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Daimler-SUV „EQC“ Mit diesem Elektro-Mercedes will Dieter Zetsche Tesla überholen

Daimler schaltet in den Angriffsmodus. Der erste rein elektrische Mercedes EQC soll Tesla das Fürchten lehren. Dabei ist der Wagen ein teurer Kompromiss.
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450 Kilometer Reichweite – so sieht Daimlers Antwort auf Tesla aus

StockholmEs ist ein Aufbruch in eine neue Ära. Mehr als 132 Jahre lang verdiente der Stuttgarter Auto- und Lastwagenbauer Daimler sein Geld mit Verbrennungsmotoren. Diesel und Benzin ebneten dem Mercedes-Hersteller den Weg an die Spitze der Autowelt. Nun läutet Konzernchef Dieter Zetsche beim Aushängeschild der deutschen Wirtschaft aber das Elektrozeitalter ein.

Die Marke mit dem Stern wird unter Strom gesetzt. „Mit dem EQC als erstem vollelektrischen SUV von Mercedes-Benz legen wir den Schalter um“, frohlockt Zetsche bei der Weltpremiere des sportlichen Geländewagens, mit dem Daimler den kalifornischen Elektroautopionier Tesla frontal angreifen will.

Vor mehr als 600 geladenen Gästen im Stockholmer Kunstmuseum Artipelag enthüllt der Daimler-Frontmann den EQC. „Ich habe auf diesen Tag ein wenig hingefiebert“, erklärt der 65-jährige Schnauzbartträger. Für ihn persönlich sei die Vorstellung des Elektro-SUVs etwas ganz Besonderes. Zetsche setzt daher auf die große Show. Auf 16 riesigen Videoleinwänden präsentiert der Manager in Jeans, Turnschuhen und blauem Sakko alle Vorzüge des EQC. Dann rollt das Fahrzeug auf die Bühne.

„Der EQC ist ein perfektes Paket“, so Zetsche. „Es ist der Mercedes unter den Elektroautos.“ Die pompöse Premiere des Fahrzeugs markiert den Auftakt zu einer breit angelegten Stromoffensive Daimlers. Bis zum Jahr 2022 wollen die Schwaben mehr als zehn rein elektrische Modelle auf den Markt bringen. Daimler investiert dafür über zehn Milliarden Euro in die Produkte und eine weitere Milliarde in den Bau von Batteriefabriken in Deutschland, China, Thailand und den USA

„Daimler geht das Thema Elektromobilität jetzt wirklich an“, konstatiert Ferdinand Dudenhöffer. Der EQC dürfe laut dem Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen aber nur eine Vorhut sein. Der Konzern müsse zügig nachlegen – zumal der EQC im Vergleich zu den Produkten der Wettbewerber nicht vollends überzeugt. „450 Kilometer Reichweite nach NEFZ sind nicht schlecht, aber da hätte man mehr erwartet“, sagt Dudenhöffer. Zum Vergleich: Audi verspricht mit seinem elektrischen SUV e-tron eine Reichweite von 500 Kilometern gemessen an der alten NEFZ-Norm und von mehr als 400 Kilometern nach dem neuen WLTP-Standard.

Auch beim Laden müssen Kunden der Ingolstädter VW-Tochter weniger Zeit einplanen als Mercedes-Fahrer. Während der Audi e-tron an Schnellladesäulen mit bis zu 159 kW Ladeleistung Strom binnen 30 Minuten vollgetankt werden kann, braucht der EQC aus dem Hause Daimler bei einer maximalen Ladeleistung von 110 KW etwa zehn Minuten länger. „Audi scheint derzeit dynamischer zu sein“, konstatiert Autoprofessor Dudenhöffer.

Die Batterie im EQC besteht aus 384 Zellen und kommt auf einen Energieinhalt von 80 Kilowattstunden (kWh). Audi schafft bei seinem e-tron gut 95 kWh. Und Tesla bietet bei einigen Versionen, etwa dem Model S und X P100D, auch einen Energiespeicher mit 100 kWh an. „Schade, dass Audi und Mercedes damit nicht an den Start gehen“, findet Dudenhöffer.

