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Curevac USA wollen deutschen Entwickler von Corona-Impfstoff – Eigentümer Hopp erteilt eine Absage

US-Präsident Trump umgarnt die Tübinger Firma Curevac, die an einem Corona-Impfstoff arbeitet. Dietmar Hopp will einen möglichen Impfstoff solidarisch verteilen.
15.03.2020 Update: 16.03.2020 - 05:49 Uhr 8 Kommentare

Curevac: Um diese Biotech-Firma streiten Trump und Deutschland

Düsseldorf Zwischen den USA und Deutschland entsteht ein bizarres Tauziehen um einen der führenden deutschen Entwickler eines Impfstoffs gegen Corona. Es geht um die Tübinger Biotechfirma Curevac, die nach eigenen Angaben bei der Erforschung eines Schutzstoffes gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gut vorankommt und im Juni oder Juli mit einem Wirkstoff in die entscheidende Testphase gehen könnte.

US-Präsident Donald Trump versucht offenbar, deutsche Wissenschaftler von Curevac, die an einem Corona-Impfstoff arbeiten, mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken. Er lotet dabei auch die Möglichkeit aus, ob ein Impfstoff nach der Zulassung exklusiv in den USA genutzt werden könne. Einen entsprechenden Bericht der „Welt am Sonntag“ bestätigt die Bundesregierung.

Curevac gehört mehrheitlich der Biotechholding des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Der reagierte am Sonntagabend auf die Avancen aus den USA. Wenn es gelinge, einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln, soll „dieser Menschen nicht nur regional sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen“, sagte er. Dies solle durch Investitionen aus Deutschland heraus erfolgen.

Das kann man als Absage an Trump verstehen. Die Bundesregierung kündigte bereits Widerstand an. „Wir sind sehr daran interessiert, dass Impf- und Wirkstoffe gegen das Coronavirus auch in Deutschland und in Europa entwickelt werden“, hieß es im Gesundheitsministerium. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte: „Der exklusive Verkauf eines eventuellen Impfstoffs an die USA muss mit allen Mitteln verhindert werden.“

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    Das Tübinger Unternehmen gerät damit zwischen die Fronten der US-Regierung und Berlin. Die Idee von Trump, die Firma mit hohen Geldbeträgen zu locken, entstand wohl Anfang März, als mehrere CEOs von Pharma- und Biotechfirmen im Weißen Haus zu Beratungen zusammenkamen. An dem Treffen nahm auch der Curevac-CEO Daniel Menichella teil, der dort das Potenzial der eigenen Impfstoffentwicklung erläuterte.

    Menichella ist aber überraschenderweise seit wenigen Tagen nicht mehr Chef von Curevac. In dieser für das Unternehmen kritischen Phase hat der Gründer und Aufsichtsratschef Ingmar Hoerr kurzerhand am vergangenen Mittwoch wieder die Führung übernommen. Ob der abrupte CEO-Wechsel mit dem Werben aus den USA zusammenhängt, wollten die Beteiligten aber nicht bestätigen.

    Übernahme dürfte schwierig werden

    Den Gerüchten zufolge soll die US-Regierung sogar die Möglichkeit einer Übernahme von Curevac ausloten. Curevac dementierte am Sonntag, dass eine Offerte zum Kauf des Unternehmens oder seiner Technologie vorliegt.

    Eine Übernahme dürfte ohnehin schwierig werden: Die Firma gehört mit deutlicher Mehrheit der Biotech-Holding des SAP-Gründers Dietmar Hopp namens Dievini. Als weitere Investoren sind an Bord: die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates, der US-Pharmakonzern Eli Lily sowie zwei Investoren aus Baden-Württemberg.

    Eine Übernahme dürfte auch politisch kaum durchsetzbar sein. Die Bundesregierung verwies am Sonntag bereits auf die Regelungen des Außenwirtschaftsrechts. Danach hat sie die Möglichkeit, Übernahmen von Interessenten aus anderen Ländern zu prüfen, wenn es um nationale Sicherheitsinteressen geht.

    Womöglich hat es Trump gar nicht auf eine Übernahme abgesehen. Er könnte mit hohen Millionenbeträgen versuchen, die entscheidenden Wissenschaftler von Curevac wegzulocken – oder sich mit Geld einen exklusiven Zugriff auf die Produktion des Wirkstoffs nach der Zulassung zu erkaufen.

