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„Cybertruck“ E-Pick-up im Kampfjet-Look: Mit diesem Auto greift Tesla im wachstumsstärksten US-Segment an

Elon Musk hat ein Design aus der Zukunft für Teslas elektrischen Pick-up versprochen – und nicht enttäuscht. Bei der Präsentation gab es aber eine peinliche Panne.
Update: 22.11.2019 - 08:05 Uhr Kommentieren
In der Top-Ausführung mit drei Motoren und über 800 Kilometer Reichweite kostet der Elektro-Pick-up knapp 70.000 Dollar. Quelle: AFP
Elon Musk präsentiert seinen „Cybertruck“

In der Top-Ausführung mit drei Motoren und über 800 Kilometer Reichweite kostet der Elektro-Pick-up knapp 70.000 Dollar.

(Foto: AFP)

New York Der Autobauer Tesla hat erstmals einen batteriegetriebenen Pritschenwagen vorgestellt, mit dem der Branchenpionier in den wichtigsten Markt amerikanischer Autokonzerne vorstoßen will. Der futuristisch aussehenden Elektro-Pick-up solle zu Preisen ab 39.900 Dollar (rund 36.000 Euro) zu haben sein, kündigte Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstag in Los Angeles an.

Das Fahrzeug mit dem Namen „Cybertruck“ hat eine ungewöhnliche dreieckige Form, die eher an einen Kampfjet als einen klassischen Pick-up erinnert. Er soll über 1,7 Tonnen Gewicht auf der Ladefläche transportieren können und kommt in der Spitzenausführung in 2,9 Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (knapp 100 km/h).

In einem Video demonstrierte Tesla, wie der Pick-up schneller beschleunigt als ein Porsche 911. Auch ein Tauziehen mit dem aktuellen Pick-up- Bestseller F-150 von Ford gewann der „Cybertruck“ im Video locker.

Es werde den Wagen mit drei unterschiedlichen Reichweiten zu kaufen geben. In der Top-Ausführung mit drei Motoren und über 800 Kilometer Reichweite steigt der Preis aber schon auf knapp 70.000 Dollar. Die Standardversion kommt aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde und hat eine Reichweite von gut 400 Kilometern mit einer Batterieladung.

Die Karosserie sei aus besonders hartem rostfreiem Stahl gefertigt, sagte Musk. Um zu zeigen, wie robust sie ist, schlug Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen mit einem Vorschlaghammer auf die Wagentür ein, ohne eine sichtbare Delle zu hinterlassen.

Die Demonstration der Festigkeit der Fenster ging allerdings schief: Das Glas zeigte Risse, als von Holzhausen eine Metallkugel dagegen warf. Immerhin sei das Fenster nicht durchschlagen worden, kommentierte Musk. In Tests habe man alles Mögliche auf das Glas geworfen, bis hin zu einer Küchenspüle, „seltsam, dass es jetzt gebrochen ist, ich weiß nicht, warum“.

Der „Cybertruck“ hat eine pneumatische Federung – und die Druckluft aus dem Kompressor kann man auch für entsprechendes Werkzeug verwenden.

Mit dem neuen elektrischen Pick-up steigt der E-Auto-Pionier nun auch in das wachstumsstärkste Segment auf dem amerikanischen Automarkt ein. Das sei der Markt, den man angehen müsse, wenn man den Übergang zur Elektromobilität schaffen wolle, betonte Musk bei der Präsentation in der Nacht zum Freitag in Los Angeles.

Pick-ups gehören seit Jahren zu den am besten verkauften Autos und legen noch stärker als SUVs zu. Sie gehören zu den wichtigsten Geldbringern für Ford, General Motors (GM) und Fiat Chrysler (FCA) in den USA, zu denen Tesla damit in Konkurrenz tritt.

Mit dem „Cybertruck“ will Musk eine Alternative bieten zu den Spritfressern wie dem F-150 von Ford, dem GMC Sierra von General Motors oder dem Ram von Fiat Chrysler. Dabei sind die riesigen Pritschenwagen mit großer offener Ladefläche hinten fest in amerikanischer Hand: Die drei großen US-Konzerne kontrollieren laut IHS Markit 92 Prozent des Halb-Tonner Segments.

Eine Computeranimation zeigt, wie der Innenraum des Cybertrucks aussehen soll.
Innenraum des Cybertruck

Eine Computeranimation zeigt, wie der Innenraum des Cybertrucks aussehen soll.

Auch Musk hat sich lange nicht in das von FCA, GM und Ford dominierte Segment vorgewagt. Vergangenen November hatte der Tesla-Chef noch gesagt, er sei nicht sicher, ob viele Menschen den Pick-up kaufen werden. Im Juni sagte er, das Design werde nicht für jedermann sein.

Allzu bald wird der Tesla-Pick-up nicht auf die Straße kommen: Von der Vorstellung eines neuen Modells bis zum Produktionsstart vergehen üblicherweise mehrere Jahre. Mit einem Produktionsstart wird nicht vor Ende 2022 gerechnet. Aktuell bereitet die Firma die Markteinführung des Kompakt-SUV Model Y und eines Elektro-Sattelschleppers vor.

Mit dem neuen Modell will sich Tesla auch auf dem Markt für Pick-ups etablieren.
Cybertruck im Gelände

Mit dem neuen Modell will sich Tesla auch auf dem Markt für Pick-ups etablieren.

Tesla ist auch nicht der einzige Hersteller, der ein Auge auf das lukrative Marktsegment geworfen hat. So will die Firma Rivian bereits im kommenden Jahr mit einem Elektro-Pick-up in die Produktion gehen.

An Rivian haben sich in diesem Jahr sowohl Amazon als auch Ford mit 700 Millionen Dollar und 500 Millionen Dollar beteiligt. Ford will auch eine Elektro–Version seines erfolgreichen F-150 auf den Markt bringen.

Die IHS-Markit-Analystin Stephanie Brinley mahnte gegenüber Bloomberg: „Ein traditioneller Pick-up-Käufer könnte vielleicht ein E-Auto in Betracht ziehen, aber er wird keine Abstriche bei der Leistung machen.“

Wie wichtig seinen Kunden die Leistung seiner Pick-ups ist, weiß Ford. Nachdem Musk angekündigt hatte, dass sein neuer Pick-up ein Gewicht von 300.000 Pfund ziehen kann, zeigte Ford ein Video mit seinem E-F-150, der gleich eine Million Pfund ziehen konnte.

Tesla hatte zuletzt in Deutschland vor allem mit seinen Plänen für eine Fabrik in Grünheide außerhalb von Berlin für Aufsehen gesorgt.

Mehr: Mit dem ID Space Vizzion zeigt VW, was mit der Elektroplattform MEB möglich ist. Das Elektroauto zwingt seine Käufer allerdings auch zum Umdenken.

Der Handelsblatt Expertencall
  • kk
  • dpa
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