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Corona-Impfstoff Biontech und Pfizer schließen Milliarden-Deal mit den USA

Die US-Regierung hat für knapp zwei Milliarden Dollar über 100 Millionen Dosen eines potenziellen Corona-Impfstoffs bei Biontech und Pfizer bestellt.
22.07.2020 Update: 22.07.2020 - 16:16 Uhr Kommentieren
Biontech und Pfizer haben den Impfstoff-Kandidaten BNT162b1 entwickelt, der in frühen Studien zur Bildung von Antikörpern und T-Zellen bei den Probanden führte. Quelle: dpa
Biontech-Labor

Biontech und Pfizer haben den Impfstoff-Kandidaten BNT162b1 entwickelt, der in frühen Studien zur Bildung von Antikörpern und T-Zellen bei den Probanden führte.

(Foto: dpa)

Frankfurt Zwei Tage nach dem Vertragsabschluss mit Großbritannien haben die Mainzer Biotechfirma Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer einen weiteren, noch weitaus größeren Liefervertrag für ihr potenzielles Covid-19-Vakzin mit der US-Regierung geschlossen.

Die Unternehmen werden demnach für 1,95 Milliarden Dollar zunächst 100 Millionen Einheiten des Impfstoffs an das US-amerikanische Gesundheitsministerium liefern, sobald der Impfstoff eine Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten hat und genügende Mengen produziert worden sind. Der Biontech-Impfstoff soll gegebenenfalls der amerikanischen Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Der US-Regierung wird zugleich die Möglichkeit eingeräumt, bis zu 500 Millionen weitere Einheiten zu erwerben. Insgesamt 300 Millionen Einheiten sollen 2021 geliefert werden. Biontech und Pfizer könnte somit allein das US-Geschäft mit dem Covid-19-Impfstoff einen höheren einstelligen Milliardenerlös einbringen. Großbritannien hatte bereits am Montag 30 Millionen Impfstoffdosen bei Biontech und Pfizer bestellt.

Der große Deal mit dem US-Gesundheitsministerium gibt einen weiteren Hinweis auf die möglichen Preise für Covid-19-Impfstoffe. Im Falle der geplanten Lieferungen von Biontech und Pfizer an die US-Regierung liegt der Preis bei knapp 20 Dollar je Impfstoffeinheit. Mit der US-Biotechfirma Novavax hatte die US-Regierung vor wenigen Tagen einen Deal im Volumen von 1,6 Milliarden Dollar für ebenfalls rund 100 Millionen Impfstoffeinheiten vereinbart. Das entspricht 16 Dollar je Einheit. Die Preise für weitere Impfstoffmengen dürften allerdings niedriger sein als die für die Anfangsbestellungen.

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    Die Biontech-Aktie reagierte im Frankfurter Handel auf die Meldung mit einem weiteren Kursplus von rund sieben Prozent. Die Bewertung des Biotechunternehmens stieg damit auf mehr als 19 Milliarden Euro.

    Globaler Wettlauf um die Impfstoff-Versorgung

    Biontech und Pfizer landen mit dem Vertrag den bisher größten Deal im Bereich der Covid-19-Impfstoffversorgung. Die beiden Unternehmen wollen noch im laufenden Jahr rund 100 Millionen Einheiten ihres Impfstoffs produzieren und im kommenden Jahr bis zu 1,3 Milliarden Einheiten. Die Kapazitäten würden damit ausreichen, um über die USA hinaus noch weitere Staaten zu versorgen.

    Inzwischen hat sich ein globaler Wettlauf um die Versorgung mit Covid-19-Impfstoffen entwickelt. Viele Regierungen verhandeln über Verträge mit den Impfstoffentwicklern, obwohl bisher noch nicht klar ist, ob und welche Impfstoffe tatsächlich Schutz vor einer Corona-Infektion bieten und zugelassen werden.

