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Deutsch-türkische Handelsbeziehungen Autozulieferer Knorr-Bremse in der Türkei-Falle

Ein Mitarbeiter von Knorr-Bremse verweigerte aus politischen Gründen das Angebot eines türkischen Zulieferers. Nun ist der Image-Schaden für den Konzern groß.
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Autozulieferer: Knorr-Bremse in der Türkei-Falle Quelle: dpa
Bremsscheiben von Knorr-Bremse

Die Mail eines Mitarbeiters des Autozulieferers sorgt in der Türkei für Irritationen.

(Foto: dpa)

IstanbulKamil Arac dachte nur ans Geschäft. Der Eigentümer von Met Oto, einem Anbieter von Karosserieteilen für Autos aus Istanbul, ließ bisher vor allem für den heimischen Markt produzieren. Seit Kurzem will die Firma auch ins Ausland exportieren.

Also schrieb Arac eine Mail an Knorr-Bremse, den weltweit führenden Hersteller von Bremssystemen mit Sitz in München, und bot ihm den Verkauf von Einzelteilen für die Fertigung in Bayern an.

Ein Prokurist von Knorr-Bremse antwortete per Mail: „Als Verantwortlicher für Warmschmiedeteile und massive Kaltschmiedeteile in Europa sperre ich derzeit alle in der Türkei ansässigen Lieferanten aufgrund der politischen Situation, die für mich/uns ein unvorhersehbares Risiko darstellt. Danke für Ihr Verständnis.“

Nun kann man die Antwort des Knorr-Bremse-Mitarbeiters auf zwei Arten interpretieren. Einerseits könnte er gemeint haben, dass er aus politischer Überzeugung keine Geschäfte mit türkischen Firmen machen will. Oder er erachtet das Risiko eines Zahlungsausfalls als zu hoch.

Allein, wie auch immer man den Vorgang interpretiert, ein Nachgeschmack bleibt. Denn: Knorr-Bremse selbst unterhält fünf Fabriken in der Türkei.

Das Management von Knorr-Bremse, das auch über einen Börsengang des Unternehmens nachdenkt, ruderte schnell zurück. Der Mitarbeiter habe eine unglückliche Formulierung benutzt. Dies habe dazu geführt, dass der Eindruck entstanden sei, Knorr-Bremse würde aus politischen Gründen grundsätzlich türkische Zulieferer ablehnen.

„Das ist nicht der Fall und repräsentiert nicht unsere Unternehmenspolitik“, zitiert die türkische Tageszeitung Habertürk aus der Stellungnahme. Weiter betont Knorr-Bremse demnach, dass derzeit Aufträge im Wert von 30 Millionen Euro an türkischen Firmen vergeben seien.

Das sind die größten Autozulieferer der Welt
Platz 10: Faurecia
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Der Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die Franzosen kletterten im Ranking in diesem Jahr um einen Rang nach oben, obwohl es beim Umsatz um 0,3 Prozent nach unten ging. Der Umsatz betrug 2016 insgesamt 18,7 Milliarden Euro.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

(Foto: picture alliance)
Platz 9: Michelin
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Die vor allem für ihre Reifen bekannte Firma aus Frankreich machte 2016 insgesamt 20,9 Milliarden Euro Umsatz. Das bedeutet ein Minus von 1,4 Prozent. Dennoch reicht es für die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt.

(Foto: dpa)
Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Die Japaner, ebenfalls vor allem für ihre Reifen bekannt, bleiben trotz eines Minus von 6,7 Prozent auf dem achten Platz der Rangliste. Der Umsatz betrug zuletzt 22,5 Millionen Euro.

(Foto: dpa)
Platz 7: Aisin
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Die zweite japanische Firma in den Top Ten: Aisin, das zur Toyota-Gruppe gehört, darf sich über ein Plus von 15,9 Prozent freuen. Damit lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 28 Milliarden Euro.

(Foto: picture alliance)
Platz 6: Hyundai Mobis
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Obwohl die Koreaner, die Hyundai und Kia beliefern, ein Plus von 7,6 Prozent machten, fielen sie um einen Rang zurück. Der Umsatz betrug 30,2 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)
Platz 5: ZF Friedrichshafen
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Der Stiftungskonzern vom Bodensee konnte Hyundai Mobis überholen, denn das Umsatzplus betrug zuletzt 19,3 Prozent. Der gesamte Umsatz für das Jahr 2016 beläuft sich auf 32,353 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)
Platz 4: Magna
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Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer verzeichnete jüngst ein Umsatzplus von 17,6 Prozent. Mit einem Erlös von 34.587 Milliarden Euro verharrt Magna auf dem vierten Rang.

(Foto: dpa)

Auch auf Nachfrage des Handelsblatts betonte eine Sprecherin des Unternehmens, die Einkaufspolitik der Knorr-Bremse richtet sich nach strikten Grundsätzen, zu denen es keine Änderungen gab. „Das Verhalten unseres Mitarbeiters entspricht in keiner Weise unseren Ansprüchen an verantwortungsvolles Handeln.“

Der Fall zeigt, wie sensibel die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen beurteilt werden. Einerseits sind viele Unternehmer und Manager verunsichert: Eine Verhaftungswelle in der Türkei nach einem Putschversuch vor knapp zwei Jahren hat einige dazu bewegt, seitdem keine Geschäftsreisen mehr dorthin zu unternehmen.

Auf der anderen Seite laufen die Geschäfte zwischen Firmen aus beiden Ländern weiterhin hervorragend. Im Jahr 2016 betrug das Handelsvolumen rund 35 Milliarden US-Dollar, vor allem durch deutsche Exporte in die Türkei. Alleine der Automobilsektor trug 10,1 Milliarden Dollar bei.

Alper Kanca, Präsident des türkischen Autozuliefererverbandes, findet die genannten Gründe für die Absage deswegen seltsam. Knorr-Bremse mache gute Geschäfte in der Türkei, unter anderem mit Bremssystemen für die staatliche Eisenbahngesellschaft.

„Sie sehen kein Problem darin, Produkte in die Türkei zu exportieren, aber wenn es darum geht, Einzelteile von uns zu kaufen, kommen sie mit politischen Vorbehalten.“

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2 Kommentare zu "Deutsch-türkische Handelsbeziehungen: Autozulieferer Knorr-Bremse in der Türkei-Falle"

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  • Ohne Wirtschaft und Handel geht gar nichts. Ohne Politiker ginge es heute durchaus, und das sogar weitaus besser. Allerdings nur, wenn die Bürger bereit und willens sind, selbst die Verantwortung für sich und ihre öffentliche Infrastruktur zu übernehmen.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette