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Clotilde Delbos Die neue Renault-Chefin ist Europas mächtigste Automanagerin

Das kühle Management hat sich für die bisherige Finanzvorständin ausgezahlt. Sie ist die erste Chefin eines großen Automobilkonzerns in Europa.
11.10.2019 - 18:02 Uhr Kommentieren
Die Französin ist neue Interimschefin von Renault. Quelle: Bloomberg
Clotilde Delbos

Die Französin ist neue Interimschefin von Renault.

(Foto: Bloomberg)

Paris Renault sucht den Weg aus der Krise – und setzt dabei auf eine Frau. Bisher war die 52-jährige Französin Clotilde Delbos Finanzchefin des Konzerns, war die effektive Kraft im Hintergrund, die in der Vorstandsetage ihren Job erledigte, während sich ihr ehemaliger Chef Carlos Ghosn immer tiefer in einen Untreueskandal verstrickte.

Ihr kühles Management in Zeiten der Verunsicherung hat sich ausgezahlt: Ende vergangener Woche setzte der Verwaltungsrat den bisherigen Renault-Vorstandsvorsitzenden Thierry Bolloré vor die Tür und ernannte Delbos zur Interimschefin.

Die Chancen, dass sie diese Position längerfristig behält, stehen nach Einschätzungen von Analysten nicht schlecht. Der französische Staat, dem 15 Prozent von Renault gehören, möchte unbedingt einen Franzosen – oder eben eine Französin – an der Unternehmensspitze.

Und Präsident Emmanuel Macron, der gerade wenig Glück mit seiner Kandidatin Sylvie Goulard für die EU-Kommission hatte, sucht intensiv nach Ausnahmefrauen für hohe Ämter. Die Gleichheit von Frauen und Männern erklärte er kürzlich zum „nationalen Anliegen“; da kommt es ihm gerade recht, mit Delbos eine profilierte Managerin in einem großen französischen Konzern zu installieren.

Mit ihrer Ernennung zur Interimschefin ist Delbos Vorreiterin in einer Branche, in der die Dominanz der Männer bisher ungebrochen ist. Sie ist die erste Chefin eines großen Automobilkonzerns in Europa und die zweite weltweit. Die erste ist Mary Barra, Chefin des US-Autokonzerns General Motors (GM).

Die Französin Delbos, die gerne dezente Anzüge und Perlenketten trägt, gehörte als Frau zum „Triumvirat“ von Renault. Bei Konferenzen des Autobauers saß sie neben Ex-Chef Carlos Ghosn, der in Japan in Haft genommen wurde. Auf der anderen Seite hatte Thierry Bolloré Platz genommen, der am Freitag bei der Verwaltungsratssitzung von Renault sein Amt als Renault-Chef verlor. Nun ist nur noch Delbos übrig geblieben.

Zahlenverständnis ist gefragt

Auch der japanische Partner Nissan hatte vor einem Monat den Chef ausgetauscht, um einen Neuanfang einzuleiten. Beide Hersteller kommen seit der Festnahme des ehemaligen Konzernlenkers Carlos Ghosn im vergangenen November wegen Untreuevorwürfen nicht aus den Schlagzeilen. Bolloré galt als Vertrauter Ghosns, offenbar ein Grund für Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard, den Manager loszuwerden.

Delbos, seit 2016 Finanzchefin von Renault, stammt zwar ebenfalls aus der Ära Ghosn, scheint aber unbelastet aus der Epoche hervorgegangen zu sein. Senard selbst will in öffentlichen Stellungnahmen nichts davon wissen, dass seine Personalentscheidungen Folge der Affäre sein könnten.

Bolloré habe seinen Posten räumen müssen, weil die Zahlen im ersten Halbjahr 2019 unbefriedigend gewesen seien. Zwischen Januar und Juni brachen die Gewinne um 50 Prozent auf eine Milliarde Euro ein. Außerdem werden Bolloré Managementprobleme vorgeworfen: Mehrere Mitarbeiter liefen zur Konkurrenz PSA über.

Nun sei jemand mit Zahlenverständnis gefragt, der die Autoallianz mit Nissan gut kennt. Beides ist bei Delbos der Fall. Sie hat ihr Diplom in der Wirtschaftshochschule EM Lyon gemacht, verfügt über einen Lebenslauf, der es ihr erlaubt, global und vernetzt zu handeln. So arbeitete sie lange in den USA, sammelte Erfahrungen beim Unternehmensberater PwC, beim Aluminiumspezialisten Constellium (Ex-Pechiney).

Seit 2012 ist sie bei Renault unter Vertrag, lange genug, um die Verästelungen des Konzerns zu kennen. Als Interimschefin stehen ihr künftig zwei erfahrene Manager als Stellvertreter zur Seite, die sie im Verkauf und der Produktion unterstützen sollen: Mithilfe von Olivier Murguet und José-Vicente de los Mozos muss Delbos Renault aus der Krise führen. Ob ihr das gelingt, wird wesentlich von der Zeit abhängen, die ihr zur Verfügung steht.

Mehr: Der Ghosn-Vertraute muss seinen Posten beim Autobauer Renault räumen. In einem Interview zeigt sich der geschasste Thierry Bolloré verbittert.

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