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Corona-Krise Lanxess erwartet anhaltende Logistikprobleme in China

Das Virus belastet den Chemiekonzern, der Gewinn wird 2020 sinken. Konzernchef Matthias Zachert baut nun weiter um.
11.03.2020 Update: 11.03.2020 - 15:01 Uhr Kommentieren
Der Spezialchemieriese leidet unter schwachen Geschäften. Quelle: dpa
Lanxess

Der Spezialchemieriese leidet unter schwachen Geschäften.

(Foto: dpa)

Köln Vor wenigen Woche noch war Lanxess-Chef Matthias Zachert hoch erfreut über den stabilen Start ins neue Jahr. „Dann kam Corona, und wir müssen erkennen, dass diese Krise einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaft haben wird“, sagte der Vorstandschef des Kölner Spezialchemiekonzerns am Mittwoch. Allein die bisher absehbaren Probleme vor allem in China werden den Konzern in diesem Jahr 50 bis 100 Millionen Euro Gewinn kosten.

Mögliche Auswirkungen in Europa, wo sich das Virus rasant verbreitet, sind da noch nicht eingerechnet. Auf dem Heimatkontinent macht Lanxess noch immer die Hälfte des Gesamtumsatzes, der im vergangenen Jahr stabil bei 6,8 Milliarden Euro lag. In Italien, wo der Konzern 500 Millionen Euro Umsatz macht, stand eine Anlage am Standort Filago wegen der Infektion eines Mitarbeiters Anfang März für drei Tage still.

„Wir hoffen nicht, dass in Europa größere Produktionsanlagen stillgelegt werden müssten“, sagte Zachert. Man müsse sich aber auf alles vorbereiten und dürfe das Thema keinesfalls blauäugig betrachten. Die Prognose eines leicht auf 900 Millionen bis eine Milliarde Euro sinkenden Gewinns (bereinigtes Ebitda), habe man auf Basis der jetzt vorliegenden Fakten getroffen. 2019 lag der Wert stabil bei 1,01 Milliarden Euro.

Das bedeutet: Corona könnte schon jetzt bei Lanxess für einen Gewinnrückgang bis zu zehn Prozent sorgen. Zwar haben die Kölner nach der Produktionsunterbrechung in China die dortigen Anlagen wieder hochfahren können. Doch wie bei anderen Chemieunternehmen bremsen logistische Probleme in dem Land das Geschäft nachhaltig. Die Kapazitäten in den Transportketten zwischen Werken im Binnenland und den Häfen seien im Februar und März in China um 70 Prozent eingebrochen.

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    Diese Probleme werden nach Einschätzung von Zachert so schnell nicht gelöst werden – und dies betreffe die gesamte in China tätige Industrie. Denn dort stünden noch längst nicht wieder ausreichend logistische Kapazitäten für die Hersteller bereit. Folge: „Wir gehen davon aus, dass die Volumenrückgänge sich zweiten Quartal noch verschärfen und erst im dritten und vierten Quartal abflachen werden.“

    Hohe Nachfrage nach Desinfektionsmitteln

    Deswegen kann sich der Lanxess-Chef auch nur begrenzt darüber freuen, dass ein Geschäftsbereich deutlich von Corona profitiert. Der Konzern stellt Desinfektionsmittel her, die normalerweise vornehmlich zur Reinigung in der Tierhaltung eingesetzt werden. Nun wird das Mittel auch zur großflächigen Desinfektion von Flughäfen, Bahnhöfen und Büros verkauft.

    Die Nachfrage ist entsprechend riesig, das Lanxess-Werk in England produziert unter Volllast. Der Konzern versucht, die Kapazität dort kurzfristig mit Erweiterungsinvestitionen zu erhöhen. Das geschehe aber mehr aus einer gesellschaftlichen Verantwortung heraus, sagte Zachert, denn der Ergebnisbeitrag des Geschäfts sei über den Gesamtkonzern betrachtet gering.

    In dieser fragilen Situation will der CEO seine Strategie forcieren, nach der sich Lanxess auf margenstarken Spezialchemiegeschäfte mit viel Zukunftspotenzial und überschaubarer Größe konzentrieren soll. Am Mittwoch kündigte er dazu zwei neue Entscheidungen an.

    Zum einen wird sich Lanxess von der Lederchemie trennen, ein Geschäft mit etwas weniger als 200 Millionen Euro Umsatz und rund 450 Mitarbeitern. Es werfe zwar durchaus attraktive Margen ab, sei aber auf Dauer als Einheit zu klein, begründete Zachert den Schritt. Er favorisiert einen Verkauf, der bereits in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen werden soll.

    Zugleich kündigte der Lanxess-Chef Zukäufe an, die vor allem die neue Division Consumer Protection stärken sollen. Dieses Segment hat Lanxess im Zuge eines Konzernumbaus neu geschaffen. Es umfasst die Geschäfte mit Wirkstoffen für Arzneien und Agrarchemie, die industrielle Wasserreinigung sowie Materialschutz und Biozide, zu denen auch die Desinfektionsmittel zählen.

    All diese Märkte sind hoch reguliert und damit von neuen Konkurrenten ohne Erfahrung im Entwicklungs- und Zulassungsprozess nur schwer zu erobern. Der Markt für Biozide sei noch sehr fragmentiert, dort kann sich Zachert kleine bis mittelgroße Übernahmen vorstellen.

    Doch auch für größere Zukäufe soll Lanxess genug Mittel aufbringen können. Zachert will flexibel bleiben. Im zweiten Quartal fließen dem Konzern frische Mittel über 800 Millionen Euro aus diversen Teilverkäufen zu – etwa durch die Trennung vom 40-prozentigem Anteil am Chemieparkbetreiber Currenta.

    Elektroautos als Zukunftsgeschäft

    Das Geld soll zunächst zum Teil in einen Aktienrückkauf fließen, der binnen 24 Monaten das Volumen von rund 500 Millionen Euro erreichen könnte. Zachert unterstrich aber, dass man dieses Vorhaben immer wieder überprüfen werde. Gut möglich also, dass der Rückkauf geringer ausfällt, wenn das Geld für eine größere Akquisition benötigt wird.

    Kapital braucht Lanxess aber auch für den geplanten Vorstoß als Zulieferer für Batterien für Elektroautos. Die Kölner sehen in diesem Geschäft eine riesige Chance für gesamte deutsche Chemieindustrie – und sich selbst als bestens positioniert. So produziert Lanxess mehrere wichtige Chemikalien für die in den Batterien ablaufenden Prozesse.

    Den großen Durchbruch soll aber ein Projekt bringen, an dem der Konzern in den USA arbeitet: Es geht um die energiearme Herstellung von Lithium, dass für E-Auto-Batterien benötigt wird. Erste Testläufe seien positiv gewesen, nun werde sich im zweiten Quartal zeigen, ob sich eine Großinvestition in dieses Verfahren lohnt. Bis zu drei neue Werke könnte Lanxess für die Lithium-Produktion ins Auge fassen.

    „Die Neuausrichtung des Portfolios mache Lanxess widerstandskräftiger, was der Aktie Luft nach oben geben sollte“, kommentierte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank die aktuelle Entwicklung. Am Mittwoch gab die Aktie allerdings bis Mittag um 3,5 Prozent auf 41,6 Euro nach.

    Mehr: Diese Unternehmen sind die Gewinner der Coronakrise

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