Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Continental Nanotechnologie, grüne Energie, Sensoren: So will Conti Tech unabhängiger vom Autogeschäft werden

Der neue Spartenchef Philip Nelles will mehr Investitionen denn je ins Industriegeschäft stecken. Doch Conti Tech muss auch Altlasten im Antriebsgeschäft abbauen.
12.07.2021 - 08:41 Uhr Kommentieren
Neben dem Einsatz in Maschinen im Fabrikumfeld könnten die Sensoren auch im Autobereich eine Rolle spielen Quelle: Continental
Sensoren

Neben dem Einsatz in Maschinen im Fabrikumfeld könnten die Sensoren auch im Autobereich eine Rolle spielen

(Foto: Continental)

Düsseldorf Seit fast sieben Jahren versucht Continental, sich vom Autogeschäft mit all seinen Zyklen und Schwankungen unabhängiger zu machen. Dafür sorgen soll die Industriesparte Conti Tech. Bis heute ist dieses Vorhaben allerdings misslungen.

Jetzt soll es der neue Vorstand von Conti Tech richten. Am 1. Juni hat Philip Nelles den langjährigen Chef Hans-Jürgen Duensing abgelöst, der in den Ruhestand gegangen ist.

Conti Tech entwickelt unter anderem Förderbänder für Rohstoffkonzerne, Schlauchleitungen für industrielle Anwendungen und Komponenten für den Antriebsstrang in Nutz- und Privatfahrzeugen. Mit einem Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro ist es zwar die kleinste Sparte im Konzern.

Dafür wirft das Industriegeschäft seit Jahren konstant hohe Gewinne ab: Im Corona-Geschäftsjahr 2020 lag die operative Marge (Ebit) bei starken 7,6 Prozent. Mittelfristig plant die Konzernführung um Conti-Chef Nikolai Setzer mit einer Marge von bis zu elf Prozent und einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von 20 Prozent – Werte, von der die Autoeinheit nur träumen kann.

Doch trotz der Profitabilität verharrt Conti Techs Anteil am Gesamtumsatz des Zulieferers seit 2015 bei weniger als 15 Prozent. Mit Industrievorstand Nelles passt Conti nun das Ziel an. „Wir verfolgen kein festgelegtes Ziel bezogen auf die Umsatzanteile“, sagt Nelles dem Handelsblatt in seinem ersten Interview als Conti-Tech-Chef. „Bereits heute erwirtschaften wir bei Conti Tech mehr als die Hälfte unseres Umsatzes mit Industriekunden.“ Am Ende solle die Balance zwischen Industrie- und Autogeschäft verbessert werden, um die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern.

Als Wachstumsfelder unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit nennt Nelles unter anderem das Geschäft mit Spezialfahrzeugen für die Land- und Bauwirtschaft sowie Oberflächenmaterialien. Auch die erneuerbaren Energien bieten Chancen. So liefert Conti Tech beispielsweise Komponenten und Softwarelösungen für die Windkraftwirtschaft.

Nelles will die bisherige Strategie verändern

Um die „Balance“ zu verbessern, will Nelles jetzt mehr Geld in das reine Industriegeschäft stecken. „Die Investitionen in die Vernetzung von Anlagen und Prozessen sowie in die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Industrie 4.0 werden wir erhöhen“, sagt er.

Es wäre eine Anpassung der bisherigen Strategie. Bislang liegt die Investitionsquote bei Conti Tech bei knapp drei Prozent. Für Forschung und Entwicklung stellt der Konzern der Industriesparte sogar noch weniger Mittel zur Verfügung. Keine andere Sparte investiert so wenig wie Conti Tech.

Die Fahrzeugindustrie prägt nach wie vor das Geschäft von Continental. Quelle: Continental
Zahnriemen-Fertigung

Die Fahrzeugindustrie prägt nach wie vor das Geschäft von Continental.

(Foto: Continental)

Insgesamt soll das Industriegeschäft von Continental digitaler werden, auch die internen Prozesse. Dafür hat sich der Zulieferer mit einer unbekannten Summe am israelischen Start-up Feelit beteiligt. Das fertigt „aufklebbare“ Sensoren, die vorausschauende Wartungen von Industrieanlagen und Maschinen ermöglichen. „Die Minderheitsbeteiligung am israelischen Sensor-Start-up Feelit hilft uns dabei, bestehende Produkte von Conti Tech zu digitalisieren“, sagt Nelles.

