Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Kandidat Healthineers Ex-Basketballer Bernd Montag steht bei Siemens vor einem späten Triumph

Zwei Jahre nach dem Börsengang hat der Chef der Siemens-Tochter Healthineers einen großen Deal eingefädelt. Und seine Position damit gestärkt.
03.08.2020 - 11:32 Uhr Kommentieren
Der Siemens-Healthineers-CEO könnte mit seinem Unternehmen bald in den Dax einziehen. Quelle: dpa
Bernd Montag

Der Siemens-Healthineers-CEO könnte mit seinem Unternehmen bald in den Dax einziehen.

(Foto: dpa)

München Der große Auftritt ist nicht unbedingt seine Sache. Der Siemens-Manager Bernd Montag gilt als hochintelligenter, detailversessener Medizintechnik-Fachmann. Doch die Ansprachen des Physikers sind zuweilen eher sperrig. Als Healthineers, die Medizintechniktochter von Siemens, vor zwei Jahren an die Börse ging, stand oft der eloquente Siemens-Vorstand Michael Sen im Mittelpunkt, der den Healthineers-Aufsichtsrat führte und als Mastermind hinter dem Börsengang galt.

Doch nun wird es Montag sein, der den Siemens-Ableger wohl in den Dax führen wird. Seit März arbeitete der Healthineers-CEO Tag und Nacht an seinem großen Coup. Noch schmaler ist der hochgewachsene Manager in dieser Zeit geworden.

Am Sonntag konnte er Vollzug melden: Für mehr als 16 Milliarden Dollar übernimmt Healthineers den US-Krebstherapie-Spezialisten Varian. „Das ist sein Deal“, sagt einer aus seinem Umfeld.

Dabei hatten auch nach dem Börsengang noch manche spekuliert, dass vielleicht doch noch Sen irgendwann den Vorstandsvorsitz übernehmen könnte, zum Beispiel als die Einführung der neuen Diagnostikplattform Atellica nicht gut anlief. Schließlich hatte sich wohl auch Sen einst als Finanzvorstand der Siemens-Gesundheitstechnik einmal Hoffnungen auf den Chefposten gemacht. Ob Montag wirklich Dax-Format hat und auch vor Investoren glänzen kann, hatten auch im Umfeld manche bezweifelt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch Sen hat den Siemens-Konzern nach einem Machtkampf inzwischen ganz verlassen. Und Montag? Der präsentierte am Sonntag die Milliardenübernahme vor Analysten durchaus souverän.

    „Seine Lernkurve in die Rolle hinein ist gewaltig“, sagt ein Insider. Montag werde immer einer sein, der sehr genau auf die Details schaut, „das ist sein Charakter“. Als es bei Atellica hakte, fuhr der Healthineers-CEO zwei Wochen in die USA, um wirklich genau zu verstehen, wo die Probleme liegen. Doch hat er inzwischen auch an Führungsformat gewonnen.

    Sein Weg als Konzernchef könnte ihn nun in den Dax führen. Die Hälfte des Kaufpreises soll mittels Kapitalerhöhung finanziert werden. Dadurch sinkt die Siemens-Beteiligung auf 72 Prozent, der Streubesitz – wichtiges Kriterium für den Dax-Einzug – steigt.

    Nur eine Frage der Zeit

    Im Grunde sei die Aufnahme in die höchste deutsche Börsen-Liga nur noch eine Frage der Zeit, sagte Montag selbstbewusst. Spätestens bei der regulären Aufnahmerunde im nächsten Jahr werde es soweit sein, wird bei Healthineers intern spekuliert.

    Für Montag wäre es ein später Triumph. Der Zweimetermann, der einst in der Jugendnationalmannschaft Basketball spielte, hat sein gesamtes Berufsleben bei Siemens verbracht. Er startete 1995 im zentralen Qualitätsmanagement und im Vertrieb der Hörgerätesparte, eher er Ende des Jahrtausends zum wichtigen Geschäftsfeld Computertomografie der Medizintechnik wechselte. 2015 setzte er sich dann als CEO der verselbstständigten Siemens Healthineers durch.

    Dort lief nicht alles glatt. Als die Marke präsentiert wurde, sprangen bei einer internen Feier Tänzer in blauen und orangefarbenen Ganzkörperanzügen, die an die Teletubbies erinnerten, über die Bühne. Dazu erklang der Song „We are, we are Healthineers“. Das trug dem Unternehmen viel Spott ein. „Das war im Nachhinein sicher ein Fehler“, räumte Montag im Handelsblatt-Gespräch offen ein.

    Das Zusammenspiel mit Sen, ohne den der Sprung an die Börse wohl nicht geglückt wäre, funktionierte dann trotz der unterschiedlichen Charaktere insgesamt gut. So konnten die Healthineers an der Börse Vertrauen gewinnen.

    Viele hatten erwartet, dass Healthineers mit der neuen Akquisitionswährung Aktie gleich auf große Einkaufstour gehen würden. Doch Montag gab intern die Devise „keine Abenteuer“ aus. Das junge Unternehmen solle den Investoren erst einmal verlässlich liefern.

    Aufsichtsrat steht hinter Montag

    Es gab ja auch genug Hausaufgaben zu erledigen. Als die Auslieferung von Atellica aus dem Plan geriet, schrieb Sen manchen Brief an seinen Vorstandsvorsitzenden. Der musste die Einführung zur Chefsache machen.

    Doch inzwischen sind die Probleme in der Diagnostiksparte etwas in den Hintergrund gerückt. Die Corona-Pandemie belastet in einigen Feldern das Geschäft, auch wenn Healthineers Tests anbietet.

    Und dann ist da ja noch die Mega-Übernahme. „Dieser entscheidende Moment in der Geschichte unseres Unternehmens bedeutet für Patienten mehr Hoffnung und weniger Unsicherheit, für unsere Kunden einen noch stärkeren Partner an ihrer Seite und für die Gesellschaft eine effektivere und effizientere medizinische Versorgung“, frohlockte Montag.

    Hinter sich hat er dabei seinen Aufsichtsratschef Ralf Thomas. Der Siemens-Finanzvorstand wird sehr genau auf die Zahlen sehen, hat aber sicher keine eigenen Ambitionen mehr. Auf die beiden wartet nun viel Arbeit. Bei großen Übernahmen, das lehrt die Geschichte, ist die Integration die kniffligste Herausforderung.

    Mehr: Die zehn wichtigsten Coronaimpfstoff-Unternehmen.

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Kandidat Healthineers - Ex-Basketballer Bernd Montag steht bei Siemens vor einem späten Triumph
    0 Kommentare zu "Dax-Kandidat Healthineers: Ex-Basketballer Bernd Montag steht bei Siemens vor einem späten Triumph"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%