Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Defekte Airbags US-Senatoren nehmen Takata ins Visier

Ein geplatzter Seitenairbag in einem VW könnte den japanischen Airbag-Lieferanten teuer zu stehen kommen. US-Politiker fordern den Rückruf aller Autos mit Takata-Produkten. Auch Toyota zieht offenbar Konsequenzen.
Kommentieren
  • Handelsblatt
Der nicht enden wollende Rückrufskandal belastet den japanischen Zulieferer. Quelle: Reuters
Takata-Airbag

Der nicht enden wollende Rückrufskandal belastet den japanischen Zulieferer.

(Foto: Reuters)

Tokio Ein geplatzter Seitenairbag in einem Volkswagen Tiguan bringt den japanischen Autozulieferer Takata noch mehr unter Druck. Explodierende Front-Airbags des Herstellers hatten bereits zum größten Rückruf der Autogeschichte geführt. Doch nach dem neuen Zwischenfall fordern zwei Senatoren in den USA, sofort alle Autos mit Takata-Airbags zurückzurufen.

In einem Brief an Takatas Vizechef für Nordamerika, Kevin Kennedy, warfen die Senatoren Richard Blumenthal und Erward Markey dem Unternehmen vor, dass der neue Zwischenfall Takatas Beteuerungen untergrabe, dass die Probleme sich auf ältere Modelle und sehr schwüles Klima beschränkten.

Doch der neue Fall passierte nicht nur in einem relativ neuen Auto, sondern auch in Missouri und damit außerhalb der Gebiete, in denen die meisten Airbag-Zwischenfälle auftraten. Bislang sind acht Menschen von umherfliegenden Metallteilen getötet, mehr als hundert verletzt worden.

Für Takata kommt der Vorstoß der US-Politiker zu einem kritischen Zeitpunkt. Weltweit sind bereits mehr als 50 Millionen Autos von den Rückrufen betroffen, mehr als 30 Millionen allein in den USA. Denn Takata ist einer der wichtigsten Airbag-Lieferanten. Die Kosten für den Rückruf hatten den Zulieferer 2014 bereits in die roten Zahlen gedrückt.

Und der finanzielle Puffer ist dünn und kann neue Kosten kaum abfedern. Im ersten Quartal seines seit April laufenden Bilanzjahres 2015 kehrte das Unternehmen zwar in die Gewinnzone zurück. Aber der Reingewinn war mit 3,1 Milliarden Yen (22 Millionen Euro) nur mager.

Noch sind weitere Rückrufe nur ein Risiko. Bislang sieht Takata keine Verbindung zwischen den Front- und Seitenairbags. „Takata untersucht die Ursache für die Fehlfunktion des Inflators am 7. Juni, von dem wir glauben, dass er ohne Bezug zu vorhergehenden Rückrufen ist“, teilte Takata dem Handelsblatt mit. Man arbeite eng mit der US-Verkehrsbehörde und dem Autohersteller zusammen.

Immer neue Pannen sorgen für Rückrufe
Takata
1 von 37

Beim größten Rückruf in der US-Automobilgeschichte hat der japanische Zulieferer Takata wegen defekter Airbags den Rückruf von insgesamt fast 34 Millionen Autos in den USA veranlasst. Das Unternehmen verdopple damit die Anzahl der in die Werkstätten beorderten Fahrzeuge, teilten die US-Behörden am Dienstag mit. Takata räumte demnach erstmals ein, dass die in elf Automarken eingebauten Airbags des Unternehmens fehlerhaft sind. Von der Rekord-Rückrufaktion in den USA sind laut US-Verkehrsminister Anthony Foxx elf Hersteller betroffen: BMW, Fiat, Chrysler, General Motors, Ford, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Toyota und vor allem Honda.

(Foto: dpa)
Hyundai Sonata
2 von 37

Toyota und Nissan rufen im Mai 2015 wegen Problemen mit Airbags weltweit etwa 6,5 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Luftkissen des Zulieferers Takata sollen wegen eines möglichen Defekts vorsichtshalber ausgetauscht werden. Es gehe erneut um die Gasgeneratoren, mit denen die Airbags aufgeblasen werden. Berichte über Unfälle oder Verletzungen habe es nicht gegeben, teilten sowohl Toyota als auch Nissan mit.

Toyota bestellt knapp fünf Millionen Fahrzeuge wieder ein, darunter die Modelle Corolla und Vitz. Nissan holt rund 1,56 Millionen Autos in die Werkstätten.
Seit 2008 sind bereits mehr als 20 Millionen Fahrzeuge mit Takata-Airbags von Rückruf-Aktionen betroffen, darunter auch Autos von Herstellern außerhalb Japans wie BMW und Ford.

