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Coronakrise Leoni kämpft ums Überleben – und braucht Hunderte Millionen Euro an Staatshilfen

Der Autozulieferer braucht staatliche Garantien für neue Bankdarlehen. Der Bund und der Freistaat Bayern sollen zu 90 Prozent dafür bürgen.
30.03.2020 - 11:59 Uhr 1 Kommentar
Corona: Leoni braucht mehrere hundert Millionen Euro an Staatshilfen Quelle: dpa
Leoni

Der Kabelspezialist und Autozulieferer kämpft um seine Existenz.

(Foto: dpa)

München Der angeschlagene Autozulieferer Leoni kann wegen der Coronakrise nur mit Staatshilfen überleben. „Wir benötigen Staatshilfen, um die Geschäftstätigkeit aufrechterhalten zu können“, sagte Vorstandschef Aldo Kamper am Montag. „Sonst laufen wir irgendwann ins Leere.“ Das fränkische Unternehmen benötige mehrere Hundert Millionen Euro Liquidität. Beim Prozess der Beantragung von Staatshilfen sei man schon weit fortgeschritten.

Konkret will Leoni Bankdarlehen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro aufnehmen. Im Rahmen eines Großbürgschaftsprogramms sollen Bund und Freistaat Bayern zu 90 Prozent dafür bürgen. „Leoni wird nicht das einzige Unternehmen sein, das auf Hilfen angewiesen sein wird“, sagte Kamper.

Der Bordnetz-Spezialist hatte sich vor einigen Wochen, bevor die Coronakrise voll durchschlug, mit den Banken auf einen Sanierungskurs und Liquiditätshilfen geeinigt. Kamper sieht es als Vorteil, dass das dafür erstellte Sanierungsgutachten dem Unternehmen die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit bescheinigte. Damit sei der Beleg erbracht, dass die aktuellen Probleme auch tatsächlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen seien. Der erfahrene Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems soll als Chief Restructuring Officer bei der Umsetzung helfen.

Die gesamte Zuliefererbranche ist in starkem Maße von der Coronakrise betroffen. Die großen Autobauer haben in vielen Werken die Produktion eingestellt, in der Folge mussten auch die Zulieferer Werke dichtmachen. Doch ist die Situation für Leoni deutlich heikler: Denn das fränkische Unternehmen war schon vor der Coronakrise aus eigenem Verschulden in Existenznot geraten. Der Konzern war zu schnell gewachsen, der Anlauf eines neuen Werks in Mexiko wurde zum Fiasko.

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    So hatte Leoni im vergangenen Jahr einen Verlust von 435 Millionen Euro gemacht. Der Free-Cashflow war mit einem Minus von 308 Millionen Euro negativ. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro.

    Kamper sah das Unternehmen mit dem Restrukturierungsprogramm „Value21“ auf gutem Kurs. Doch wegen Corona sind nun die Planungen erst einmal über den Haufen geworfen. Für 2020 hatte Leoni ursprünglich einen moderaten Umsatzzuwachs erwartet. Operativ wollte das Unternehmen vor Sonderbelastungen zudem wieder in die Gewinnzone kommen. Die Belastungen durch die Coronakrise wollte Kamper noch nicht beziffern. Man gehe jedoch von „deutlich negativen Abweichungen gegenüber der ursprünglichen Planung aus“.

    Werksschließungen und Kurzarbeit

    Eine Pleite von Leoni hätte für die gesamte Branche Konsequenzen gehabt. „In der Autoindustrie sind große Zulieferer wie Leoni durchaus systemrelevant“, meint ein Brancheninsider. Für komplexe Kabelbäume gebe es keine rasch verfügbaren Ersatzlieferanten.

    Als Reaktion auf die Coronakrise hatte Leoni Werksschließungen in Europa, Nordafrika und Amerika angekündigt – sowie die Einführung von Kurzarbeit in Deutschland. „Durch die schnelle Umsetzung dieser konsequenten Maßnahmen werden die Sach- und Personalkosten erheblich sinken“, hieß es.

    Bei Leoni hatte bereits vor der Coronakrise akuter Handlungsbedarf bestanden. Der Konzern musste im März Schuldscheindarlehen über 170 Millionen Euro zurückzahlen, im Gesamtjahr waren es insgesamt 195 Millionen Euro. Mithilfe eines sogenannten S6-Gutachtens gelang es Leoni, die Sanierungsfähigkeit nachzuweisen. Daraufhin einigte man sich mit den Banken auf Maßnahmen zur Deckung des Liquiditätsbedarfs. Diese erhöhten die Liquidität um mindestens 200 Millionen Euro.

    Das Paket sieht unter anderem eine Ausweitung der Factoring-Programme, Sale-and-Leaseback-Transaktionen von Vermögenswerten in Deutschland und China sowie die Umstrukturierung von bestehenden bilateralen Kreditlinien in eine neue Konsortialkreditlinie vor. Leoni verpflichtete sich, bis zur Rückzahlung der umstrukturierten Kreditlinien keine Dividende auszuschütten. Wegen Corona reichen die vereinbarten Maßnahmen nun nicht mehr aus.

    Schon vor der Krise hatte Kamper angekündigt, die Kabelsparte abzuspalten. Künftiges Kerngeschäft sollen dann die Bordnetze sein. Allerdings dürfte es im aktuellen Umfeld schwer sein, einen Käufer zu finden, räumte Kamper ein.

    Mehr: Notruf im Autoland: „Die schlimmste Krise der Automobilindustrie“

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    1 Kommentar zu "Coronakrise: Leoni kämpft ums Überleben – und braucht Hunderte Millionen Euro an Staatshilfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich habe bis vor ein paar Monaten selbst noch bei Leoni gearbeitet.
      Leoni ist ein Unternehmen ohne Strukturen und Misswirtschaft. Da darf es dann auch nicht verwundern, wenn ein paar Millionen in "Leoni-Sumpf" verschwinden. Es fehlen Kontrollorgane, jeder Bereich und auch Werke agieren autark und losgelöst von der Muttergesellschaft vor sich hin. Stattdessen gibt man sich ignorant gegenüber Veränderungen. Hier wird Kapital regelrecht „verbrannt“.

      Gerade jetzt in der Corona-Krise gibt es viele gesunde, gut wirtschaftende Unternehmen die auf
      Staatshilfen angewiesen sind. In Leoni würde ich persönlich aber keinen Euro investieren !

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