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Covestro-Chef im Interview „Hoffentlich ein großer Tag für freien und fairen Welthandel“

Covestro spürt keine Einbußen durch Handelskonflikt oder China-Schwäche. CEO Markus Steilemann prophezeit ein starkes Jahr und setzt auf politische Entspannung.
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Der Chef des Das-Konzerns rechnet trotz Handelsstreit mit einem starken Geschäftsjahr. Quelle: dpa
Markus Steilemann

Der Chef des Das-Konzerns rechnet trotz Handelsstreit mit einem starken Geschäftsjahr.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Handelskonflikt zwischen den USA mit Europa und China hat das Geschäft des Kunststoffherstellers Covestro bisher nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Der Dax-Konzern zeigt sich optimistisch und schraubte am Donnerstag seine Prognosen für das Jahr 2018 hoch.

Der neue Konzernchef Markus Steilemann setzt auf eine Entspannung in den geopolitischen Konflikten. „Ich hoffe, dass gestern ein großer Tag für freien und fairen Welthandel war“, sagte er dem Handelsblatt mit Blick auf die Annäherung zwischen der EU und den USA in Handelsfragen am Mittwochabend.

Von neuen Handelsschranken wäre Covestro zwar wenig betroffen, weil der Konzern in allen Regionen der Welt lokal produziert und forscht. Doch eine deutliche Eintrübung der Weltwirtschaft durch einen ausgewachsenen Handelskonflikt würde auch das Leverkusener Unternehmen treffen.

Der Chemieverband VCI hatte sich vorige Woche zurückhaltend über die Aussichten für die Branchen geäußert und sprach von „stärkerem Gegenwind“. Laut Steilemann trifft das für Covestro nicht zu. „Wir sind sehr gut positioniert und sehen große Chancen in unseren Abnehmerbranchen.“

Von einem Ende des Gewinnwachstums, das viele Investoren bei Covestro fürchten, ist bisher tatsächlich nichts zu sehen. Im zweiten Quartal stieg der Konzernumsatz um zehn Prozent auf 3,9 Milliarden Euro und der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um 16 Prozent auf 985 Millionen Euro. Die Aktie legte bis zum Mittag um zwei Prozent auf knapp 82 Euro zu.

Ende des ersten Quartals hatten es Investoren als negatives Signal gedeutet, dass Covestro seine Prognose nicht erhöhte. Doch das hat der Konzern nun nachgeholt. Fürs Gesamtjahr wird nun ein Ebitda über dem Vorjahreswert von 3,4 Milliarden Euro erwartet. Rund zwei Milliarden Euro hat Covestro davon schon nach dem ersten Halbjahr in der Tasche.

Als stärkster Treiber erwies sich im zweiten Quartal wieder einmal das Chinageschäft, das um 17 Prozent zulegte. Von einer Schwäche in dem Land, wie sie derzeit manche Konzerne spüren, ist bei Covestro nichts zu hören. „Wir haben nie den Glauben an den chinesischen Markt verloren“, sagte Steilemann.

Übernahmen spielen noch keine große Rolle

Größter Abnehmer in China ist die Automobilindustrie. Covestro beliefert sie mit dem transparenten Kunststoff Polycarbonat, der vor allem bei E-Autos immer mehr Stahlteile ersetzt. Laut Steilemann wird dieser Kunststoff aber zunehmend auch in der Medizintechnik in China eingesetzt.

„Wir wollen unser Portfolio noch stärker in Richtung solcher Anwendungen bewegen, die weniger konjunkturabhängig sind“, sagt Steilemann. Dafür nimmt der Konzern Geld in die Hand: Die Investitionen in den Ausbau und Neubau von Anlagen sollen in den nächsten Jahren auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen.

Beim Thema Zukäufe bleibt Steilemann weiterhin vorsichtig. Sie seien im Segment Lacke, Klebstoffe, Spezialprodukte (CAS) denkbar, dabei gehe es um neue Technologien und Marktzugänge. Es seien aber eher Deals im kleineren bis mittleren Volumen angedacht. Übernahmen müssten zudem klaren Wert schaffen, was angesichts der hohen Kaufpreise in der Chemie schwierig sei.

Diese Bedingungen sprechen eher dagegen, dass Covestro beim Essener Spezialchemiekonzern Evonik vorstellig wird. Evonik will bis Jahresende den Verkauf seines Methacryl-Geschäfts abschließen, aus dem Kunststoff wird Plexiglas gemacht. Die Sparte mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro könnte Evonik rund 2,3 Milliarden Euro Verkaufserlös einbringen. Zu einem möglichen Interesse an dem Geschäft wollte sich Steilemann nicht äußern.

In der größten Sparte Polyurethane (PU) profitiert Covestro weiterhin von der Sondersituation im Markt: Die Nachfrage ist anhaltend stark und trifft auf ein limitiertes Angebot, weil die verfügbaren Produktionsanlagen ausgelastet sind. Das hat die Preise in die Höhe schießen lassen – und damit den Gewinn von Covestro als Weltmarktführer.

PU-Schäume werden in Polstern und Autositzen sowie als Dämm-Material verwendet. Im zweiten Quartal hat sich der Preisanstieg abgeflacht, allerdings weniger stark als erwartet. Steilemann geht davon aus, dass sich die Situation weiter normalisieren wird. „Wie stark und wie schnell dies passiert, ist aber nicht absehbar“, sagte er.

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