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Daimlers Kleinwagentochter Der Smart wird chinesisch – Großaktionär Geely steigt ein

Daimler-Aktionär Geely greift nach der Hälfte der Anteile an der Kleinwagentochter. Die Produktion des Smart könnte größtenteils nach China gehen.
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Die ohnehin schon für den rein elektrischen Betrieb ausgerichtete Daimler-Kleinwagentochter könnte mit einem großen Teil ihrer Produktion nach China gehen. Quelle: Daimler AG
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Die ohnehin schon für den rein elektrischen Betrieb ausgerichtete Daimler-Kleinwagentochter könnte mit einem großen Teil ihrer Produktion nach China gehen.

(Foto: Daimler AG)

München, BerlinGut ein Jahr lang ist der chinesische Autokonzern Geely nun schon größter Aktionär bei Daimler. Passiert ist seitdem wenig. Daimler, so die Befürchtung im Februar 2018, könnte mit seiner Premiummarke Mercedes zu einer Ehe mit der Geely-Tochter Volvo gezwungen werden.

Selbst die Bundesregierung war wegen des ungebetenen Investors aus China alarmiert. Schließlich hatte Geely-Chef Li Shufu klargemacht, dass er sein 9,7 Prozent großes Aktienpaket aus strategischen Gründen gekauft hat.

„Den Kampf um die Zukunft des Automobils wird kein aktueller Branchenspieler alleine gewinnen können“, erklärte Li Shufu vor einem Jahr den verdutzten Daimler-Managern. „Es ist Zeit für neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision.“

Kühl begannen die Stuttgarter die Gespräche mit Geely. In China hat Daimler mit BAIC bereits einen Partner, den man nicht vergrätzen will. Statt mit Volvo vereinbarte Daimler nun eine strategische Partnerschaft mit BMW zum Thema autonomes Fahren.

Doch nun scheint es tatsächlich ein konkretes Projekt mit dem Großinvestor zu geben. Geely solle schon in den kommenden Tagen eine 50-Prozent-Beteiligung an der Kleinwagentochter Smart übernehmen, bestätigten Unternehmenskreise am Mittwoch.

Die ohnehin schon für den rein elektrischen Betrieb ausgerichtete Kleinwagentochter könnte mit einem großen Teil ihrer Produktion nach China gehen. Offiziell wollten die Unternehmen den bevorstehenden Deal nicht kommentieren.

Smart statt Mercedes, Geely statt Volvo – offensichtlich haben sich die Mercedes-Manager mit ihren chinesischen Geschäftspartnern auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Es wäre ein Deal, der vor allem den Daimler-Managern nützt. Denn schon Anfang der Woche berichtete das Handelsblatt über die Schwierigkeiten bei Smart.

Die Absatzzahlen der 1998 eingeführten Marke sind seit Jahren unter Plan. Schon 2004 hatte die Marke ihr Allzeithoch mit weltweit mehr als 150.000 verkauften Einheiten erreicht.

Seitdem geht es meist bergab. Für 2018 steht wieder ein Minus in den Büchern. Um vier Prozent schrumpften die Verkäufe auf ernüchternde 130.000 Stück. Das ursprüngliche Absatzziel von 200.000 Einheiten wurde seit der Einführung des Smarts noch nie erreicht. Auf 500 bis 700 Millionen Euro schätzen die Analysten von ISI Evercore die jährlichen Verluste.

Partnerschaft mit Geely ist konsequent

Mitte 2018 warf die langjährige Smart-Chefin Annette Winkler das Handtuch. Seitdem drängt vor allem der designierte Konzernchef Ola Källenius, der im Mai Dieter Zetsche an der Daimler-Spitze beerben soll, auf eine Lösung.

Neidisch blicken die Mercedes-Manager auf den Konkurrenten BMW mit seiner britischen Tochter Mini, die mittlerweile 360.000 Autos pro Jahr verkauft. Zwar veröffentlichen auch die Münchener keine Profitabilitätszahlen für ihre Tochter. Anders als bei Smart ist es BMW aber gelungen, den Mini begehrenswert zu machen. Zudem gibt es mit dem Geländewagen „Countryman“ und dem Kombi „Clubman“ Derivate, mit denen Mini in breitere Marktsegmente vordringen konnte.

Die Marke Smart ist hingegen seit Jahren auf dem Rückzug: Der viersitzige Smart „Forfour“ wurde wegen schwacher Stückzahlen ebenso eingestellt wie der Sportwagen Roadster. Übrig blieb der Ur-Smart Fortwo, der auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Renault Twingo steht. Doch die erhofften Skaleneffekte brachte diese Verbindung auch wegen der ausbleibenden Stückzahlen nie ein. Zuletzt ordnete Daimler-Chef Dieter Zetsche an, die gesamte Marke auf Elektroantrieb umzustellen.

Die Partnerschaft mit Geely ist deshalb nur konsequent: China ist mit rund 100.000 verkauften Elektroautos pro Monat bereits jetzt der größte Markt für Stromer. Daimler muss wie alle Autohersteller ab diesem Jahr eine Elektroquote von zehn Prozent erfüllen – am schnellsten geht das mit Kleinwagen. Das hat auch BMW erkannt und bereits im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit Great Wall für den Mini geschlossen.

Der Elektro-Mini soll ab 2020 in hohen Stückzahlen gemeinsam mit Great-Wall-Modellen vom Band laufen. Sollte Großbritannien über einen harten Brexit den Zugang zu den Weltmärkten verlieren, wäre der Standort in China zudem eine willkommene Exportbasis für den Elektromini. Ein Modell, das auch Geely mit dem Smart anstrebt. Für die 800 Mitarbeiter im Smart-Werk Hambach besteht aber kein Grund zur Sorge.

Ihre Jobs sind wohl sicherer denn je – auch wenn sie vermutlich gerade die letzte Generation des Smarts in Frankreich zusammenbasteln. In dem Werk in Lothringen sollen künftig Mercedes-Modelle mit Elektroantrieb gefertigt werden. Die dürften in Europa eine bessere Zukunft als der Smart haben. Der Kleinwagen, mit dem Mercedes das Autogeschäft revolutionieren wollte, bekommt in China seine letzte Chance.

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