    Scharfe Kritik wegen der Begehrlichkeiten der USA kam von der Vizevorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas. „Bei einer Pandemie geht es um alle Menschen und nicht um ,America first‘.“

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Der versuchte Griff der US-Regierung nach einer deutschen Firma, die an einem Impfstoff gegen das Coronavirus arbeitet, wird nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Thema im Krisenstab der Bundesregierung. Auf die Frage, ob es aus der US-Regierung den Versuch gegeben habe, das deutsche Unternehmen Curevac für eine sehr sehr hohe Geldsumme zu übernehmen, sagte er am Sonntag in Berlin: „Ich kann nur sagen, dass ich heute mehrfach gehört habe von Regierungsmitgliedern, dass dies zutrifft und dass wir da morgen im Krisenstab darüber reden.“

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ am Sonntagabend die Tübinger Firma dafür, dass sie für die US-Avancen „nicht zur Verfügung steht. Das ist eine großartige Entscheidung und eine großartige Position.“ Es sei eine „gute Nachricht, dass die Unternehmensleitung Klartext gesprochen hat“. Deutschland stehe „nicht zum Verkauf“, sagte Altmaier.

    Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den Versuch der US-Regierung kritisiert, Curevac zu einem Standortwechsel zu bewegen. „Deutsche Forscher sind führend an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beteiligt, in weltweiten Kooperationen. Wir können nicht zulassen, dass sich andere ihre Forschungsergebnisse exklusiv aneignen wollen“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Darüber habe er bereits mit seinen Kollegen aus Kanada, Südkorea, Brasilien und Australien gesprochen. Dies werde aber auch im Kreis der G7-Staaten zu bereden sein. „Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander“ betonte Maas.

    Mehr: Diese Firmen profitieren von der Corona-Krise

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    8 Kommentare zu "Curevac: USA wollen deutschen Entwickler von Corona-Impfstoff – Eigentümer Hopp erteilt eine Absage"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dietmar Hopp ist vor allem ein guter Geschäftsmann, seiner Beteiligungsfirma gehört Curevac zu 80%. Hopp ist doch nicht so bescheuert und nimmt ein lächerliches Angebot von ein paar pisseligen Milliarden an.
      Sollte es Curevac gelingen einen Impfstoff zu entwickeln reden wir über richtiges Geld. Es ist also völlig unnötig Herrn Hopp jetzt als großen Menschenfreund zu preisen.
      Aber es ist natürlich schön wenn das eine zum anderen kommt.

    • Herr Hopp war und ist ein ausgezeichneter Denker, er hat zusammen mit vielen klar Denkenden SAP erschaffen und auch Curevac.
      Rettet hier ein Mensch, der einen klaren Gedanken hat, die Welt vor Covid-19?
      Ich hoffe es. Und insgeheim hoffe ich, dass wir uns solch klar denkende Menschen als Politiker und als Führungskräfte erhalten können!

    • Meine Hochachtung für das Lebenswerk und die positiven Einstellungen des Herrn Hopp.
      Quo vadis Amerkika mit deinem Präsidenten der derartig verwerfliche, nicht nur narzisstische sondern auf offensichtlich soziopathische anmutende Verhaltensauffälligkeiten präsentiert ?

    • In meinem großen Bekanntenkreis sind keine "neidbehafteten" Deutschen. Jeder, der sich ein wenig mit der Persönlichkeit dieses älteren Herren befasst, wird sicherlich, wenn man fair ist, die Lebensleistung des Dietmar Hopp anerkennen. Vielleicht kommen diese Chaoten der Ultras in den Stadien irgendwann zu einem Umdenken. Außer als Randale in Fußball -Stadien haben diese Herrschaften in ihrem Leben bisher nicht viel vollbracht. Außer den Autonomen und Linken kann man sicherlich von einer Mehrheit der Deutschen ausgehen, die Herrn Hopp und anderen Reichen ihr Vermögen gönnen.

    • US-America last!

    • Mit Verlaub, aber von wem wurde Dietmar Hopp nochmal gleich angefeindet?
      Vom bösen Onkel Donald oder von neidbehafteten Deutschen, die jeden Milliardär am liebsten gleich enteignen würden - erst recht, wenn er sich als Hobby auch noch einen Bundesligaclub "gönnt"? ;-)
      Dabei unterstützt Hopp mit großzügigen Spenden u.a. auch die Universität Heidelberg.

    • Als die Titanic sank- zeigten viele Menschen Ihr wahres Gesicht und entrissen Frauen und Kindern die Rettungsringe. Trump zeigt heute ebenfalls, wie billig und peinlich ein Mensch in solchen Situationen sein kann.

    • Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde.
      AMERICA FIRST

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