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CO2-Belastung Die umstrittene Klimabilanz des Elektroautos

Der CO2-Ausstoß des Autoverkehrs ist zuletzt wieder gestiegen, weil der Diesel schwächelt: Nun soll das Elektroauto die Klimabilanz der Hersteller retten. Doch Experten zweifeln, ob das gelingt.
23 Kommentare

Volvo verabschiedet sich von Benzin- und Dieselmotoren

DüsseldorfDie Parteien in Deutschland sind sich einig: „Die Zukunft des Automobils ist elektrisch“, schreibt die SPD in ihrem Regierungsprogramm für die Bundestagswahl. Die CDU macht sich für eine Batteriezellenproduktion in Deutschland stark. Und die Grünen wollen ab 2030 gleich jedem Verbrenner die Neuzulassung verweigern. Wichtigstes Argument: Nur mit dem Elektroauto sei der Umstieg in eine klimafreundliche Mobilität möglich.

Doch neue Studien nähren Zweifel, dass Elektroautos kurzfristig wirklich klimafreundlicher sind als Verbrenner. In einer Analyse von Arthur D. Little, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, formulieren die Unternehmensberater ernsthafte Vorbehalte gegen die Vorstellung, dass mit Elektroautos alleine unser Klima gerettet werden kann. Für ihre Untersuchung berechneten die Experten den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Verbrennern und batteriebetriebenen Elektroautos unter realen Bedingungen.

Wie klimafreundlich das Elektroauto wirklich ist, hängt nach den Ergebnissen der Unternehmensberater entscheidend vom Strommix der jeweiligen Länder ab. Kurzfristig können auch Elektroautos den Klimawandel hierzulande nicht abbremsen. Schuld ist der hohe Anteil der Kohlekraftwerke am Strommix in Deutschland. Ein Model S von Tesla schneidet hierzulande in puncto CO2-Ausstoß kaum besser ab als ein 3er BMW mit Dieselmotor. Nach dem heutigen Energiemix stoße ein durchschnittliches Elektroauto unter realen Bedingungen 107 Gramm CO2 aus, zeigt die Studie.

Zu viel, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. In diesem Abkommen hat sich die Bundesregierung verpflichtet, den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Da in den kommenden Jahren die Flotte weiter wachsen werde, müsse der Ausstoß pro Auto in Deutschland auf 103 Gramm CO2 fallen, rechnen die Berater vor. Im Schnitt dürfte ein Auto dann nicht mehr als 3,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.

Die Elektro-Schocker
Die Speerspitze einer neuen Bewegung
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Sprintzeiten von unter drei Sekunden sind für konventionell angetriebene Supersportler eher die Ausnahme als die Regel. In der Elektroauto-Szene gehören solche Fabelwerte hingegen fast schon zum guten Ton. Um Aufmerksamkeit und Überzeugungsarbeit für den lokal emissionsfreien Elektroantrieb zu leisten, haben einige Hersteller atemberaubend schnelle Sportwagen auf die Räder gestellt, die ohne wild fauchende Benzinmotoren aberwitzige Fahrleistungen ermöglichen. Die ultraschnellen Stromer, wie dieser Nio EP9 von Next EV, bringen selbst eingefleischte Verbrennungsmotor-Fetischisten ins Grübeln...

(Foto: Hersteller)
Einer dieser neuen Wilden ist der Nio EP9, mit dem die chinesische Firma NextEV gleich in die Megawatt-Klasse eingestiegen ist
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Will heißen: Die insgesamt vier E-Motoren mobilisieren zusammen 1.000 Kilowatt (kW), was 1.360 PS entspricht. Zudem kann jede E-Maschine unglaubliche 1.480 Newtonmeter Drehmoment aus dem Stand heraus zur Verfügung stellen. Entsprechend dauert der Sprint auf 100 km/h nur 2,7 Sekunden, bis Tempo 200 verstreichen lediglich 7,1 Sekunden. Mit maximal 313 km/h gilt der EP9 als schnellster E-Sportwagen der Welt.

(Foto: Hersteller)
Im Frühjahr 2017 erzielte der Nio mit 6 Minuten 45,9 Sekunden sogar einen neuen Nordschleifenrekord
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Die Wunder-Flunder kann man übrigens kaufen. Rund 1,4 Millionen Euro soll ein Exemplar kosten. Vertrieben wird der atemberaubend schicke und mit viel Know-how europäischer Ingenieure entwickelte Stromsportler allerdings ausschließlich in China.

(Foto: Hersteller)
Techrules Ren
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Die ebenfalls in China beheimatete Firma Techrules will mit dem Ren dem Nio EP9 den Titel als schnellstes E-Mobil der Welt streitig machen. Im März 2017 wurde die Serienversion des Hypercars vorgestellt, die mit progressivem Design als auch aberwitzigen Leistungseckdaten imponiert.

In der stärksten Ausführung soll der Stromer mit Hilfe von gleich sechs E-Maschinen 960 kW/1.305 PS und 7.800 Newtonmeter in den Vortrieb werfen. Dank dieser Kraft sprintet der 1,7-Tonner in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 320 km/h.

(Foto: Hersteller)
Techrules Ren
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Als Besonderheit bietet der Ren einen Reichweitenverlängerer in Form einer mit Diesel getriebenen Microturbine. Dieses Hochleistungstriebwerk soll dank 80-Liter-Tank in Kombination mit einer 25-kWh-Batterie eine Reichweite von 1.170 Kilometer erlauben. Preise werden nicht genannt, vermutlich wird der in kleiner Stückzahl in Handarbeit gefertigte Hightech-Renner jedoch einige Millionen kosten. Euro oder Dollar, versteht sich.

(Foto: Hersteller)
Rund eine Million Euro verlangt die kroatische Firma Rimac für ihr Hypercar Concept One
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In seiner jüngsten Ausbaustufe leistet der Stromer mächtige 900 kW/1.224 PS und 1.800 Newtonmeter Drehmoment, was eine Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h in 2,5 Sekunden erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 300 km/h knackt der Balkan-Bolide nach nur 14 Sekunden.

Die insgesamt vier Motoren treiben jeweils ein Rad an, was ein besonders agiles Torque-Vectoring erlaubt...

(Foto: Hersteller)
Rimac Concept One
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Insgesamt vier Motoren treiben jeweils ein Rad an, was ein besonders agiles Torque-Vectoring erlaubt. Trotz dieser bei schnellen Kurvenfahrten hilfreichen Technik ist The-Grand-Tour-Moderator Richard Hammond mit einem Concept One jüngst beim Hemberger Bergrennen in der Schweiz mit einem Rimac von der Straße abgekommen. Der Brite brach sich ein Knie, der Rimac wurde ein Opfer der Flammen.

(Foto: Hersteller)

Die Berechnungen von Arthur D. Little offenbaren noch ein zweites Problem: Weil die reale Klimabilanz der Elektroautos nicht so gut ausfällt, können sie die CO-Bilanz der Verbrenner auch nicht ausreichend kompensieren. Das europäische Ziel von 95 Gramm können die Hersteller ohnehin nur unter den unrealistischen Bedingungen des gesetzlich vorgeschriebenen Prüfbedingungen erreichen. Unter realen Bedingungen sieht die Klimabilanz der vergangenen Jahre deutlich schlechter aus.

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Real ist der CO2-Ausstoß kaum gesunken
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23 Kommentare zu "CO2-Belastung: Die umstrittene Klimabilanz des Elektroautos"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich schliesse mich Herrn Nicklas Vomer's Kommentar voll an und möchte ihn noch um einige Punkte ergänzen.

    5. Elektroautos haben jetzt schon einen viel grösseren Wirkungsgrad (Quelle zur Strasse) als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Also wird auch der CO2 Anteil pro gefahrenem Kilometer weniger. Das Potential für mehr Wirkungsgrad ist vorhanden. Die Elektroautoherstellung in Serie hat erst begonnen. Die Mechanik und mitgeführten Komponenten (Getriebe, Auspuff, Motorblock, Vergaser oder Einspritzanlage, etc.) eines Verbrennungsmotor getriebenen Fahrzeugs sind anachronistisch und kosten immense Leistungsverluste. Die Automobilindustrie möchte nur ihre Investitionen in veraltete Technik amortisieren.

