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Operationsaal in Bremen

Drei von zehn Patienten fürchten einen Hackerangriff im Krankenhaus.

(Foto: dpa)

Datensicherheit Viele Patienten fürchten Hackerangriff im Krankenhaus

Knapp 30 Prozent der Deutschen haben Angst vor Computerausfällen in Kliniken. Trotzdem ist jeder Zweite bereit, seine persönlichen Gesundheitsdaten zu teilen.
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Frankfurt Ein Hackerangriff, der die Computersysteme im Krankenhaus lahmlegt, während man selbst als Patient dort behandelt wird: Dieses Szenario macht drei von zehn Deutschen Angst. Die Hälfte der Bundesbürger glaubt zudem, dass gerade kleinere kommunale Krankenhäuser in ländlichen Gegenden schlecht auf einen Angriff aus dem Netz vorbereitet sind.

Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1000 Bundesbürgern, die dem Handelsblatt vorliegt.

Im vergangenen Herbst hatten neue Cyberangriffe auf Krankenhäuser in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. So musste etwa das Klinikum Fürstenfeldbruck in Bayern im November mehr als eine Woche ohne Computer auskommen, nachdem ein E-Mail-Trojaner ins System eingedrungen war. Zwei Monate zuvor wurden drei Ameos-Kliniken in Norddeutschland zeitweise von der Notfallversorgung abgemeldet, nachdem die EDV-Systeme wegen einer Schadsoftware heruntergefahren werden mussten.

„Hackerangriffe haben sich zum zentralen Geschäftsrisiko in der Gesundheitswirtschaft entwickelt“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Gesundheitsbereichs bei PwC. Krankenhäuser und Arztpraxen könnten sich nur absichern, indem sie weit mehr als bisher in ihre Datensicherheit investieren und ihr IT-Personal aufstocken, so Burkhart.

Eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger unter Krankenhausmanagern hatte 2017 gezeigt, dass knapp zwei Drittel der befragten Häuser schon einmal Opfer eines Hackerangriffs geworden sind. 91 Prozent der Häuser gaben damals an, weniger als zwei Prozent ihres Umsatzes in IT zu investieren.

Nach der aktuellen PWC-Umfrage trauen die Bürger es am ehesten Universitätskliniken zu, Hackerangriffe abzuwehren. 78 Prozent der Befragten sind dieser Ansicht. Auch Gesundheitszentren und Gemeinschaftspraxen sowie Kliniken in privater Trägerschaft mit mehreren Häusern erreichen hier gute Werte (65 beziehungsweise 64 Prozent Zustimmung). Nachholbedarf sehen die Befragten dagegen neben kleinen Kliniken auch bei Hausarztpraxen.

Als wichtigste Schutzmaßnahme gegen Hackerangriffe sehen 87 Prozent der Befragten die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Arztpraxen an. Die Fälle aus der Praxis zeigen, dass die Schadsoftware vielfach über das Öffnen von E-Mail-Anhängen in die Systeme gelangen konnte.

Hausarztpraxis als Schwachstelle

Die Mehrheit der Befragten wünscht sich zudem mehr gesetzliche Vorschriften für eine bessere Datensicherheit. So befürworten 78 Prozent der Befragten, dass die Meldung von Angriffen aus dem Internet bei der zuständigen Behörde verpflichtend wird.

74 Prozent der Bürger sprechen sich für ein standardisiertes Sicherheitskonzept aus, dessen Schutzmaßnahmen von einer Instanz wie etwa dem Bundesgesundheitsministerium ausgegeben wird. Und 67 Prozent der Befragten würden sich sicherer fühlen, wenn das Krankenhaus die IT-Sicherheit durch eine unabhängige Prüfstelle regelmäßig zertifizieren lassen würde.

Nicht nur in der Klinik sehen die Bürger mögliche Schwachstellen beim Thema Datensicherheit. Lediglich 48 Prozent vertrauen darauf, dass in ihrer Hausarztpraxis alle Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Dass der Hausarzt Datenpannen und Datenschutzverstöße an die zuständige Aufsichtsbehörde meldet, glauben 65 Prozent der Befragten. Und 69 Prozent gehen davon aus, dass alle Patientendaten verschlüsselt gespeichert werden.

Im Umkehrschluss zeigen die Daten, dass viele Bürger beim Thema Datensicherheit im Gesundheitswesen skeptisch sind. Dennoch ist laut PwC-Umfrage jeder Zweite bereit, seine persönliche Daten über die Gesundheitskarte mit allen Ärzten und der Krankenkasse zu teilen. Lediglich 26 Prozent lehnen das strikt ab, 22 Prozent sind noch unsicher.

„Insgesamt ist die Zustimmung zur Gesundheitskarte und die Bereitschaft, Informationen zu teilen, recht hoch. Die Versicherten sehen die Vorteile, vor allem den leichteren Austausch zwischen Krankenhäusern und dem ambulanten Sektor“, fasst PwC-Experte Michael Burkhart die Ergebnisse zusammen.

Übrigens: Die Angst vor dem Hackerangriff im Krankenhaushaus ist zwar deutlich feststellbar, aber bei weitem nicht die größte Sorge für eine Komplikation bei einem Krankenhausaufenthalt. Die Angst der Patienten, sich durch mangelnde Krankhaushygiene mit einem Krankheitserreger anzustecken, ist weitaus höher: Während 28 Prozent der Befragten das Risiko des Computerausfalls als groß oder sehr groß ansehen, sind es beim Thema Ansteckung insgesamt 70 der Befragten.

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