Daimler selbst sieht sich für die Zukunft indes gut gerüstet. Der Konzern betont, für alle Bauteile die Strom führen, besonders strenge Sicherheitsvorgaben anzuwenden. Die beste Lösung sei bei Elektromotoren zudem oft die richtige Balance. So dürfe man etwa das Schnellladen nicht überbewerten, meint Jochen Hermann: „Wie oft kommt das wirklich vor?“, fragt der Entwicklungschef für E-Antriebe bei Daimler. In der Regel würden die Kunden doch zu Hause oder auf der Arbeit laden, wenn das Auto so oder so mehrere Stunden geparkt ist.

Die Optik soll es machen

Zudem überzeuge der EQC mit seinem neuartigen Design. Der Geländestromer sei ein „Vorreiter einer avantgardistischen Elektro-Ästhetik“, sagt Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener. Das SUV und seine künftigen Schwesterfahrzeuge unter der Marke EQ verkörpern „progressiven Luxus“, verspricht Wagener. Im Innenraum setzt Daimler etwa bei den Sitzen auf rosé-goldene Ziernähte. Kombiinstrument mit Tachoanzeige und Media-Display sitzen hinter einer Glasfläche und bilden einen großen, freistehenden Bildschirm. Daimler verspricht großes Fahrvergnügen beim EQC und viel Ruhe für den Fahrer. Im Innenraum sei es „extrem leise“.

Sicher ist: Die Elektrooffensive von Daimler muss gelingen. Der Konzern steht unter Druck. Bei Stromern braucht der Mercedes-Hersteller dringend Verkaufserfolge. Die Elektrokarossen sollen neben dem Diesel die Klimabilanz der Konzernflotte im Lot halten. Daimler liegt derzeit um gut 20 Prozent über den geforderten Grenzwerten für 2021.

Überschreiten die Schwaben das von der EU vorgegebene Flottenziel in drei Jahren von maximal 95 Gramm CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer, drohen hohe Strafzahlungen. Schon 2025 könnten bis zu 25 Prozent der Neufahrzeuge von Mercedes daher mit Elektroantrieb an die Kunden ausgeliefert werden. So prophezeien es zumindest die internen Prognosen in Stuttgart. Aber Daimler ist spät dran.

Der Tesla-Jäger von Mercedes im Detail
Mercedes legt den Schalter um
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Im Stockholmer Kunstmuseum Artipelag präsentierte Autobauer Mercedes am Dienstagabend sein erstes reines Elektro-SUV: den EQC.

(Foto: Reuters)
Dieter Zetsche präsentiert
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Der Daimler-Chef ließ es sich nicht nehmen, den neuen Hoffnungsträger des Konzerns selbst vorzustellen. „Mit dem EQC legen wir den Schalter um“, blieb „Doktor Z“ im Bild. In der Modellreihe sollen mehr als zehn Fahrzeuge folgen. Ein Viertel des Umsatzes sollen die Elektro-Ableger künftig ausmachen.

(Foto: Reuters)
Grüner wird's nicht
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450 Kilometer Reichweite soll der Stromer schaffen, der einfach an den Hausstrom angeschlossen wird. Das Thema Schnellladung vernachlässigt der Konzern erst einmal. „Wie oft kommt das wirklich vor?“, entgegnete der Entwicklungschef für E-Antriebe bei Daimler, Jochen Hermann.

(Foto: Reuters)
Ola Källenius
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Daimlers Entwicklungschef ist sichtlich zufrieden mit dem Fahrzeug. Neben Audis E-Tron ist der EQC die Speerspitze der deutschen Premiumhersteller im Konkurrenzkampf mit Primus Tesla. Analysten erwarten, dass der Markteintritt die Kräfteverhältnisse zugunsten Europas verschiebt.

(Foto: AFP)
Daimler verzückt sich selbst
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„Vorreiter einer avantgardistischen Elektro-Ästhetik“, soll der Pkw laut Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener sein. Die Mercedes-Gene sind im Innenraum klar erkennbar – was für den klassischen Markenkäufer nicht die schlechteste Eigenschaft sein dürfte.

(Foto: AFP)
Anleihen an den GLC
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Der Elektro-SUV erinnert etwas an Mercedes' bisherige Verbrennermodelle. Allerdings ist der EQC komplett neu entwickelt und nicht ein mit E-Motor ausgestopfter Benziner.

(Foto: Reuters)
Daimler ist Feuer und Flamme
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„Es ist der Mercedes unter den Elektroautos“, erklärte Zetsche vor Ort. Der Konzern steckt in den kommenden Jahren über zehn Milliarden Euro in den Angriff auf Tesla.

