut provoziert wurde.

    Naja ist vielleicht auch egal. In Bangalore/Indien hängt in der Fahrkartenausgabe des Bahnhofs u.a. folgender Spruch (angeblich von Mahatma Gandhi) zur Motivierung der dortigen Angestellten: "Ein Kunde ist niemand, mit dem man diskutiert. Niemand hat jemals eine Diskussion mit einem Kunden gewonnen! Wir tuen ihm keinen Gefallen ihm zu dienen, sondern er uns, indem er uns die Möglichkeit gibt, die zu tun."

  • Hehe absolut richtig. Willkommen in der Servicewüste Deutschland. Liebe Chinesen, gewöhnte euch dran. Sobald gekauft wurde und das Geld in der Kasse ist, wird der Kunde zur Luftnummer.

  • Diesem Blogger geht es nicht um seine Kühlschranktür - er will nur weiterhin den Rausch seines (zweifelhaften) Ruhmes ausbauen und sich darin sonnen, und da darf man seine Fangemeinde nicht enttäuschen, sonst ist da bald jemand anderes der Star im World Wide Web der Eintagsfliegen.

  • Kühlschrank Tipp's für Dummies

    Bei allen Kühlschränken kann sich mal die Türdichtung lösen. Einfach andrücken und fertig!

  • Hallo China, nicht wundern - ihr seid in der Servicewüste Deutschland angekommen!
    Viel bezahlen, wenig bekommen und sobald du dich beschwerst, existierst du nicht mehr!
    Wir haben uns anscheinend daran gewöhnt...ich nicht.
    Ich bin ebenso ein resoluter Mensch und finde es eine "Frechheit", dass ein Chinese 2 Jahre schon bloggt und sich beschwert und dass die Kommunikationszentrale von Siemens total "überrascht" von dem "plötzlichen" Angriff ist.

    Was glauben die eigentlich wo wir leben? Im Mittelalter?

    Liebe Siemens-Grossverdiener: Wir sind nicht mehr unsere hörigen Grosseltern. Eigentlich gehört euch mehr angetan als eine kaputte Kühlschranktür...

    Und schon gleich gar nicht wollen wir eine anti-individualisierte Serienbriefantwort erhalten. Wir sind keine Nummer wie eure Mitarbeiter - wir sind individuelle Menschen, die individuellen Umgang mit ihrem Problem erfahren wollen. Ihr wollt doch auch nur unser Bestes...aber anstatt es in vernünftige Produkte zu verwandeln wird es den Aktionären hinterhergeworfen! Pfui Siemens - ich kaufe übrigens schon seit 10 Jahren nix mehr von euch...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%