Continental Spin-off: Vitesco-Chef Andreas Wolf erteilt E-Fuels eine Absage
Der Vitesco-Chef will bereits im kommenden Jahr Geld mit dem Elektromobilitätsgeschäft verdienen.
Foto: VitescoDüsseldorf. Mit seinem Vorstoß, das Verbrenner-Aus im Jahre 2035 in der Europäischen Union infrage zu stellen, wähnt Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) die deutsche Autoindustrie hinter sich. Denn egal ob Autohersteller oder Zulieferer, das meiste Geld wird in der Branche noch immer mit dem Verbrenner verdient, nicht mit der Elektromobilität.
Geht es nach Wissing, sollen auch nach dem Stichjahr Autos mit Verbrennungsmotor in Europa zugelassen werden. Diese sollen dann mit sogenannten E-Fuels, also synthetischen Kraftstoffen, betankt werden.
Doch Wissings Plan stößt in der Autoindustrie offenbar auf weniger Zustimmung als angenommen. Autozulieferer Vitesco, der aus der Antriebssparte von Continental hervorgegangen ist, setzt voll auf Elektromobilität. „E-Fuels werden auch nach 2035 für die Autoindustrie keine Rolle spielen“, sagte Vitesco-Chef Andreas Wolf bei der Vorlage der Jahreszahlen des Zulieferers. Neben Vitesco haben sich auch die meisten Autohersteller zur Elektromobilität bekannt. So hatte zuletzt Audi-Chef Markus Duesmann im Interview mit dem Handelsblatt das Verbrenner-Aus bei Audi bestätigt.
„Ich kenne die Motivation von Bundesverkehrsminister Volker Wissing nicht. Aber er wird seine Gründe haben“, sagt Wolf im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir haben E-Fuels hinsichtlich der Energieeffizienz und der Praktikabilität untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass synthetische Kraftstoffe für Vitesco keine strategische Bedeutung haben werden.“
Die Aussagen von Wolf sind insofern bemerkenswert, als dass der Antriebszulieferer nach wie vor stark von seinem Verbrenner-Geschäft abhängig ist. Der Bereich hat unterm Strich einen Gewinn von 321,4 Millionen Euro geschrieben, während das Geschäft mit Elektro-Komponenten trotz eines Umsatzanstiegs von fast 18 Prozent immer noch 270,3 Millionen Euro Verlust gemacht hat.
Insgesamt betrug der Gewinn vor Zinsen und Steuern 143,3 Millionen Euro, bei einem Umsatz von knapp 9,1 Milliarden Euro. Die Einnahmen sind im Jahresvergleich um 8,6 Prozent gestiegen. Die Gewinnmarge vor Steuern ist dürftig. Sie lag bei gerade einmal 1,1 Prozent. Für den Vitesco-Chef hat sich das vergangene Geschäftsjahr dennoch persönlich ausgezahlt. 2022 hat sich seine Gesamtvergütung mehr als verdreifacht auf 3,5 Millionen Euro.
Elektromobilität soll bereits 2024 profitabel sein
Dass Vitesco mit der Elektromobilität Verluste schreibt, liegt auch an den massiven Investitionen in diesen Bereich. So hat das Unternehmen im vergangenen Jahr gemessen am Umsatz der Sparte rund 35 Prozent für Forschung und Entwicklung ausgegeben.
In der Pressekonferenz zu den Jahreszahlen hebt Wolf die Auftragslage hervor. Demnach beträgt Vitescos Auftragsbestand 58,5 Milliarden Euro. 46 Prozent davon, also 26,9 Milliarden Euro, sind Aufträge aus dem Elektrifizierungsbereich. Dieser beinhaltet sowohl Komponenten für reine Elektroautos als auch für Plug-in-Hybride.
In Vitescos Plänen spielt der Verbrennungsmotor langfristig keine Rolle mehr. Wolf zeigt sich daher verwundert über den Vorstoß von BMW, weiter in die alte Antriebsform zu investieren. „Einen Markttrend, dass der Verbrenner länger erhalten bleibt, sehen wir nicht. Aus unserer Sicht ist es kein tragfähiges Konzept, weiter in den Verbrennungsmotor zu investieren“, sagt der Vitesco-Chef.
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Der Antriebszulieferer plant bereits im kommenden Jahr damit, erstmals Geld mit der Elektromobilität zu verdienen. Nach 2026 könnte das Geschäft zudem der größte Umsatzbringer im Konzern werden. Den größten Umsatzanteil bei Vitesco macht Asien aus. „Wir folgen der Marktentwicklung. Und im Bereich der Elektromobilität ist China einer der wichtigsten und am schnellsten wachsenden Märkte weltweit“, sagt Wolf.
Auch in den USA sieht Wolf Potenzial, nachdem die US-Regierung mit dem Inflation Reduction Act ein attraktives Subventionsprogramm für die Autoindustrie geschnürt hat. „Wir schauen uns derzeit an, wie wir uns zum Inflation Reduction Act in den USA positionieren. Eine Möglichkeit wäre, die Kapazitäten in den USA auszubauen. Dazu werden wir zeitig eine Entscheidung treffen“, sagt er.