(Foto: AFP)

Der Konzern präsentiert den EQC zwar jetzt in Stockholm. In den Verkauf kommt das Fahrzeug aber erst Mitte 2019. Gegenüber den ursprünglichen Plänen verzögert sich der Anlauf des EQC damit um einige Monate. Der Grund: Daimler kämpft mit einem Engpass an Batterien. Die Nachfrage nach Zellen sei heute höher als „zum Zeitpunkt, als wir die Volumina unterstellt haben“, räumte Daimler-Chef Zetsche vor einigen Wochen ein. Aus diesem Planungsdelta heraus mangle es seinem Konzern nun an den nötigen Zellen. Während Daimler die Batterien selbst fertigt, werden die nötigen Zellen für den Aufbau zugekauft.

Konkurrent Audi ist schneller als Mercedes. Während die Stuttgarter ihren Wagen erst einmal mit reichlich Brimborium präsentieren, haben die Ingolstädter im September bereits angefangen, den e-tron zu produzieren. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden. Daimler startet mit der Produktion des EQC in der ersten Jahreshälfte 2019. Gefertigt wird der Elektro-SUV in Bremen, dem größten Werk des Konzerns in Deutschland, später auch in Peking.

Der Stromer wird in Bremen auf einer Linie mit den Modellen gefertigt, in denen Daimler seine Verbrennungsmotoren verbaut. Konkret läuft der EQC auf demselben Band wie C-Klasse Limousine, T-Modell, GLC und GLC Coupé. Die Integration der Elektrofahrzeuge in die bestehende Produktion bietet laut Markus Schäfer enorme Vorteile. So könne der Konzern „flexibel auf die Nachfrage reagieren und unsere Werke optimal auslasten“, erklärt der Produktionsvorstand von Mercedes-Benz Cars. 

Sollte die Nachfrage nach Elektroautos geringer ausfallen als erwartet, fertigt der Konzern einfach mehr Fahrzeuge mit Hybridantrieb oder Verbrennungsmotor. Daimler kann so das Risiko minimieren. Das ist die positive Betrachtungsweise. Arndt Ellinghorst sieht das Konzept kritischer: „Ein neues, kompromissloses Produkt wird bei diesem Ansatz wahrscheinlich nicht entstehen“, fürchtet der Autoexperte vom Investmenthaus Evercore ISI.

Mercedes beschwört das beste Gesamtpaket

Daimler-Chef Zetsche sieht dagegen „keinen Nutzen darin, jetzt eine pure Elektrofertigung aufzubauen“. Er will auch mittel- bis langfristig die Stromer auf den gleichen Linien mit den Verbrennern bauen. Tesla geht da einen anderen Weg. Die Amerikaner fertigen die Premiumlimousine Model S, die SUV-Variante Model X und das Model 3 für den Massenmarkt auf Plattformen, die einzig und allein für Elektroautos designt wurden. Die Folge: „Die Autos von Tesla grenzen sich ganz klar von herkömmlichen Fahrzeugen ab“, erklärt Ellinghorst. Die ersten Elektroautos der deutschen Hersteller werden dagegen „teure Kompromissprodukte aus alter und neuer Welt sein“, prophezeit der Autoanalyst.

Neben chinesischen Start-ups wie Nio oder Byton sei mittelfristig der Volkswagen-Konzern mit seiner Premiumtochter Audi der engste Wettbewerber von Tesla, konstatiert Ellinghorst. Denn nur die Wolfsburger arbeiten mit Hochdruck an einem eigenen Elektrobaukasten. „Daimler und BMW hat Elon Musk dagegen im Moment weniger auf der Rechnung“, sagt der Evercore-Experte. Bleibt es bei dieser Bestandsaufnahme, wäre das Selbstverständnis von Daimler erschüttert. Gilt doch in Stuttgart seit jeher das Credo: „Das Beste oder nichts“.

Daimler sieht sich als die unangefochtene Nummer eins. Kein anderer Premiumhersteller verkauft mehr Autos als die Schwaben. Und kein anderer baut bessere, sicherere und coolere Fahrzeuge, so das Selbstverständnis. Nun tut sich der Konzern aber zunehmend schwer, technisch mit den Wettbewerbern mitzuhalten. Antreiber Zetsche will davon nichts wissen. Er habe schon immer gesagt, dass sich „das Beste oder nichts“ auf das „beste Gesamtangebot“ beziehe.

