Daimler-Chef Dieter Zetsche „Das beste Jahr unserer Firmengeschichte“

Daimler fährt ein Rekordergebnis ein: Die Stuttgarter haben 2016 deutlich mehr Autos als im Vorjahr verkauft. Doch im vierten Quartal bleiben die Schwaben unter den Erwartungen. Den Grund liefert die Lkw-Sparte.
Update: 02.02.2017 - 10:36 Uhr 5 Kommentare
Ein Mercedes-Benz Urban eTruck und ein Mercedes-Benz Concept EQ: Die Stuttgarter haben im Vorjahr 12 Prozent mehr Autos verkauft. Quelle: dpa
Daimler

Ein Mercedes-Benz Urban eTruck und ein Mercedes-Benz Concept EQ: Die Stuttgarter haben im Vorjahr 12 Prozent mehr Autos verkauft.

(Foto: dpa)

StuttgartDaimler schließt dank boomender Verkäufe der Autosparte Mercedes einmal mehr ein Rekordjahr ab. Die Stuttgarter steigerten den Umsatz im Vorjahr um 3 Prozent auf 153,3 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Unterm Strich verdiente der Konzern 8,5 Milliarden Euro nach 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte Ebit lag mit 14,24 Milliarden Euro ebenfalls drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Analysten hatten im Schnitt mit 14,4 Milliarden Euro gerechnet.

Das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2016 schloss der Auto- und Nutzfahrzeughersteller beim Gewinn etwas schlechter ab als von Analysten erwartet. Das bereinigte Ebit kletterte von Oktober bis Dezember um drei Prozent auf 3,58 Milliarden Euro.

Mercedes ist in Sachen Absatz wieder top: Der Autobauer hat im Vorjahr 2,2 Millionen Autos verkauft – ein Plus von knapp 12 Prozent. Daimler rechnet weiterhin mit starken Margen in der wichtigsten Sparte, weil unter anderem die wichtige E-Klasse in der neuen Version das ganze Jahr über in China verfügbar ist. In der Lkw-Sparte dürften sich die Verkäufe nach dem Rückgang im vergangenen Jahr stabilisieren.

Die E-Klasse für Genießer
Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
1 von 9

Winter ist auch nur ein Wort. Zumindest für Männer wie Christian Früh. Zwar hat der Ingenieur privat als passionierter Skifahrer nichts gegen Eis und Schnee. Doch dienstlich zieht es ihn gerade in wärmere Gefilde. Denn Früh verantwortet in der Mercedes-Entwicklung die E-Klasse und er legt gerade letzte Hand an das neue Cabrio, mit dessen Premiere die Schwaben auf dem Genfer Salon den Generationswechsel ihrer wichtigsten Baureihe abschließen.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
2 von 9

Während die Kollegen daheim in Sindelfingen bei Minusgraden bibbern, ist er in Arizona bei der so genannten Heißlanderprobung und nimmt seine vier Prototypen auf dem Rundkurs eines geheimen Testgeländes und den einsamen Landstraßen drum herum härter ran als jeder Kunde.

„Konstruktiv sind die Autos fertig und die Abstimmung steht kurz vor dem Serienanlauf auch schon. Aber hier gibt es den Feinschliff“, sagt Früh und horcht mit spitzen Ohren tief in die Karosserie hinein, während sich das Auto auf ausgesucht schlechten Straßen bei Vollgas windet und schindet.

Er fühlt nach Vibrationen, schaut, ob irgendwo Staub eindringt oder in der Mechanik schleift, achtet auf das flüchtigste Flattern am Dach und lauscht nach jedem noch so kleinen Störgeräusch.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
3 von 9

Dass die E-Klasse im Hinterland von Phoenix Meile um Meile abspult, dient zwar vor allem den Härtetests, damit später nichts rattert und klappert und das Verdeck auch unter widrigsten Umständen tadellos öffnet und schließt, ohne dass im Stoff hässliche Krähenfüße, Falten oder Wellen bleiben.

Nicht umsonst lassen die Testfahrer tagsüber das Dach während ihrer endlosen Runden bis zu 500 Mal auf- und zu surren und nachts werden die Steuergeräte so programmiert, dass noch einmal tausende Durchläufe im Stand dazu kommen.

