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CO2-Reduktion Bosch will komplett klimaneutral arbeiten – und lässt sich das eine Milliarde Euro kosten

Der Autozulieferer will beim Klimaschutz ernst machen und schon in einem Jahr klimaneutral arbeiten. Dafür muss das operative Geschäft krisenfest bleiben.
Update: 09.05.2019 - 17:55 Uhr Kommentieren
CO2: Bosch will ab 2020 komplett klimaneutral sein Quelle: dpa
Bosch-Chef Volkmar Denner

Der Autozulieferer will sein Unternehmen klimaneutral aufstellen.

(Foto: dpa)

Stuttgart Bosch will bis 2020 CO2-neutral sein. Das wäre schneller als jeder andere Industriekonzern. Unternehmenschef Volkmar Denner überraschte am Donnerstag mit der forschen Ankündigung auf der Bilanzpressekonferenz. Einmal mehr wird der promovierte Physiker seinem Ruf gerecht, eigene Visionen intensiv umzusetzen.

Denner will Spuren hinterlassen im Unternehmen und darüber hinaus: „Bereits in der Woche nach meinem Amtsantritt im Juli 2012 habe ich von unseren Forschern ein Konzept verlangt, wie wir Bosch klimaneutral stellen können.“ Damals bekam er als Antwort: „Wir müssen 1000 Windräder bauen, und das kostet uns 5,3 Milliarden Euro. Also zu teuer.“ Später folgte der ebenso illusorische Vorschlag, 170 Quadratkilometer Wald pro Jahr in Deutschland aufzuforsten. Aber Denner wollte nicht aufgeben.

In solchen Fällen holt er sich Rat von anderen Koryphäen, in diesem Fall aus einem Buch des Ulmer Universitätsprofessors Franz Josef Rademacher. Der Spezialist für ökosoziale Marktwirtschaft empfiehlt, wenn ein großer Schritt nicht möglich ist, viele kleine zur CO2-Neutralität zu machen.

Der Bosch-Chef nahm das zum Vorbild. Und von Jahr zu Jahr gab es wohl Fortschritte, das Ziel bis 2030 zu erreichen. Das war der gleiche Zeitpunkt, den auch Erzrivale Siemens ausgegeben hatte. Für Denner Grund genug, seine Pläne zu beschleunigen.

Mehr Ökostrom, bessere Energieeffizienz

 „Wir übernehmen Verantwortung für den Klimaschutz und handeln deshalb jetzt“, sagt Denner. Ab 2020 sollen die über 400 Bosch-Standorte weltweit keinen CO2-Fußabdruck mehr hinterlassen. Der weltgrößte Automobilzulieferer hätte damit eine Vorreiterrolle. Laut der Internationalen Energieagentur IEA entfällt nahezu ein Drittel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen auf die Industrie.

Bosch stellt neben Autoteilen auch Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge sowie Industrie- und Gebäudetechnik her und setzte 2018 knapp 80 Milliarden Euro um bei sieben Prozent Rendite. Auch wenn die Geschäfte dieses Jahr schlechter laufen, will Denner an seinen CO2-Plänen nicht rütteln.

Bosch will insgesamt 3,3 Millionen Tonnen CO2 bis 2020 neutralisieren. Um dies schnell umzusetzen, wird das Unternehmen kurzfristig mehr Ökostrom zukaufen und unvermeidbare CO2-Emissionen mit Kompensationsmaßnahmen wie etwa Aufforstung in Panama, Windkraft auf den Philippinen oder Waldschutz in Afrika ausgleichen.

Bosch erwartet Mehrkosten von einer Milliarde Euro. Eine weitere Milliarde investiert Bosch in den Ausbau regenerativer Energien und die Energieeffizienz der Standorte. Das soll auf der anderen Seite zu Einsparungen beim Energieverbrauch von einer Milliarde führen. Unter dem Strich ist Bosch damit die reine Ökoweste eine Milliarde Euro wert. Alle CO2-Maßnahmen sollen transparent offengelegt werden.

Bosch liegt im Trend

Lange haben Unternehmen ihren Beitrag zum Klimaschutz eher halbherzig wahrgenommen. Jetzt kommt Bewegung in das Thema. Laufende Proteste gegen Kohlestrom und öffentliche Debatten über die späte Kehrtwende deutscher Autobauer in Sachen alternativer Antriebe setzen Konzerne zunehmend unter Druck, endlich zu handeln.

80 Prozent der europäischen Unternehmen haben sich laut der Londoner Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) mittlerweile eigene Klimaziele gesetzt. Und immer mehr Großkonzerne wollen in naher Zukunft komplett klimaneutral werden. Neben Bosch verkündete etwa auch der Versicherer Allianz erst am Mittwoch, sein dreistelliges Milliardenvermögen bis 2050 nur noch klimaneutral anlegen zu wollen.

Auch bei Deutschlands Stahlriesen Thyssen-Krupp sollen die Hochöfen bis 2050 CO2-neutral werden. Gleich eine ganze Gruppe von Weltkonzernen hatte sich Ende des vergangenen Jahres der „Allianz für Entwicklung und Klima“ des Bundesentwicklungsministeriums angeschlossen. Unter ihnen Namen wie SAP, die Commerzbank, der Rückversicherer Munich Re oder eben auch Bosch.

Umstritten sind allerdings die Kompensationsmaßnahmen. Experten wie Karsten Smid von Greenpeace befürchten, dass Unternehmen nur noch kompensieren, anstatt ihre eigenen CO2-Emissionen runterzufahren. Kompensation dürfe immer nur der letzte Schritt sein.

Den Schritt hin zur Klimaneutralität bei Bosch begrüße man zwar, sagt Smid, „aber das Ganze bleibt so lange halbherzig, bis man auch die Produktpalette auf Nachhaltigkeit umstellt“. Bei Bosch würde das nach Meinung des Greenpeace-Experten den Ausstieg aus der Produktion von Verbrennungsmotoren bedeuten. Hier bevorzugt das Unternehmen allerdings einen Übergangszeitraum von zehn Jahren, um den damit verbundenen Beschäftigungsabbau abzufedern.

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