Creat übernimmt Biotest Deutsches Biotechunternehmen wird chinesisch

Die Unterschrift ist druckfrisch: Der chinesische Investor Creat hat sich mit der Eigentümerfamilie geeinigt, das Biotechunternehmen Biotest zu übernehmen. Die Hessen hoffen auf Finanzhilfen aus dem Reich der Mitte.
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Ein Angestellter in einem Werk von Biotest  Quelle: dpa
Biotest

Ein Angestellter im Schutzanzug arbeitet in der Abfüllstraße der Produktion in einem Werk von Biotest: Nun wird der Konzern aus Hessen chinesisch.

(Foto: dpa)

MünchenDie chinesische Investmentgruppe Creat hat sich mit dem Biotest-Mehrheitsaktionär auf die Grundzüge des Kaufs der hessischen Pharmafirma geeinigt. Die Eigentümerfamilie Schleussner habe sich vertraglich verpflichtet, ihren in der OGEL GmbH gebündelten Anteil von knapp 51 Prozent den Asiaten zu übertragen, teilte Biotest am Freitag mit. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen ohnehin die Transaktion. Die Mindestannahmeschwelle legte Creat mit 75 Prozent fest. Mit Schulden, Rückstellungen und Kassenbestand lassen sich die Chinesen Biotest knapp 1,3 Milliarden Euro kosten.

Biotest erhofft sich von den Chinesen vor allem finanzielle Unterstützung bei seiner Expansion. Creat-Chef Xu Wu kündigte an, die Biotest-Zentrale in Dreieich zu stärken und weitere Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Bereits im Vorfeld hatte er weitreichende Garantien gewährt. So sollen Firmennamen sowie Marken- und Produktnamen weitergeführt werden. Zudem soll an geltenden Betriebsvereinbarungen, bestehenden Tarifverträgen sowie der betrieblichen Mitbestimmung für einen Zeitraum von fünf Jahren festgehalten werden.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen
Biotest (2017)
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Das Biotechunternehmen aus Dreieich wird von chinesischen Investoren übernommen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte Biotest im April 2017 mit. Großaktionär Ogel, der bereit knapp über 50 Prozent an dem Unternehmen hält, unterstütze die Transaktion und werde seine Aktien andienen. Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für rund 944 Millionen Euro gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukten auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert.

Kuka (2016)
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Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie – und ein Vorzeigeunternehmen. Rund 4,6 Milliarden Euro hat der chinesische Hausgeräte-Hersteller Midea im Sommer 2016 für den Erwerb von Kuka auf den Tisch gelegt. Eine Investition, die sich zu lohnen scheint: So konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2016 neue Aufträge im Rekordwert von 3,4 Milliarden Euro verbuchen – dies entspricht einem Zuwachs von über 20 Prozent. Kuka hat weltweit rund 13.200 Mitarbeiter.

Krauss-Maffei (2016)
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Im Januar 2016 verkauft der Finanzinvestor Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

Koki & Hilite (2014)
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Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer Koki. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Avic übernimmt im selben Jahr einen weiteren Autozulieferer: Für 473 Millionen Euro kauft sich das chinesische Unternehmen bei Hilite ein.

Tailored Blanks (2013)
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Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Putzmeister (2012)
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Der Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde 2012 von Firmengründer Schlecht an den chinesischen Baumaschinen-Riesen Sany Heavy Industry verkauft. Die ließen sich die Übernahme des Weltmarktführers für Autobetonpumpen rund 320 Millionen Euro kosten.

Kiekert (2012)
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Noch ein Weltmarktführer in chinesischer Hand: Der Autozulieferer Kiekert wird 2012 vom Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernommen. Das Unternehmen ist der Erfinder der Zentralverriegelung und Spezialist für Autoschlösser.

Die Stammaktionäre sollen wie angekündigt 28,50 Euro je Anteilsschein erhalten, die Vorzugsaktionäre 19 Euro. Neben der Familie Schleussner sind die Kreissparkasse Biberach mit gut 15 Prozent sowie die BW Invest Baden-Württembergische Investmentgesellschaft mit mehr als als sieben Prozent weitere Großaktionäre. Die Vorzugsaktien sind komplett im Streubesitz.

Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für 820 Millionen Pfund (rund 944 Millionen Euro) gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukten auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert. Der Vorstand setzt darauf, dass die Chinesen Biotest bei notwendigen Investitionen in Produkte und Fertigung unter die Arme greifen. Mit dem 270 Millionen Euro teurem Investitionsprogramm „Biotest Next Level“ sollen die Produktionskapazitäten der Firma bis 2022 mehr als verdoppelt werden.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Biotest beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter, den Großteil davon in Deutschland und den USA. 2016 schrieb das Unternehmen einen Nettoverlust von 45,7 (Vorjahr: minus 82,5) Millionen Euro. Den brockte Biotest das US-Therapiegeschäft ein, von dem sich die Hessen mit einem hohen Verlust trennen. Der Gewinn der fortgeführten Geschäftsbereiche verbesserte sich dagegen um mehr als ein Viertel auf 34,5 Millionen. Der Umsatz legte um 3,5 Prozent auf gut 610 Millionen zu.

Für 2017 wird ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet. Das operative Ergebnis (Ebit) der fortgeführten Bereiche soll dagegen wegen hoher Kosten für den Ausbau der Produktionskapazitäten auf 46 bis 48 (2016: 63,9) Millionen Euro schrumpfen.

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