Und nicht ohne Grund haben die Schwaben auf dem Testgelände in Phoenix sogar ihr eigenes Kopfsteinpflaster aus Europa verlegen lassen, weil es sonst nicht in die genormten Testzyklen passen würde.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
4 von 9

Doch im Prinzip simuliert die Tour über den Apache Trail auch den so genannten „Use Case“, den alltäglichen Einsatz, für den Früh das Open-Air-Modell konzipiert hat: „Wir sehen in der offenen E-Klasse ein Cabrio, das als vollwertiger Viersitzer absolut alltagstauglich ist“, sagt der Ingenieur und grenzt den Wagen damit nicht nur von der Konkurrenz ab, sondern auch vom optisch kaum kleineren C-Klasse.

Und selbst die S-Klasse mag mehr Status bieten, mehr Luxus und stärkere Motoren, aber nicht mehr Platz, sortiert Früh die Frischware aus Stuttgart und lässt als einziges Referenzmodell mit Stern das selige 124er Cabrio gelten. Außerdem der eigenen Modellreihe wird es dagegen schwer mit einer Alternative.

Der BMW Sechser mag höher positioniert sein, bietet aber weniger Platz, genau wie der Bentley Continental GTC. Und der Audi A5 fährt eher gegen die C-Klasse. Viel mehr als den Rolls-Royce Dawn muss Früh deshalb nicht fürchten.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
5 von 9

Verantwortlich für die Raumordnung ist vor allem das neue Format. Schließlich ist das Cabrio nicht nur sieben Zentimeter breiter als der Vorgänger, steht entsprechend satter auf der Straße und hat bei schnellen Kurvenpassagen einen stabileren Stand.

Vor allem aber geht das Auto um zwölf Zentimeter in die Länge. „Elf Zentimeter davon kommen im Radstand an und um allein fünf Zentimeter wächst der Abstand zwischen der Sitzlehne und der Rückbank“, rechnet Früh vor.

Wenn man erst einmal hineingeklettert ist, kann man deshalb selbst auf den etwas kurzen Polstern im Fond tatsächlich ganz ordentlich sitzen. Und 390 Liter Kofferraumvolumen sind für ein Cabrio auch kein schlechter Wert.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
6 von 9

Weil Mercedes es ernst meint mit der Alltagstauglichkeit, haben die Schwaben zudem wie schon in der C-Klasse serienmäßig eine umklappbare Rückbank eingebaut. Und weil auch die Sache mit der Viersitzigkeit kein Scherz ist, gibt es dank des gefütterten Akustik-Verdecks sogar Leselampen für die Hinterbänkler und erstmals in der offenen E-Klasse auch eine Sitzheizung im Fond.

Mercedes E-Klasse Cabrio Abnahmefahrt
7 von 9

Zwar übernimmt das Cabrio alle Assistenzsysteme, das aufwändige Infotainment und die meisten Motoren der E-Klasse. Und vom Coupé stammen die allermeisten Blechteile sowie die vorderen Sitze. Doch zumindest bei der Abstimmung geht das Cabrio seinen eigenen Weg.

Nicht nur, weil das offene Auto rund 150 Kilo schwerer ist als das Coupé: „Wir haben das Cabrio als lustvollen Cruiser ausgelegt. Nicht ganz so komfortabel und entspannt wie die Limousine, aber auch nicht so sportlich, stramm und engagiert wie das Coupé“, sagt Früh und nennt seinen nur noch am Heck verklebten Prototypen die „E-Klasse für Genießer“.

Das erste Mal seit zehn Jahren verkauften die Schwaben wieder mehr Autos als der große Rivale BMW. Die Erfolge im Autogeschäft wurden lediglich durch die schweren Absatzeinbrüche der Lkw-Sparte getrübt. Bereits im Mai vergangenen Jahres musste die Division ihren Ausblick korrigieren, weil insbesondere das Geschäft in Lateinamerika und den USA schlechter lief als gedacht, die Verkäufe lagen 17 Prozent unter Vorjahr.

Mit den Absätzen kommt auch die Rendite unter Druck: Statt der angepeilten 8 Prozent liegt deren Wert bei 5,9 Prozent. Mittlerweile hat Sparten-Chef Wolfgang Bernhard das Sparziel für die Jahre 2017 und 2018 um 400 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro erhöht. Auch ein Stellenabbau schließt Daimler Trucks nicht mehr aus.

Dennoch freute sich Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass unterm Strich ein erneutes Rekordergebnis steht. „Was aber genauso wichtig ist: Im bislang besten Jahr unserer Firmengeschichte haben wir auch den größten Wandel bei Daimler angestoßen“. Zetsche verwies auf die neue Führungsstruktur, die bei Daimler deutlich schnellere Entscheidungen ermöglichen soll.