    Im Zuge dieser Strategie vereinbarten Deutschland, Italien, Frankreich und die Niederlande Mitte Juni bereits die Lieferung von 400 Millionen Einheiten eines potenziellen Impfstoffs, an dem die britische Universität Oxford in Kooperation mit dem Pharmakonzern Astra-Zeneca arbeitet.

    Einem Bericht der Agentur Reuters zufolge ist die EU in fortgeschrittenen Gesprächen mit fünf Impfstoffentwicklern über größere Liefermengen. Zum Kreis der Lieferanten gehören demnach die Pharmariesen Sanofi und Johnson & Johnson, die deutschen Biotechfirmen Biontech und Curevac sowie die US-Biotechfirma Moderna. Die US-Regierung will im Rahmen ihrer Operation „Warp Speed“ bis Ende des Jahres 300 Millionen Einheiten an Covid-19-Impfstoffen beschaffen.

    Biontech machte deutlich, dass Verträge mit weiteren Ländern folgen dürften. „Wir befinden uns ebenfalls in fortgeschrittenen Gesprächen mit zahlreichen anderen Regierungen und hoffen, bald weitere Lieferabkommen bekanntgeben zu können. Unser Ziel ist es, vielen Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich einen sicheren und wirksamen Covid-19-Impfstoff zur Verfügung zu stellen“, erklärte Firmenchef und -mitgründer Ugur Sahin.

    Zulassungsverfahren für Oktober geplant

    Zugleich bekräftigte das Mainzer Unternehmen einmal mehr das Ziel, den eigenen Impfstoffkandidaten BNT162 erfolgreich durch die klinischen Tests zu bringen und auf dem Markt einzuführen. Man sei weiterhin im Zeitplan und könne noch in diesem Monat mit einer Phase-2b/3-Sicherheits- und Wirksamkeitsstudie beginnen. Ist diese erfolgreich, wollen Biontech und Pfizer bereits im Oktober eine Zulassung beantragen.

    Anfang der Woche hatten Biontech und Pfizer Daten aus einer deutschen Studie mit 60 Teilnehmern publiziert, wonach ihr Impfstoff solide Immunreaktionen bei den Teilnehmern auslöste. Sowohl die Bildung von Antikörpern als auch die Aktivierung von T-Zellen gegen das Coronavirus wurden demnach bei den Probanden deutlich angeregt. Vor allem Letzteres gilt als wichtig, um eine dauerhafte Immunisierung zu erreichen.

    Manche Analysten bewerten den potenziellen Impfstoff der Mainzer daher inzwischen als aussichtsreichsten Kandidaten unter den fortgeschrittenen Covid-19-Impfstoffprojekten. Insgesamt werden laut WHO mittlerweile zwei Dutzend Impfstoffkandidaten gegen Covid-19 klinisch getestet. Größere Studien laufen unter anderem bereits mit drei Impfstoffkandidaten von chinesischen Firmen und mit einem Impfstoffkandidaten, den die Universität Oxford und der britische Pharmariese Astra-Zeneca entwickeln.

    Biontech und Pfizer testen den eigenen mRNA-basierten Impfstoff in vier Varianten. Die beste der Varianten soll ab Ende Juli in einer großen, rund 30.000 Teilnehmer umfassenden Phase-3-Studie geprüft werden.

    Für zwei der Varianten hat die US-Zulassungsbehörde FDA bereits einen „Fast-Track-Status“ erteilt. Das bedeutet, dass sie in einem beschleunigten Verfahren zugelassen werden können. Branchenbeobachter spekulieren, dass die US-Regierung extrem an einer Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs noch vor der Präsidentenwahl im November interessiert ist.

    Die FDA fordert in ihren Leitlinien, dass ein solcher Impfstoff sicher sein muss und das Risiko einer Infektion oder eines schweren Krankheitsverlaufs um mindestens 50 Prozent reduziert.

    Mehr: Deutsch-britische Allianz: Biontech und Curevac auf dem Weg in die Weltspitze

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