(Foto: ap)
Smart Fortwo
3 von 37

Anfang Mai 2015 ruft Daimler in China 19.000 Autos in die Werkstätten. Betroffen sind rund 10.500 Fahrzeuge der Mercedes-Benz A- und B-Klasse sowie rund 8500 kompakte Stadtautos Smart Fortwo. Bei der A- und B-Klasse handele es sich um ein Problem mit der Seitenwelle, sagte ein Daimler-Sprecher. Dadurch könne das Fahrzeug nicht mehr lenkbar sein. Fälle, in denen das passiert sei, seien aber noch nicht bekannt. Die Kunden würden vorsorglich benachrichtigt. Beim Smart entspreche die Verschraubung an einer Lenkung nicht den Vorgaben. Das habe zwar keine Auswirkungen auf die Lenkbarkeit, das Problem werde aber vorsorglich ebenfalls behoben.

(Foto: Reuters)
Daimler
4 von 37

Daimler hat am 16. Februar in Deutschland und China den Rückruf von 150.000 Fahrzeugen wegen möglicher Sicherheitsprobleme gestartet. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich unter Umständen Auto-Teile lösen und ein Feuer verursachen könnten, teilte die zuständige chinesische Aufsichtsbehörde am Montag mit.

Daimler bestätigte die Rückrufaktion. In China seien 127.000 Fahrzeuge betroffen, in Deutschland rund 22.000 Autos. Informationen über weitere Länder lägen noch nicht vor, sagte ein Daimler-Sprecher. Bei den Fahrzeugen könnten Sicherheitsrisiken nicht ausgeschlossen werden. Bislang gebe es aber noch keine Berichte über Unfälle oder Schäden.

Der Fehler liege bei einer Dichtung an einer Trennwand im Motorraum, sagte der Sprecher. Es bestehe die Gefahr, dass diese sich löse. Betroffen seien zwischen 2012 und 2014 hergestellte Fahrzeuge der CLS- und der E-Klasse. Die Teile würden kostenlos ausgetauscht.

(Foto: Frank G. Heide)
Mercedes E-Klasse
5 von 37

Nach Europa und China folgt nun nur eine Woche später ein weiterer Rückruf in den USA: Mercedes muss hier noch einmal 147.000 Wagen zurückrufen. Grund dafür ist eine mögliche Brandgefahr der Autos.

(Foto: dapd)
Porsche
6 von 37

Porsche ruft den chinesischen Aufsichtsbehörden zufolge in der Volksrepublik mehr als 14.500 Fahrzeuge zurück. Grund seien Fehler an den Nockenwellen der Autos, teilte die nationale Qualitätsprüfstelle auf ihrer Internetseite mit. Betroffen sind demnach unter anderem mehrere Importmodelle des Sportwagens Panamera sowie zwei des Geländewagens Cayenne.

Die Autos seien zwischen April 2009 und September 2011 gebaut worden. Die chinesische Behörde erklärte, die Fahrzeuge stellten ein Sicherheitsrisiko dar, Porsche tausche das fehlerhafte Bauteil kostenlos aus. Die Volkswagen -Tochter hatte im vergangenen Jahr ihren Absatz in China kräftig gesteigert.

(Foto: PR)
Jeep
7 von 37

Der Autohersteller Fiat Chrysler ruft wegen möglicher technischer Probleme mit den Seiten-Airbags weltweit Geländewagen zurück. Bei insgesamt 228.181 Jeep Cherokees von 2014 und 2015 solle ein Software-Upgrade durchgeführt werden, teilte das Unternehmen mit.

Mit gut 168.000 Fahrzeugen entfalle der Großteil auf die USA. Der Konzern wisse von keinen Unfällen im Zusammenhang mit dem Problem.

(Foto: PR)

Doch um dem wachsenden Druck zu begegnen, verstärkt Takata das politische Lobbying in den USA. Im vergangenen Jahr erhöhten die Japaner ihre Lobby-Ausgaben um 22 Prozent. Laut Dokumenten, die das Unternehmen beim US-Senat einreichte, zahlte Takata 390.000 US-Dollar an die international tätige Rechtsanwaltskanzlei und Lobbyanbieter Squire Patton Boggs. Denn in den USA sind Rückrufe nicht nur am stärksten politisiert. Auch ist der mögliche finanziellen Schaden durch Strafgelder der Behörden und Schadensersatzklagen am höchsten.

Der japanische Autobauer Toyota zieht Konsequenzen aus dem bislang weltgrößten Rückruf im Autosektor und sucht sich offenbar eine Alternative zuTakata. Der größte japanische Autokonzern werde beim kleineren Takata-Rivalen Nippon Kayaku mehr als 13 Millionen Airbag-Gasgeneratoren bestellen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Toyota habe im vergangenen Monat angefragt, ob eine Produktionsausweitung möglich sei, so dass Lieferungen von Nippon Kayaku ab Juli 2016 bis 2020 erfolgen könnten.

Toyota überwies 2014 nach Strafgeldern in zweistelliger Millionenhöhe 1,2 Milliarden US-Dollar, um ein Verfahren wegen vermeintlicher Qualitätsprobleme einzustellen.

Startseite

0 Kommentare zu "Defekte Airbags: US-Senatoren nehmen Takata ins Visier"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote