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Corona-Therapie Neue Präparate wecken die Hoffnung auf die Anti-Covid-Pille für zu Hause

Antivirale Arzneien könnten künftig einfachere Therapien gegen Covid-19 ermöglichen. Aber die entscheidenden Studiendaten stehen noch aus.
16.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Merck & Co und sein Entwicklungspartner Ridgeback Therapeutics präsentierten Anfang der Woche für ihren Wirkstoff Molnupiravir positive Daten aus einer Phase-2-Studie. Quelle: AP
Merck

Merck & Co und sein Entwicklungspartner Ridgeback Therapeutics präsentierten Anfang der Woche für ihren Wirkstoff Molnupiravir positive Daten aus einer Phase-2-Studie.

(Foto: AP)

Frankfurt Die bisherigen Fortschritte bei der Behandlung von Covid-19 wirken im Vergleich zu den Erfolgen in der Impfstoff-Entwicklung eher bescheiden. Doch das Arsenal der Mediziner wächst und dürfte in den nächsten Monaten um weitere Antikörper-Präparate sowie entzündungshemmende Wirkstoffe erweitert werden.

Zudem wächst die Hoffnung, dass gegen Ende des Jahres auch erste Medikamente zur Verfügung stehen könnten, die als Tablette gegen Covid eingenommen werden können. Sie würden im Erfolgsfall den Vorteil bieten, dass sie frühzeitig die Virusvermehrung hemmen und von Patienten zu Hause eingenommen werden können. Allerdings müssen diese Medikamentenkandidaten ihre Qualität erst noch in größeren Phase-3-Studien beweisen.

Als Topkandidaten unter den neuen antiviralen Covid-Arzneien sind zwei Wirkstoffe im Rennen, die von den Pharmakonzernen Merck & Co und Roche jeweils in Kooperation mit kleineren Biotech-Partnern entwickelt werden.

Merck & Co, der außerhalb der USA unter dem Namen MSD auftritt, und sein Entwicklungspartner Ridgeback Therapeutics präsentierten Anfang der Woche für ihren Wirkstoff Molnupiravir positive Daten aus einer Phase-2-Studie. Studienteilnehmer, die innerhalb von sieben Tagen nach Symptombeginn mit Molnupiravir behandelt wurden, hatten danach ein deutlich vermindertes Risiko, zu sterben oder stationär behandelt werden zu müssen.

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    Eine Phase-3-Studie ist inzwischen angelaufen und könnte nach Angaben der Unternehmen im September oder Oktober Daten liefern. Die US-Regierung hat bereits vorab für 1,2 Milliarden Dollar eine größere Menge des Mittels bestellt. Sie soll für 1,7 Millionen Behandlungen ausreichen.

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    Der Pharmariese Roche und die Biotechfirma Atea veröffentlichten jüngst ebenfalls positive Daten für ihr Molekül AT-527. Der Zwischenauswertung einer Phase-2-Studie zufolge bewirkt das Mittel eine deutliche Reduktion der Viruslast. Erprobt wurde es dabei spätestens fünf Tage nach Symptombeginn. Innerhalb von 14 Tagen sorgte der Wirkstoff demnach bei 47 Prozent der behandelten Patienten für eine komplette Beseitigung des Virus, während dies nur bei 22 Prozent der Probanden in der Placebogruppe beobachtet wurde.

    „Eine derart potente Aktivität könnte zur schnelleren Gesundung von Patienten mit Covid-19 führen und gleichzeitig das Übertragungsrisiko minimieren“, kommentierte Atea-CEO Jean-Pierre Sommadossi die Resultate. Auch für dieses Produkt ist inzwischen eine größere Phase-3-Studie mit einer geplanten Teilnehmerzahl von knapp 1400 Personen angelaufen. Ergebnisse dürften hier ebenfalls im Spätsommer oder Herbst vorliegen.

    Mehr als 600 Wirkstoffe in der Entwicklung

    Bei beiden Wirkstoffen handelt es sich um sogenannte Protease-Hemmer, die bereits gegen andere Infektionskrankheiten eingesetzt werden. Sie blockieren ein Enzym, das das Coronavirus zur Vervielfältigung in der Zelle benötigt. Vergleichbare Wirksubstanzen werden bisher bereits mit Erfolg unter anderem gegen HIV und Hepatitis eingesetzt.

    An einem potenziellen Covid-Wirkstoff aus dieser Substanzklasse arbeitet auch der US-Konzern Pfizer. Von dessen Substanz mit der Bezeichnung PF-07321332 sind bisher noch keine größeren klinischen Daten bekannt. Pfizer-Chef Albert Bourla äußerte sich indessen bereits vor einigen Monaten zuversichtlich, dass der Wirkstoff gegen Jahresende eine Notfallzulassung erhalten könnte. Eine Phase-3-Studie mit mehr als 2200 Teilnehmern soll noch im Juli anlaufen und im Oktober erste Zwischenresultate liefern.