Es gehe um das Zusammenspiel aller Eigenschaften eines Fahrzeugs – nicht nur der Reichweite oder der Batteriegröße. Unter dieser Betrachtungsweise ist Zetsche „sicher, dass wir das beste Angebot haben“.

Zumindest beim Preis dürfte er im Vergleich zu deutschen Wettbewerbern seinen Kunden tatsächlich ein besseres Angebot unterbreiten. Wie viel der EQC genau kosten wird, wollte Zetsche zwar nicht verraten. Aber: „Das wird eine sehr wettbewerbsfähige Preisstellung sein.“ Zum Vergleich: Der Audi e-tron ist nicht unter 80.000 Euro zu haben. Das Model 3 von Tesla kostet in der Basisversion etwa die Hälfte. In der Branche geht man davon aus, dass der EQC deutlich weniger kosten wird als der e-tron.

Daimler braucht hohe Stückzahlen beim EQC und den Folgemodellen. Denn die Elektrooffensive drückt auf die Konzernbilanz. Den hohen Entwicklungsvorleistungen stehen zunächst keinerlei Einnahmen gegenüber. Der Konzern musste nicht zuletzt deswegen seine Jahresziele kassieren. Im zweiten Quartal verbuchte Daimler zudem einen deutlichen Gewinneinbruch. Das Konzernergebnis brach um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein, der Umsatz schrumpfte leicht und auch beim Absatz schwächelte Mercedes zuletzt.

Und so markiert die Elektrooffensive nicht nur den Beginn einer neuen Epoche, sie läutet allmählich auch das Ende der Ära Zetsche ein. Der Manager steht seit bald 13 Jahren an der Spitze von Daimler. Nur Bundeskanzlerin Angela Merkel ist noch etwas länger im Amt. Zetsches Vertrag läuft Ende 2019 aus. Er selbst wird schmallippig, wenn es um seine Zukunft geht.

Es ist gleichwohl ein offenes Geheimnis bei Daimler, dass Zetsche nach einer Abkühlphase in den Aufsichtsrat wechseln will, um Kontrollratschef Manfred Bischoff zu beerben. Ob ihm dies gelingt, hängt auch davon ab, wie Mercedes den Wandel zu Elektroantrieben meistert.

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3 Kommentare zu "Daimler-SUV „EQC“: Mit diesem Elektro-Mercedes will Dieter Zetsche Tesla überholen"

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  • Tolles Auto - eine wirklich gute Leistung von Daimler.
    Und was die Sicherheit oder das autonome Fahren angeht, traue ich Daimler deutlich mehr zu als Tesla - egal ob Benziner, Diesel, Hybrid oder EQ!
    Habe mir früher immer geschäftlich Autos aller namhaften Hersteller gemietet:
    Audi, BMW, Mercedes. Letztendlich habe ich mir einen Mercedes gekauft, da stimmt einfach das Preis-/Leistungsverhältnis und mir ist vor allem die Sicherheit und der Komfort wichtig.
    Mein nächstes Auto wird wieder ein Mercedes sein.
    Ob das ein Benziner, Diesel, Hybrid oder eben EQ sein wird, steht heute noch nicht fest - und ist mir auch nicht so wichtig!

  • Und wa sist mit den Dieslebesitzern, die nicht mal so 90 T€ oder mehr auf der hohen Kante haben? - "Ansatz gut, Ziel verfehlt!!!" - Denn die Masse der Vrebrenner leigt unter dieser €-Linie. Umweltzeile von Mercedes? - Weit verfehlt. Es zählt nicht die Verantwortung nur zum Aktionär. Nur will der Aktionär Maximalgewinne? oder gäbe er sich nicht auch mit 10% weniger zufrieden? - Betse Grüße und einen von der Politik un den Konzernen vernebelten Tag. -

  • Design ist natürlich Geschmackssache - aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, das Daimler das Äußere extra hesslich gezeichnet hat, um einen möglichst hohen Kontrast zu den schönen (profitableren) Verbrennern herzustellen. Das Rennen gegen den Audi e-tron oder gar das Model X wird man so sicherlich nicht gewinnen; will Daimler vielleicht auch gar nicht...