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Coronakrise Autoabsatz in der EU bricht im April um 76 Prozent ein

In der Coronakrise ist der Automarkt in der Europäischen Union fast zum Erliegen gekommen. Im April kamen lediglich rund 271.000 Neuwagen auf die Straßen.
19.05.2020 - 08:38 Uhr 1 Kommentar
In den besonders stark von der Corona-Krise gebeutelten Ländern Italien und Spanien fiel der Einbruch am stärksten aus. Quelle: AP
Autohändler in Mailand

In den besonders stark von der Corona-Krise gebeutelten Ländern Italien und Spanien fiel der Einbruch am stärksten aus.

(Foto: AP)

Hamburg, Brüssel Die Coronakrise hat am europäischen Automarkt für einen historischen Rückgang gesorgt. Im April kamen in der EU 270.682 Neuwagen auf die Straßen, das waren 76 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie der europäische Herstellerverband ACEA am Dienstag in Brüssel mitteilte. Dies sei der stärkste monatliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen.

Grund war der fast vollständige Stillstand sowohl der Autoproduktion als auch des Autohandels zur Eindämmung der Pandemie. Im Mai dürfte sich die Lage etwas entspannen, da die meisten Länder die erlassenen Beschränkungen lockern. Branchenvertreter und Beratern halten ein Konjunkturprogramm für notwendig, um die Nachfrage wieder anzukurbeln.

Am stärksten sank der Absatz im April in den vom Coronavirus besonders stark getroffenen Ländern Südeuropas. In Italien und Spanien brachen die Neuwagenverkäufe um rund 97 Prozent ein. In Skandinavien dagegen, wo die Einschränkungen des öffentlichen Lebens weniger stark waren, sank der Absatz lediglich um etwa ein Drittel. In Deutschland schrumpfte er um fast zwei Drittel.

Bei den deutschen Herstellern verzeichnete der VW-Konzern mit all seinen Fahrzeugmarken im April einen Rückgang von 72,7 Prozent. Bei Daimler war das Minus mit 78,8 Prozent noch etwas größer, während der Einbruch bei BMW gegenüber dem Vorjahresmonat bei 65,3 Prozent lag. Die französischen Autobauer Renault und PSA büßten jeweils rund 80 Prozent ein, der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler sogar fast 90 Prozent.

Die Lockerungen in vielen Ländern werden sich nach Meinung von Experten allerdings noch nicht in höheren Verkaufszahlen niederschlagen. „Dass nun die Autohäuser in vielen Ländern wieder geöffnet haben, hat einen gewissen stabilisierenden Effekt“, sagt Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. „Es führt aber nicht dazu, dass die Kunden wieder in Scharen in die Showrooms strömen“.

Viele Menschen machten sich Sorgen um ihren Job oder seien bereits arbeitslos. Auch bei den gewerblichen Zulassungen rechnet Fuß weiter mit starken Einbußen, da die Umsatzrückgänge viele Firmen zum Sparen zwingen.

Angesichts des schlechten Konsumklimas sei eine rasche Entscheidung über ein Konjunkturprogramm nötig, forderte Fuß. Seiner Ansicht nach sollte es eine Kaufprämie geben, um den Autoabsatz anzukurbeln. Diese Forderung, die auch von der Branche selbst vertreten wird, ist umstritten.

Kritiker glauben, dass der Effekt – wie bei der Abwrackprämie unmittelbar nach der Finanzkrise – verpuffen und die Probleme lediglich ins nächste Jahr verschieben würde, da ohnehin geplante Autokäufe vorgezogen würden. Die aktuelle Diskussion über eine Kaufprämie führt zudem dazu, dass potenzielle Käufer abwarten.

Hohe Überkapazitäten

Bei den Elektroautos, deren Zulassungen dank staatlicher Hilfen in vielen Ländern auch in der Coronakrise stiegen, dürfte der Boom ausgebremst werden, schätzt Fuß. „In diesem Segment sind es allerdings derzeit in erster Linie die Produktionsunterbrechungen und daraus resultierende Lieferengpässe, die die Neuzulassungen bremsen.“

Für viele E-Modelle liege noch eine hohe Zahl an Bestellungen vor. Mittelfristig werde sich die Konjunkturkrise aber auch auf die Orders für Elektroautos niederschlagen, aber voraussichtlich weniger stark als bei Volumenmodellen.

Fuß geht davon aus, dass die Krise der Automobilindustrie und ihren vielen Lieferanten länger zusetzen wird: „Die Branche wird mittelfristig mit massiven Überkapazitäten umgehen müssen, denn auch im kommenden Jahr werden wir noch mit den konjunkturellen Nachwehen der Krise kämpfen - selbst wenn die Pandemie dann vorüber sein sollte.“

Weltweit fällt der Autoabsatz derzeit rasant. In den USA, wo die Viruskrise gerade ihre volle Wucht entfaltet, sanken die Verkäufe im April um 47 Prozent. Nach Angaben des deutschen Verbandes der Automobilindustrie gingen die Verkäufe von Personenwagen dort stärker zurück als bei leichten Nutzfahrzeugen, zu denen die in Amerika beliebten Pick-ups gehören.

In Brasilien, wo das Virus ebenfalls grassiert, brach der Absatz um 77 Prozent ein. Einziger Lichtblick ist China, wo sich der Pkw-Markt nach der Coronakrise inzwischen erholt.

Mehr: Der Einbruch des VW-Absatzes offenbart das Drama der Autobranche

  • rtr
  • dpa
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1 Kommentar zu "Coronakrise: Autoabsatz in der EU bricht im April um 76 Prozent ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist völlig widersinnig, eine Automobilfirma wie Volkswagen, die das Massenauto für den kleinen Mann, den Golf8, nun für wahnwitzige 20000 EUR in der Grundausstattung verkaufen will (25000 mit Alufelgen und Ledersitzen), statt 18000 zuvor und 15000 beim alten Modell, mit Staatsgeldern und Kaufzuschüssen wieder kaufbar für den normalen Bürger zu machen.
    Die Firmen müssen merken, daß sie mit iher Preisgestaltung unerschwinglich und unrentabel geworden sind, und wieder Produkte für die Kunden bauen, nicht für irgendwelche Vorstandsvorsitzenden.
    Zumal ein modernes Auto wie der Golf8 schon im Auslieferungszustand von Eektronikproblemen geplagt wird, mit unbedienbarem Touch-Display statt Knöpfen daher kommt, und im Defektfall unreparabel ist, also eine deutlich verringerte Nutzungsdauer gegenüber den Altautos hat, man redet von 7 Jahren statt 25 Jahren.
    Die Autos sind ihr Geld nicht wert, da soll und darf der Staat nicht mit unserem Geld die Profite der Firmen retten.

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