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Corona-Pandemie Biontech schließt ersten Liefervertrag für Corona-Impfstoff – Aktie gewinnt stark

Das Pharmaunternehmen aus Mainz und der US-Konzern Pfizer wollen 30 Millionen Dosen an Großbritannien liefern. Die Biontech-Aktie macht einen Sprung.
20.07.2020 Update: 20.07.2020 - 11:32 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen hat eine Vereinbarung zur Lieferung von Impfstoff an Großbritannien geschlossen. Noch ist der Impfstoff aber nicht zugelassen. Quelle: Bloomberg
Zentrale von Biontech in Mainz

Das Unternehmen hat eine Vereinbarung zur Lieferung von Impfstoff an Großbritannien geschlossen. Noch ist der Impfstoff aber nicht zugelassen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die Mainzer Biotechfirma Biontech und ihr Partner Pfizer sehen sich weiter auf Kurs, noch im laufenden Jahr die ersten Impfstoffe gegen die Lungenkrankheit Covid-19 auszuliefern. Mit der britischen Regierung haben die beiden Unternehmen jetzt nach eigenen Angaben einen Vertrag über die Lieferung von 30 Millionen Einheiten geschlossen. Sie sollen 2020 und 2021 ausgeliefert werden.

„Diese Vereinbarung ist ein Beleg unseres gemeinsamen Ziels, noch vor Jahresende Millionen Dosen eines Impfstoffs gegen Covid-19 verfügbar zu machen“, erklärte Pfizer-Chef Albert Bourla am Montag zu dem Deal. Voraussetzung dafür ist, dass der von Biontech entwickelte Impfstoffkandidat BNT-162 eine große Phase-drei-Studie erfolgreich abschließen kann und eine Zulassung erhält.

Die beiden Unternehmen demonstrieren in dieser Hinsicht weiter deutliche Zuversicht. Bei erfolgreichem Verlauf der Studien gehe man davon aus, bereits im Oktober 2020 eine bedingte Markterlaubnis (Conditional Marketing Authorization) oder eine andere Form der behördlichen Genehmigung beantragen zu können, heißt es in einer Mitteilung. Biontech und Pfizer erwarten, dass sie abhängig von der in klinischen Studien ermittelten endgültigen Dosishöhe weltweit bis Ende 2020 bis zu 100 Millionen Dosen und bis Ende 2021 möglicherweise mehr als 1,3 Milliarden Dosen herstellen können.

Die Börse reagierte am Montagmorgen auf die Meldung mit einem weiteren Kursplus von gut acht Prozent, wodurch sich die Marktkapitalisierung von Biontech auf rund 17 Milliarden Euro erhöhte.

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    Der Impfstoff des Mainzer Unternehmens auf Basis von Botennukleinsäuren (mRNA) wird seit Ende April in einer kleineren Phase1/2-Studie in Deutschland und den USA getestet. Erste Zwischenresultate aus diesen Studien werden als Erfolg versprechend interpretiert. Sie zeigten, dass der Impfstoffkandidat BNT162b1 im Menschen neutralisierende Antikörpermengen bewirkt, die vergleichbar oder höher sind als die Level, die im Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten gemessen wurden. BNT162b1 ist dabei einer von insgesamt vier Produktvarianten, die Biontech und Pfizer in der Phase-1-Studie testen.

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    Mit der Variante, die die besten Resultate liefert, wollen die Unternehmen noch im laufenden Monat eine deutlich größere Phase-3-Studie mit rund 30.000 Teilnehmern starten, die dann die nötigen Daten für eine Zulassung liefern könnte. Für zwei der Varianten hat die US-Arzneimittelbehörde bereits die Möglichkeit eines beschleunigten Zulassungsverfahren eingeräumt.

    Wettkampf mit Moderna

    Die beiden Unternehmen befinden sich bei der Entwicklung eines Covid-Impfstoffs in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem US-Konkurrenten Moderna, der ebenfalls noch im Juli eine große Studie mit einem mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 starten will.

    Zeitlich etwas zurück liegt der dritte prominente RNA-Spezialist, die Tübinger Biotechfirma Curevac, an der sich jüngst die Bundesregierung mit 300 Millionen Euro beteiligte. Zudem engagierte sich nun im Rahmen einer Forschungsallianz auch der britische Pharmariese Glaxo-Smithkline (GSK) bei dem Unternehmen.

    Der Vertrag von Biontech und Pfizer mit der britischen Regierung untermauert die hohen Ambitionen der Impfstoffentwickler und zugleich den politischen Druck, eine Versorgung mit potenziellen Impfstoffen frühzeitig zu sichern. Viele Regierungen verhandeln inzwischen über Verträge mit Impfstoffentwickler, obwohl bisher noch nicht klar ist, ob und welche Impfstoffe tatsächlich Schutz vor einer Corona-Infektion bieten.

    So befinden sich auch Biontech und Pfizer nach Aussage von Biontech-Chef und -Mitgründer Ugur Sahin in fortgeschrittenen Gesprächen mit verschiedenen anderen Regierungen. Man hoffe, bald weitere Liefervereinbarungen bekanntgeben zu können, so Sahin. „Unser Ziel ist es, Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich einen sicheren und wirksamen Covid-19-Impfstoff zur Verfügung zu stellen.“

    Im Zuge dieser Strategien vereinbarten Deutschland, Italien, Frankreich und die Niederlande im Juni bereits die Lieferung von 400 Millionen Einheiten eines Impfstoffs, an dem die britische Universität Oxford in Kooperation mit dem Pharmakonzern Astra-Zeneca arbeitet. Auch die US-Regierung hat bereits mehrere Lieferverträge unterzeichnet, so etwa mit dem US-Biotechunternehmen Novavax und ebenfalls mit Astra-Zeneca.

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    Einem Bericht der Agentur Reuters zufolge ist die EU in fortgeschrittenen Gesprächen mit fünf Impfstoffentwicklern über größere Liefermengen. Zum Kreis der Lieferanten gehören danach die Pharmariesen Sanofi und Johnson & Johnson, die Biotechfirmen Biontech und Curevac sowie die US-Biotechfirma Moderna.

    Sie alle zählen zum Kreis der Firmen, denen Fachleute eine zügige Entwicklung eines Impfstoffs zutrauen und zugleich auch den schnellen Aufbau der nötigen Produktionskapazitäten. Beides sind erhebliche Herausforderungen. Denn für eine globale Impfaktion müssten im kommenden Jahr möglichst Milliarden an Impfstoffeinheiten zur Verfügung stehen. Einen derart schnellen Aufbau von Kapazitäten hat es in der Impfstoffindustrie bisher noch nie gegeben. Auch die Zeitpläne für die Entwicklung und Zulassungen der Impfstoffe sind extrem kurz.

    Insgesamt sind nach jüngsten Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen mehr als 160 Impfstoffe in Entwicklung, 23 davon werden bereits klinische getestet, das heißt an Menschen erprobt. Aber nur ein Dutzend dieser Projekte habe nach Einschätzung von Experten eine Chance, kommerziell eine größere Rolle zu spielen.

    Mehr: Glaxo-Smithkline steigt beim Tübinger Biotechunternehmen Curevac ein

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