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    Insgesamt ist die Covid-Medikamenten-Forschung nach wie vor schwer überschaubar. Denn die Zahl der Studien und Projekte ist auch in jüngerer Zeit noch gewachsen. Einer Übersicht des amerikanischen Biotech-Industrieverbands BIO zufolge befinden sich weltweit aktuell 619 potenzielle Medikamente zur Behandlung von Covid-19 in der Entwicklung, darunter 243 antivirale Substanzen und 376 sonstige Medikamente. Etwa die Hälfte davon wird bereits klinisch getestet. Die Datenbank clinicaltrials.gov listet aktuell insgesamt 6160 klinische Studien aller Art im Bereich Covid-19 auf – rund ein Fünftel mehr als noch Ende März.

    Grund für die umfangreiche Forschungsaktivität ist der nach wie vor hohe Bedarf an besseren Therapien angesichts erneut steigender Infektionszahlen und einer weiterhin hohen Letalität der Krankheit. In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 91.000 Menschen an oder in Verbindung mit einer Covid-Infektion gestorben. Das entspricht 2,4 Prozent der offiziell registrierten Infektionen.

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    Weltweit fielen der Krankheit nach Daten der Johns-Hopkins-Universität gut vier Millionen Menschen zum Opfer, was gut zwei Prozent der offiziell erfassten Infektionsfälle entspricht. Die Letalität der Krankheit bezogen auf alle Infektionen (inklusive der unerkannten) wird vom RKI auf Werte zwischen 0,4 und 0,6 Prozent geschätzt.

    Eine zentrale Herausforderung bei der Covid-Behandlung ergibt sich daraus, dass verschiedene Stadien der Erkrankung unterschiedliche Interventionen erfordern und daher eine Einheitstherapie kaum in Sicht ist. Bei schweren Verläufen in fortgeschrittenen Stadien bringen antivirale Wirkstoffe nach bisherigen Untersuchungen praktisch nichts mehr für die Patienten. Hier geht es vielmehr darum, die Überreaktion des Immunsystems durch entzündungshemmende Medikamente zu bremsen. Als klinisch vorteilhaft haben sich für solche Fälle bisher vor allem das Kortisonpräparat Dexamethason, das Rheumamedikament Toicilizumab und der Einsatz von Gerinnungshemmern wie Heparin erwiesen.

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    Im frühen Stadium der Erkrankung dagegen wirken die Entzündungshemmer kontraproduktiv, weil sie das Immunsystem bremsen. Hier sind antivirale Substanzen gefragt. Bisher zeigten das Medikament Remdesivir von der US-Firma Gilead Sciences sowie mehrere Antikörper-Präparate von Regeneron/Roche, Eli Lilly sowie Glaxo-Smithkline (GSK) und Vir Pharmaceuticals in klinischen Studien positive Resultate in diesem Bereich.

    Bereits zugelassene Antikörperpräparate haben einen großen Nachteil

    Die europäische Arzneimittelagentur Ema hat im Rahmen ihrer kürzlich publizierten Therapeutika-Strategie, mit der sie die Zulassung und Vermarktung vielversprechender Covid-19-Medikamente unterstützen will, fünf Präparate aufgelistet, die bereits ein reguläres oder ein rollierendes Zulassungsverfahren durchlaufen.

    Darunter befinden sich ein weiteres entzündungshemmendes Mittel (Wirkstoff Baricitinib von Eli Lilly) sowie vier Antikörper-Wirkstoffe von Regeneron/Roche, Lilly, GSK/Vir und der koreanischen Firma Celltrion. Weitere fünf Wirkstoffkandidaten will die Ema in den kommenden Monaten in die Liste aufnehmen.

    Diese Antikörperpräparate sind in den USA durchweg schon per Notfallzulassungen für den klinischen Einsatz genehmigt und werden teilweise auch in Europa bereits im Rahmen von Heilversuchen oder auf Basis nationaler Sondergenehmigungen eingesetzt. Es handelt sich dabei um komplexe, biotechnisch hergestellte Proteine, die gezielt am Spike-Protein des Sars-CoV-2-Virus andocken. Ein Nachteil dieser Medikamente besteht darin, dass sie einerseits möglichst frühzeitig eingesetzt werden sollten, aufgrund ihrer komplizierten Molekülstruktur aber nur per Infusion verabreicht werden können.

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    Darauf sind viele Gesundheitssysteme kaum eingestellt. Denn es müssten dazu im Prinzip in großem Stil Covid-Patienten mit noch milden Symptomen in einer hochinfektiösen Phase der Erkrankung in den Kliniken behandelt werden. Die neuen antiviralen Medikamente versprechen in dieser Hinsicht einen wesentlichen Vorteil, weil sie als Tablette eingenommen werden können und den betroffenen Patienten daher eine Covid-Therapie im eigenen Heim ermöglichen.

    Neben den Wirkstoffen von Roche, Merck & Co und Pfizer befinden sich zahlreiche weitere solcher antiviralen Produkte in früheren Phasen der Entwicklung, darunter auch Produkte von deutschen Firmen wie Boehringer Ingelheim, die einen inhalierbaren Antikörper testet, oder der Tübinger Biotechfirma Atriva, die an einem Wirkstoff arbeitet, der einen zellulären Mechanismus für die Virusvermehrung blockiert. All diese Projekte dürften kaum vor 2022 in zulassungsrelevante Studien gehen.

    Mehr: Was die Delta-Variante für neue Symptome auslöst

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