Cromme übernimmt Herkules-Aufgabe Siemens-Chef verzweifelt gesucht

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Öffentliche Auftritte gemieden

Öffentliche Auftritte mied Cromme nach dem Rücktritt seines Vorgängers Heinrich von Pierers. Lediglich unmittelbar nach Pierers Entscheidung äußerte er sich: „Heinrich von Pierer hat mit seinem gesamten beruflichen Wirken dazu beigetragen, Siemens zu einem weltweit führenden Technologiekonzern zu machen. Dies verdient größte Hochachtung.“ Auch Kleinfeld bekam am Mittwoch sein Lob ab. „Unter der Führung von Dr. Kleinfeld ist eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens gelungen, die den Erfolg nachhaltig absichern wird.“

Dass Cromme auf Pierer nachfolgt, war nicht völlig unumstritten. Unter Aktionärsschützern wird insbesondere kritisiert, dass nur wenige Tage zuvor aus dem Umfeld Crommes signalisiert worden war, dass der Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef nicht zur Verfügung stehe. Die Aufgabe bei Siemens sei ein Vollzeitjob, diese Zeit habe Cromme aber nicht. Nur kurz danach entschied sich Cromme anders. „Man muss sich schon fragen, was ist das Wort dieses Mannes wert“, sagte ein Aktionärsschützer. Hinzu komme, dass Cromme ja schon länger im Siemens-Aufsichtsrat sitze, und als Vorsitzender des Prüfungsausschusses die Aufklärung bereits leitete. Daher hätten sich manche auch einen Kandidaten von außen gewünscht.

Cromme hat nötige Durchsetzungskraft

Unumstritten aber ist, dass Cromme die nötige Durchsetzungskraft hat, die ein Siemens-Aufsichtsratsvorsitzender jetzt braucht. Für die Entwicklung des Deutschen Corporate Governance Kodex wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, nicht nur deswegen gilt er als Saubermann der deutschen Wirtschaft. Etwas in die Kritik geriet er, als die Thyssen-Krupp-Hauptversammlung unter seiner Leitung Anfang des Jahres eine Satzungsänderung beschloss, die der Krupp-Stiftung als Anteilseigner ein „Entsendungsrecht“ einräumt. Damit kann die Stiftung bis zu drei Vertreter des Aufsichtsrats stellen, ohne dass dies der Zustimmung der Hauptversammlung bedarf. Aktionärsschützer kritisierten dies als Verstoß gegen die Corporate Governance.

Von Vorteil dürfte für Cromme sein, dass sich auch Arbeitnehmervertreter grundsätzlich positiv über ihn äußern. Bei der Fusion von Thyssen und Krupp haben sie insgesamt positive Erfahrungen mit ihm gemacht. Ein Neuanfang bei Siemens ist nach Einschätzung von Beobachtern nur gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern möglich. Das Verhältnis zur IG Metall hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten, seit die möglichen Schmiergeldzahlungen von Siemens an die Arbeitnehmervertretung AUB bekannt geworden sind, die als Gegenorganisation zur IG Metall aufgebaut worden sein soll.

Unklar ist, für wie lange Cromme den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt. Zunächst läuft seine Amtszeit bis zur Hauptversammlung Anfang 2008. In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass Cromme auch danach gerne weiter machen würde und dafür lieber ein paar seiner anderen Mandate aufgeben würde. Allerdings dürfte all dies auch vom weiteren Krisenverlauf bei Siemens abhängen.

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