    6. Mit vermehrt fahrenden Elektroautos wird eine neue Infrastruktur geschaffen, die (auch der neben den Autos mit Verbrennungsmotor) für eine modernere Energienutzung Synergien schafft. Starkstromkabel z.B. die dazu verlegt werden müssen, können in Häusern auch zu anderen Dingen genutzt werden. Zum Beispiel zur autarken Energieerzeugung durch Solarpanels oder andere CO2 - schonenden Systeme. Es obliegt der Politik daraus das richtige zu machen. So wie es in den Niederlanden, Norwegen und jetzt auch in Frankreich anvisiert wird.

    7. Je mehr Elektroautos fahren, desto grösser wird der Druck auf die Politik dafür zu sorgen, dass die notwendige Energie vermehrt Umweltneutral hergestellt wird. Es liegt dann nicht mehr an den bösen Bürgern, die ja veraltete Technologie möchten, sondern an der Politik die die Infrastruktur nicht erstellt oder erstellen will.

    8. Auch die autarke Stromerzeugung durch entsprechende Systeme (Solarsysteme mit PowerPacks, etc.) wird prosperieren. Was dazu führt, dass die wenigen Energieerzeuger damit kooperieren müssen und ihre Macht verlieren. Das ist im Interesse der Bevölkerung.

    9. Die Abhängigkeit zu Öl-Förderländern, Öl-Konzernen und deren Protégés wird geringer. Und damit der Zwang zur Einmischung, was die int. Politik einfacher macht.

  • Herr Little kommt auf ein Ergebnis, auf das wirklich jede, jede (!) seriöse Studie kommt: Je besser der Strommix, desto klimafreundlicher das Elektroauto. Dafür hätte er sich die Mühe nicht machen müssen.

    Folgende Fehler machen er (und der Autor) trotzdem:
    1. Das Model S mit einem BMW 3er zu vergleichen ist totaler Unsinn. Äpfel und Birnen. Panamera, BMW 7er, Audi A7...die sind vergleichbar. Was kommt dann heraus?
    2. Die Elektromobilität wird nicht nur für das Klima forciert, sondern auch für die Luft- und Lebensqualität. Hier bringen Elektroautos kurz- UND langfristig eine gewaltige Besserung.
    3. Niemand hat behauptet, dass Elektroautos kurzfristig alle Probleme lösen. Was ist das für eine unsinnige Aussage? Alle die auf Elektroautos setzen, denken langfristig. Weil sie wissen, dass mit jedem Windrad, jeder Photovoltaikanlage und jedem abgeschaltetem Kraftwerk die Bilanz besser wird. Das ist ein Vorteil, den die Verbrenner niemals (!) haben werden.
    4. Es ist doch erstaunlich, dass die "ungausgereiften" Elektroautos von heute offenbar schon genauso gut sind wie die modernsten, seit über 100 Jahren erforschten Dieselfahrzeuge.

    Also, welche Technologie hat in Zukunft mehr Potential?

  • Danke für den Artikel, denn er hilft ein wenig Objektivität in das Thema zu bringen. So schön das Elektroauto mit weniger Lärm und lokalen Emissionen für die Lebensqualität in den Städten wäre - und hier macht es auch am meisten Sinn - so wenig bringt es für die CO2-Bilanz. Bei einer fairen Rechnung dürfte man noch nicht mal vom aktuellen Strommix ausgehen, sondern von dem incrementellen CO2 Ausstoß dieser zusätzlichen Stromverbraucher. Und, da die Regnerativen über die Vorrangsregelung bereits anderweitig verbucht werden, kommt dieser im günstigsten Fall aus Kernkraft mit Null-Emission, demnächst - nach Abschaltung der KKW - aber für noch sehr lange Zeit hauptsächlich aus Kohle mit der höchsten CO2-Emission/kWh, . Für weniger Emissionen - Elektro oder Verbrenner - brauchen wir vorallem kleinere und leichtere Fahrzeuge und da geht der Mainstream der Verbraucher leider in die völlig falsche Richtung.

  • Spannend ist auch, dass ein 3er BMW mit einem Tesla S verglichen wird. Da hat wohl Rudolf Diesel das Gutachten geschrieben.

