Daimler mit Rekorden Die erfolgreiche Operation des Dr. Z

Viele hatten Daimler schon abgeschrieben. Doch mit dem Rekordgewinn präsentieren sich die Schwaben so stark wie nie – und wollen nun die Krone zurück. Für Konzernchef Zetsche ist das eine späte Genugtuung. Ein Kommentar.
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Zetsche: „Rechnen 2016 mit Wachstum von 2,5 bis drei Prozent“

Jetzt bloß nicht in Euphorie verfallen. Daimler-Chef Dieter Zetsche versucht es mit ein bisschen Zurückhaltung: „Erfolge muss man sich immer wieder neu erarbeiten“, erklärt er. Dabei hat er gerade das beste Ergebnis in der langen Geschichte des schwäbischen Autobauers präsentiert. Gleich drei neue Rekorde hat Daimler im Geschäftsjahr 2015 aufgestellt: Noch nie hat der Premiumriese so viele Autos verkauft, noch nie hat der Konzern damit so viel Umsatz erzielt, noch nie haben die Schwaben damit so viel Gewinn erzielt – insgesamt 13,8 Milliarden Euro.

Daimler ist noch stärker als in Zeiten, in denen die Krone der Premiumhersteller wie selbstverständlich nach Stuttgart ging. Wer hätte das gedacht?

Lukas Bay ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle:
Der Autor

Lukas Bay ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Noch vor wenigen Jahren wirkte die Marke mit dem Stern wirkte wie ein Superstar, der in die Jahre gekommen war. Die Schwaben hatten etliche Trends verschlafen. Während BMW mit seinen SUV-Modellen immer neue Rekorde einfuhr und Audi in China Verkaufsrekord um Verkaufsrekord vorlegte, mühte sich Daimler mit einer veralteten Modellpalette ab. Die Stuttgarter versuchten, mit der agilen Konkurrenz mitzuhalten – und wurden überholt. Erst von BMW, dann von Audi.

Und auch Zetsche galt als angeschlagen: „Einsame Spitze“ titelte damals das „Süddeutsche Magazin“ mit dem mutmaßlich einsamen Konzernlenker auf dem Cover. Ein Titel, der die Gemütslage traf. Tatsächlich war es damals einsam geworden um Zetsche. Die Aktionäre beklagten die maue Entwicklung des Aktienkurses. Die Arbeitnehmer setzten sich gar dafür ein, den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden nur um drei Jahre zu verlängern – und Zetsche damit nur auf Bewährung an der Spitze zu lassen. Viele rechneten gar mit einem vorzeitigen Abgang.

Hightech-Business im Maßanzug
Ein Auto, das selbstständig auf die Überholspur wechselt, das mit anderen Fahrzeugen Verkehrsmeldungen austauscht.
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Ein Auto, das per Handy in die Parklücke dirigiert werden kann und dessen hochauflösender Monitor per Fingerkuppen beider Daumen am Lenkrad bedient wird. Ein Auto, das beim drohenden Zusammenstoß an der Kreuzung ebenso rechtzeitig bremsen soll wie bei der Annäherung an ein Stau-Ende auf der Autobahn. All das muss ein intelligentes Auto der Zukunft können. „Zukunft? Das können wir heute schon“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche und meint die neue E-Klasse.

Sofort als E-Klasse erkennbar, folgt die Form der aktuellen Stuttgarter Designsprache
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Superlative fliegen durch den großen Saal im 2. Stock des – „das Beste oder nichts“ – besten Hotels in Detroit, das ausgerechnet den Beinamen Cadillac trägt. „Das intelligenteste Auto der Welt“, schwärmt Dieter Zetsche. „Der Konkurrenz eine Klasse voraus“, ergänzt Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Die Herren aus der Chefetage müssen schon von Berufs wegen derartige Euphorie verbreiten. Doch wohl nicht zu Unrecht: Denn kein anderes Auto bietet derzeit ein solch pralles Paket an Technik.

Auch eine Version mit Stern auf der Haube ist wieder zu haben
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Doch zunächst fällt der Blick auf das neue Erscheinungsbild. Die Frontpartie, beim Vorgänger als zu martialisch und aggressiv gescholten, kommt wieder zurückhaltender, fast schon sanft daher. Sofort als E-Klasse erkennbar, folgt die Form der aktuellen Stuttgarter Designsprache und ist schon von der S- und vor allem der C-Klasse bekannt. Die E-Klasse passt jetzt perfekt dazwischen.