Der Sensor des 2017 gegründeten Unternehmens besteht aus Nanomaterialien und wird ausgedruckt. Er kann an statischen und rotierenden Maschinenteilen angebracht werden. Er misst neben der Dehnung auch Temperatur, Vibration und Druck. Der Sensor sei eine Art „elektronische Haut“, schreibt Conti in einer Mitteilung zu der Beteiligung an Feelit.

Die Sensortechnologie soll 50-mal empfindlicher sein als aktuell verfügbare Sensoren. Eine bestehende Anlage, die bislang kaum Daten generiert hat, sendet mithilfe des Sensors Informationen zum Materialbestand, der Kapazitätsauslastung oder den eigenen Zustand.

Neben dem Einsatz in Maschinen im Fabrikumfeld könnten die Sensoren auch im Autobereich eine Rolle spielen. In Batteriekühlsysteme von Elektrofahrzeugen integriert könnten die Sensoren die Lebensdauer der Batterien und die Reichweite der Fahrzeuge erhöhen.

Auch beim Übergang in Richtung rein batterieelektrische Antriebe will die Industriesparte profitieren. Diese benötigen Leitungssysteme, die Conti Tech fertigt, um Batterien und Fahrzeugcomputer zu kühlen. Nelles geht deswegen davon aus, dass Conti Techs Umsatzanteil pro Fahrzeug mit Elektroautos steigen werde.

„Prüfen Optionen für Verbrenner-Geschäft“

Auf der anderen Seite muss Conti Tech eine Lösung für seine „Altlasten“ finden. Denn auch Komponenten für den Verbrennungsmotor zählen zum Produktportfolio der Industriesparte. Außerdem beliefert Conti Tech weiterhin Kunden aus der Kohle- und Ölförderbranche mit Förderbändern, was nicht zum selbst verordneten ökologischen Fokus passt. „In der Kohleindustrie gibt es Ausstiegsmodelle, die politisch entschieden werden. Und entlang dieser Ausstiegsszenarien befinden wir uns in engem Austausch mit unseren Kunden“, erklärt Nelles diesen Spagat zwischen Alt- und Neugeschäft.

Im Antriebsbereich wiederum sieht Nelles zwar keine große Abhängigkeit vom Verbrennergeschäft. „Unser Portfolio ist größtenteils antriebsartunabhängig“, sagt Nelles. „Es gibt zudem Komponenten, die wir als transferierbar einstufen“ – also Komponenten, die jetzt noch stark vom Verbrenner abhängig seien, aber auch in einer elektrifizierten Antriebszukunft von Bedeutung sein würden. Conti Tech setzt zudem auf wasserstoffbasierte Antriebe und hofft, hier bestehende Verbrennertechnologien einsetzen zu können.

Der Manager will das Industriegeschäft digitalisieren. Quelle: Continental
Philip Nelles

Der Manager will das Industriegeschäft digitalisieren.

(Foto: Continental)

Dennoch: Für Komponenten wie Ölpumpen, Abgasrückführungssysteme, Kraftstoffleitungen und Getriebeölkühlungsleitungen muss Nelles eine Lösung finden. Der Markt für diese verbrennerspezifischen Komponenten ist mit Blick auf das kommende Verbrennerverbot in Europa bereits in Bewegung. Unternehmensübernahmen und -verkäufe nehmen zu. Finanzinvestoren und kleinere Zulieferer sondieren den Markt.

Auch die sogenannte Best Owners Group, ein gewerkschaftlich initiierter Fonds, der sich auf die Übernahme von Zulieferern oder Zulieferersparten mit Verbrennerfokus spezialisiert hat, will noch in diesem Jahr auf Einkaufstour gehen.

„Wir prüfen kontinuierlich die Optionen für das verbliebene Geschäft mit Komponenten für den Verbrennungsmotor“, sagt Nelles. In der Vergangenheit seien bei Conti Tech immer wieder Investitionen aber auch Desinvestitionen getätigt worden. Konkrete Pläne für einen Verkauf dieser Sparten gäbe es nicht. Aber: „In Strategiesitzungen werden Desinvestments in diesem Bereich grundsätzlich diskutiert.“

Mehr: Autonome Maschinen, Algorithmen, Roboter: Die intelligente Fabrik geht in die nächste Phase

Startseite
Mehr zu: Continental - Nanotechnologie, grüne Energie, Sensoren: So will Conti Tech unabhängiger vom Autogeschäft werden
0 Kommentare zu "Continental: Nanotechnologie, grüne Energie, Sensoren: So will Conti Tech unabhängiger vom Autogeschäft werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%