Mogelpackung war gestern
Nach der Pflicht folgt bei Mercedes stets die Kür
1 von 24

Wenn die Neuauflagen von Brot-und-Butter-Modellen wie C-Klasse und E-Klasse im Markt etabliert sind, folgen die eleganten Varianten.

Jetzt zum Beispiel das neue E-Klasse Coupé, das hält, was der Name verspricht: Der Zweitürer basiert nämlich künftig auf der E-Klasse und nicht wie zuvor weitgehend auf C-Klasse-Technik.

Optisch ist das Coupé klar als E-Klasse-Derivat erkennbar
2 von 24

Der Zweitürer fügt sich überzeugend zwischen den zweitürigen Varianten von C-Klasse und S-Klasse ein.

Dank der größeren Plattform hat der Schönling in alle Richtungen deutlich zugelegt
3 von 24

Allein in der Länge ist das Modell um 12 Zentimeter auf 4,83 Meter gewachsen.

Der Längenzuwachs wirkt sich positiv auf das Raumangebot innen aus
4 von 24

Selbst im Fond sollen künftig erwachsene Gäste entspannt mitreisen können.

Blick in den Innenraum
5 von 24

Vorne bietet das Coupé seinen Gästen zudem viel E-Klasse-Luxus, wie etwa das optionale Riesendisplay-Cockpit oder eine Ambientebeleuchtung mit 64 Farben.

Mercedes E-Klasse Coupé
6 von 24

Der Zweitürer gefällt mit unaufgeregten und eleganten Design mit großen glatten Flächen, was auch eine gewisse Grunddynamik ausstrahlt.

Starten wird das E-Klasse Coupé im Frühjahr 2017
7 von 24

Erstmals bietet Mercedes Rückleuchten an, die dem Ver- und Entriegeln mit speziellen Lichtsequenzen etwas Dynamik einhauchen.

Zugleich hat Daimler 2016 eine Offensive in Sachen Digitalisierung und Elektroautos angestoßen. So will Mercedes unter dem Label „EQ“ bis 2025 zehn Elektromodelle in Serie bringen und so zum größten Anbieter von Stromautos im Premiumbereich werden. Das kostet viel Geld: Branchenkreisen rechnen mit mindestens zehn Milliarden Euro, die Daimler für seine Stromoffensive aufwenden muss.

Der Schuss muss sitzen: Die steigenden SUV-Absätze verhageln Daimler die Klima-Bilanz. Nur mit Stromautos kann der Konzern die Klimavorgaben der EU erreichen. Zetsche kündigte an, sowohl die Entwicklungsausgaben als auch die Investitionen in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen.

US-Präsident Trump – großes Risiko für die Schwaben
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Daimler-Chef Dieter Zetsche - „Das beste Jahr unserer Firmengeschichte“

5 Kommentare zu "Daimler-Chef Dieter Zetsche: „Das beste Jahr unserer Firmengeschichte“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Luxuslimousine

  • Zudem bekommt nicht jeder Arbeitnehmer eine Mittel- oder Luxusklasselimouse als Dienstwagen, mit eingeschlossener Privatnutzung zur Verfügung gestellt.
    Das ist nur den privilierten Arbeitnehmern, den Bossen und Spitzenmanegern und natürlich unseren Volksvertretern vorbehalten. Für den Normalbürger reicht es bei Barzahlung meist nur für einen alten Gebrauchten, oder einen neuen Kleinwagen, mehr ist da nicht drin.

  • Daimler wird Tesla schon was entgegenzusetzen haben, täuschen Sie sich da mal nicht, gleiches gilt für BMW, Audi und Co.
    Zetsche ist schließlich einer der besseren Spitzenmanager.
    Ich würde mir persönlich auch gerne einen Mercedes kaufen wollen, aber bei meinem Gehalt würde das Ansparen hierfür Jahrzehnte dauern und auf Pump kaufen und dann jahrelang mühsam abbezahlen, will ich kein Automobil.

  • Mercedes, Erfinder des Automobils und die Nr.1 in Verlässlichkeit und Innovation ... dein guter Stern auf allen Strassen.

  • Leider hat Daimler die Entwicklung bei den E-Autos verpasst. Hier ist TESLA eindeutig weiter. Auch wenn TESLA bisher noch keinen Gewinn erwirtschaftet, ist es doch das in diesem Bereich führende Unternehmen. Immerhin liefert Daimler für TESLA die "Bedienknöpfe" wie beispielsweise den Wählhebel am Lenkrad...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%