Die neue E-Klasse
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Direkt von hinten gesehen, könnte da auch eine S-Klasse rollen. Seitlich betrachtet wirkt der Neue sogar zierlicher als er tatsächlich ist. Der Verzicht auf ein Gewirr von Falzen und Kanten zeigt die enge Verwandtschaft zum Erfolgsmodell C-Klasse. Nur eine horizontale Linie ist übrig geblieben. „Sinnliche Klarheit“, sagt dazu Designchef Gordon Wagener.

Beim Innenraum werden Elemente von C- und S-Klasse gemixt
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Die Revolution der neuen E-Klasse findet anderswo statt. Manchmal versteckt wie im bordeigenen Rechenzentrum, das die zahllosen Assistenzsysteme steuert. Oft aber auch im Mittelpunkt wie der breitgezogene Monitor mit HD-Technik, der die Hälfte der Wagenbreite im Innenraum beherrscht. Er bietet gestochen scharfe Landkarten für die Navigation.

Zentrales Element ist der große Bildschirm
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Wer bei der Auswahl der verschiedenen Fahrprogramme wissen will, was sich bei seinem Auto je nach gewählter Einstellung („Komfort“, „Sport“ oder bewusste Sparfahrt) ändert, kann dies an einem Abbild des eigenen Gefährts optisch nachvollziehen. Natürlich sind auch Mails abrufbar und es kann im Internet gesurft werden.

Die Schalter und Lautsprecher in der Tür erinnern an die S-Klasse
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Die Liste der Assistenzsysteme liest sich wie ein Lexikon des heute Machbaren. Neu ist das automatische Spurwechseln ohne Hand am Lenkrad. Mindestens zwei Sekunden den Blinker aktivieren, dann schert die E-Klasse selbsttätig aus. Natürlich wird vorher geprüft, ob die Spur auch frei ist.

Doch Zetsche bewies Nehmerqualitäten. Heute erklärt er seine Geduld im Interview mit der „Welt am Sonntag“ so: „Natürlich haben wir damals gewusst, welche Fahrzeuge wir in der Pipeline haben und dass uns das enormen Schub geben wird“. Doch ehrlicherweise rechneten nur wenige damit, dass der Abstand zu Audi und BMW so schnell schrumpfen würde.

Zetsche stritt eher mit der eigenen Belegschaft – um Sparprogramme und einen Umbau der Produktion. Im Werk Sindelfingen kam es zu Warnstreiks. In puncto Rendite hechelten die Schwaben hinterher. Daimler schien für Außenstehende vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein. Doch mittlerweile zeigt sich: Die komplizierte Operation des Dr Z. scheint gelungen.

E-Klasse muss ein Erfolg werden
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7 Kommentare zu "Daimler mit Rekorden: Die erfolgreiche Operation des Dr. Z"

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  • Gute Zahlen und ein fallender Kurs, wer hat an der Uhr gedreht ist es schon so spät ? Sagen alle schlauen Leute, fette Beute.

  • Bonis absahnen.....oder Bauer werden ?

  • @ Quer(i)ulant
    Hingehen und nachmachen!

  • "Für Konzernchef Zetsche ist das eine späte Genugtuung" ... und für die siebengescheiten Kommentatoren der angeblichen Fachpresse eine riesengrosse Watsche! Oh, wenn man nur neue Autos so schnell backen könnte wie miserabel geschriebene Artikel. Naja, der 3D-Drucker wird's bringen!

  • Für Vielfahrer immer erste Wahl: Mercedes, die Erfinder des Automobils

    Das war eigentlich auch nie anders.

  • ein weltweites Verkaufsargument "Autobahn erprobt" könnte mit TTIP bald wegfallen. Wenn amerikanischer Hersteller bei uns im Rahmen der Marktangleichung Tempo 110 auf Autobahnen einfordern. Amerikanische Autos mit Plüsch und Bildschirm sind dann bei uns ausreichend - und die weltweite Marketing-Wirkung ist dahin. Gut für die Umwelt - aber keiner braucht dann Hightech Autos. Nicht mal mehr die Schweizer.

  • >> Die erfolgreiche Operation des Dr. Z >>

    Warum versucht hier so ein (...) den Erfolg von fleissigen Menschen im Konzern einem (...) hinzu zu schustern ?

    Was hat denn dieser Doktor Z. zum Erfolg beigetragen, ausser Bonis in Millionenhöhe persönlich abgesahnt zu haben ?

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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