  • Das, was oben als "neue Studien" bezeichnet wird, lernt man so etwa in der 8. Klasse. Dort lernt man, dass jede Umwandlung von Energie und jeder Speicherprozess mit Verlusten behaftet ist und folglich zum Betrieb eines Elektromotors, der aus einer Batterie gespeist wird, immer mehr Strom produziert werden muss, als der Motor letztendlich nutzt.

    Dass ein Elektromotor so sauber ist, wie die Kraftwerke, aus denen er Strom bezieht, ist trivial und kann doch nicht ernsthaft als "neue Erkenntnis" verkauft werden.

    Auch wird der CO2 Ausstoß nie dadurch sinken, dass man mehr Elektrofahrzeuge betreibt, mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt und Häuser besser dämmt ist doch völlig logisch.
    Der CO2-Ausstoß sinkt dadurch, dass weniger mit Benzin- und Dieselfahrzeugen gefahren wird, weniger Strom mit Fossilen Kraftwerken erzeugt wird und weniger Kohle, Gas oder Öl zu Heizen verwendet wird.

  • Schust bleib bei deinen Leisten. Anders kann man es leider nicht formulieren, wenn der Herr Unternehmenberater in seinen Ausführungen schon mal komplett ausblendet, dass der Wirkunsgrad jedes Elektrofahrzeugs schon 2 bis 2,5x besser liegt, selbst wenn der Strom zu 100% aus Kohlekraft stammt.

    Jeder Ingenieur kann sich über diese Erläuterungen, dass die Elektromobilität nicht massiv effizienter wäre, nur kugeln vor Lachen.

  • So lange wir unseren Strom nicht zu Hundert Prozent aus Ökostrom decken können (incl. Stromimporte aus dem Ausland), wird jede verbrauchte Kilowattstunde Öko-Strom für den Antrieb von Fahrzeugen den Bedarf an mit Kohle oder Gas erzeugtem Strom um diesen Anteil steigern. Von einer Rettung der Welt durch Elektroantriebe kann also in keinster Weise eine Rede sein.

  • @ Herr Wolfgang Jenne06.07.2017, 12:15 Uhr

    "- Haben Sie auch das Leid der Menschen im nahen und mittleren Osten aufgrund unseres Ölbedarfs berücksichtigt?"

    Na, statt der heutigen "Ölkriege" führen wir dann künftig wahrscheinlich "Siliziumkriege". Und scheinbar macht sich niemand darüber Gedanken, daß da eine Reihe von Ölstaaten künftigihre Geschäftsmodelle verlieren, und es eben dann zu anderen Unruhen kommt...

    "Wenn ich möchte, fährt mein E-Fahrzeug nur mit Solarstrom."

    Das glauben Sie doch selbst nicht. Selbst wnn sie ihren Strom vom Ökanbieter beziehen, stimmt das nicht. Und Ihre eventuell vorhandene eigene Soalaranlage lässt Sie spätestens im Winter "kalt auflaufen".

  • Sehr einseitiger Vergleich:
    - Haben Sie auch das Leid der Menschen im nahen und mittleren Osten aufgrund unseres Ölbedarfs berücksichtigt?
    - Wie sieht es mit den kranken Menschen in den Städten aufgrund des NOx und Partikel Ausstosses des BMW's aus?
    - Ein Tesla entspricht nicht einem BMW3er - da könnte man auch sagen ein Tesla ist nicht umweltfreundlicher als ein Fahrrad. Hat etwa die gleiche Aussagekraft.
    - Der Tesla muss "realistische" Fahrbedingungen erfüllen, was auch immer das heisst, beim 3er genügt der NEFZ
    - Bei einem E-Fahrzeug habe ich die Möglichkeit mir die Quelle der Energie auszusuchen. Bei einem Verbrenner habe ich diese Möglichkeit nicht. Wenn ich möchte, fährt mein E-Fahrzeug nur mit Solarstrom.
    Solche Vergleiche zeigen nur eins: Glaube nur einer Studie von der Du weisst wer sie bezahlt hat.
    Solche Artikel bringen Euch als unkritische und abschreibende Journalisten leider weiter in Verruf.

  • @ Herr Wolfgang Seemann06.07.2017, 11:51 Uhr

    Ihnen ist aber klar, daß Sie mit solchen Erfindungen das petrodollarbasierte globale Wirtschafts- und Währungssystem gefährden und das so was sehr ungesund ausgehen kann, oder?

    :)

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